Flügelverleih am Faust

24. Juli 2010

Flügelblogfreie Zeit

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 20:53

Ich darf mich flügelverleihmäßig für dieses Schuljahr verabschieden.

Ich werde in den Ferien „nur noch“ auf www.maennerrevolte.de mit einer speziellen mentalen Sommerschule bloggen.

Die schlichte Idee.

Meine Computer-Festplatten enthalten aus den letzten zehn Motivationsprojektjahren ungezählte Bildchen, die ich immer in der Schulberatung einzelner Schüler eingesetzt habe. Sie haben eigentlich alle den selben Hintergrund: Wer seinen Kopf positiv auf Schule polen kann, der gewinnt, weil man positiv eingestellt leichter, intensiver, schneller und nachhaltiger lernt. Täglich ein kleines Bild wirken lassen, das ist der Hintergrund der mentalen Sommerschule. Klar wäre es schön, wenn man lauter Lehrer hätte, die es wunderbarerweise schaffen könnten, allen Schülern ohne Anstrengung eine positive Schuleinstellung zu vermitteln. Aber das ist keine Realität. Es gibt ja genügend Schüler, die haben bei den real existierenden Lehrern die richtige positive Einstellung. Verleihen dem Lernen Flügel. Fakt ist: Schüler mit positiver Grundeinstellung konzentrieren sich im Unterricht deutlich mehr, lernen deshalb oft viel weniger zu Hause und haben trotzdem bessere Noten. Genau da muss man hin. Das Gehirn muss professionell eingestellt werden, dann kann man auch als schlechter Schüler plötzlich richtig gut werden. Ein großer Teil der Nichtversetzungen ist zu heftige Ablehnung von Schule. Zu viel Parallelprogramme im Kopf während des Unterrichts. Wenn man Schule ablehnt, dann findet man an jedem Lehrer genügend auszusetzen, um am Ende all die Schmach auf den Lehrer zu schieben. Nur bringt das nichts. Weil man den Lehrer so nicht verändern kann. Sich selbst kann man verändern. Sogar schnell. Auch als Sechstklässler.

Sagt meine Erfahrung der letzten 20 Jahre.

Und mit der mentalen Sommerschule kann man, wenn man das will, versuchen, seinem Gehirn sechs Wochen lang Bilder einzugeben, die die professionelle Spur zu einem erfolgreichen Schülerdasein legen kann, wenn man dies will.

Das Wollen ist der Knackpunkt.

Aus den Ferien zurückkommen und den Schalter umgelegt haben. Das ist das wundersame Ziel der Sommerschule.

Und jetzt wünsche ich Ihnen eine entspannte unterrichtsfreie Zeit und gute Erholung ohne Schulstress für Ihre Familie.

Heinz Bayer

18. Juli 2010

Win Win Win, Danke Danke und Ausblick

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 22:25

Wir stellen im Moment schon unser neues Schüler-Kollegium für das nächste Jahr zusammen. Viele Altgediente, aber auch viel neue Schülerinnen und Schüler. Ab Klasse 9 darf man coachen. Also treten jetzt schon zukünftige Coachs aus den jetzigen 8. Klassen an.

In diesem Jahr haben wir richtige Arbeitsverträge entworfen. In zweifacher Ausführung. Sehr bewegend, die Bewerbergespräche, die Frau Geismann und ich zur Zeit führen. Weil wir beide die große Ernsthaftigkeit von jungen Menschen spüren, denen man schon jetzt professionelle Betreuungsarbeit zumuten kann. Zukünftige Sozialarbeiter/innen, Lehrer/innen, Professor/innen, Dozent/innen, Ausbildner/innen, Personalführer/innen, Ärzt/innen, etc, die jetzt schon ihre Begabung in Menschenführung ausspielen können. Mit Menschen umgehen zu können ist zu einem großen Teil Grundbegabung. Aber eine Grundbegabung, die man hervorragend ausbauen kann. Entwickeln kann. Perfektionieren kann. Erfahrung heißt das Zauberwort. Auch als Maschinenbauer, der später in seinem Betrieb eine Abteilung leiten muss, kommt um einen professionellen Umgang mit Mitarbeitern nicht herum. Jeder Rechtsanwalt muss mit Menschen umgehen können, sonst geht er unter.

Man sieht es den zukünftigen Sozialarbeiter/innen, Lehrer/innen, Professor/innen, Dozent/innen, Ausbildner/innen, Personalführer/innen, Ärzt/innen, etc in der 9. Klasse natürlich noch nicht an, dass sie später diese Berufe ausüben werden. Aber man spürt es, wenn man es zulässt. Oder man schaltet auf gesunden Menschenverstand und fragt sich einfach, wo denn zukünftige Sozialarbeiter/innen, Lehrer/innen, Professor/innen, Dozent/innen, Ausbildner/innen, Personalführer/innen, Ärzt/innen, etc ausgebildet werden? Am Gymnasium. Klar. Also sitzen sie auch hier bei uns. Definitiv. Obwohl man es ihnen nicht ansieht. Und arbeiten zum Beispiel bei uns im Flügelverleih. Win-Win-Win Situation. Die Schule profitiert, die zukünftigen Zukünftigen profitieren (also die Fünft- und Sechsklässler) und die Zukünftigen ( die Coachs) profitieren auch. Was will man mehr. Wir zumindest sind sehr zufrieden.

Für dieses Jahr schließt der Flügelverleih und bedankt sich bei allen Eltern für ihr Vertrauen in unsere Arbeit. Wir bedanken uns auch bei unseren Coachs für ihre wunderbare Arbeit. Und unseren Flügelverleihkindern für ihre wundervolle Entwicklung und uns selbst für unsere pädagogische Kreativität und unser Durchhaltevermögen. :-) Wir danken natürlich auch unserem Schuldirektor HaJo Kraus für sein großesVertrauen in unsere Arbeit und das Zulassen unserer vielen Ideen und Projekte. Wir danken auch Veronika Lévesque von der Erwachsenenbildungsstelle Baselland für die große professionelle Unterstützung in wichtigen Flügelverleihweiterentwicklungsphasen. Wir danken unserem Gesamtkollegium für die gute Zusammenarbeit und dafür, dass wir einfach machen durften. Das ist nicht selbstverständlich.

Ich persönlich bedanke mich natürlich auch bei allen Leserinnen und Lesern, die in so großer Zahl unseren pädagogischen Überlegungen gefolgt sind. Im nächsten Jahr wird auf dieser Adresse der Flügelverleihblog zum Fünferhaus- und Flügelverleihblog erweitert. Unser Team ist sehr gespannt. Nächste Woche malen wir zum Beispiel unsere Tische bunt an. Und planen große und kleine Spinde für die neuen Fäustlinge. Die kleinen für die Hausschuhe. :-) Man darf auf die Fünferhauspädagogik gespannt sein.

Übrigens: Bevor Sie Heinz Eugen B. Lese-Entzug bekommen, können Sie sich ab dem ersten August in den Ferien gerne die mentale Sommerschule unter www.maennerrevolte.de zu Gemüte führen. Die Zahl der Nichtversetzten ist in diesem Jahr auf ein solch niedriges Niveau gesunken, dass man davon träumen könnte, dass man mit einer mentalen Sommerschule, die die Versetzungsgefährdeten des nächsten Jahres ernsthaft genießen würden, am Faust im nächsten Jahr ohne Nichtversetzungen auskommt. Wär’ doch mal was.

Ist ja gut. Tträumen wird man wohl noch dürfen. :-)

9. Juli 2010

Win Win

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 23:51

Ein ganzes Schuljahr Flügelverleih liegt hinter uns. Wir haben wie im letzten Jahr ein kleines Sommerfest für alle Kinder samt Eltern veranstaltet, die Lust hatten. Es hatten ganz schön viele Lust. Sorry, wir vergaßen, nach der Vorankündigung eine Einladung herauszugeben. Also gut, ich habe es vergessen. Tut mir leid, aber die Kinder haben Sie ja auch ohne Einladung hingezogen. Grillfest im Schulgarten. Picknick mit Vorführungen. Eine kleine Verstärkeranlage, zwei Mikros und unser Programm, das von den Flügelverleihmoderatoren hervorragend in Szene gesetzt wurde. Da wurde live gesungen, live jongliert, live Gebärdensprache als Unterhaltungsthema eingesetzt ……. und was für mich als Altmeister des „Lassen wir doch mal die Leitungsträger der Zukunft ran“ einfach ohne Abstriche immer wieder fasziniert: Es funktioniert auch schon in der fünften und sechsten Klasse. Kurzweil pur. Leistungsträger der Zukunft können einige Fähigkeiten schon in der Schulzeit umsetzen. Klar doch. Man könnte da sagen: Eigentlich sahnen die ja nur ab. Wir würden es pädagogisch anders formulieren. Es ist ein Win-Win Konzept. Wer uns kennt weiß: Es ist eine Spezialität des Hauses Faust. „Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu begeistern, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, selbst Inhalte zu finden, eigene Fähigkeiten zu entdecken, ernst genommen zu werden – dann habt ihr viel für die Zukunft getan.“ Diese Idee fand auch die internationale Jury der EXPO2000 für EXPO-würdig. „Projekt Schülerschule“ war damals unser Arbeitstitel. „Dem Leben Flügel verleihen“, wäre für mich der Titel der kleinen Sommerfestveranstaltung im wundervoll hergerichteten Schulgarten vor dem Halbfinalspiel gegen die Spanier.

Also wir waren nicht am Ergebnis schuld.

2. Juli 2010

Überforderung oder Chance ?

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 16:34

Die letzten Wochen des Schuljahres rasen im Moment an uns vorbei.

Zeit für ein paar rückblickenden Flügelverleihwürdigungsgedanken.

Während in Frankreich eine Mutter mit ihrem vierjährigen Kind oft erstaunt angesehen wird, wenn sie mit ihm nachmittags auf dem Spielplatz sitzt, während die anderen Vierjährigen selbstverständlich die wesentlich vielfältigeren Möglichkeiten der Vorschule genießen und 99% zu Schulbeginn deshalb die französische Sprache beherrschen, fragen sich so manche deutschen Eltern, ob es für ihr Kind nicht eine Überforderung wäre, schon in der fünften Klasse mit 11 Jahren am Nachmittag mit vielen anderen Kindern gemeinsam zu lernen, statt zu Hause unter behüteten Bedingungen. Die langen Nachmittage des G8 kämen ja noch früh genug. Wir vom Flügelverleih sagen Ihnen, den Eltern, deren Kinder bei uns ihre Hausaufgaben machen, dass sie diese Entscheidung für die Nachmittagsschule garantiert nicht bereuen werden. Was sich hier in der ungezwungenen Kommunikation mit älteren Lerncoachs, Gleichaltrigen aus der eigenen und aus den anderen Klassen und den betreuenden Lehrerinnen und Lehrern und unserer immer anwesenden Sozialarbeiterin neben den Hausaufgaben täglich mitnehmen lässt, ist unbezahlbar. Obwohl der Flügelverleih, das müssen Sie zugeben, wirklich bezahlbar ist. Die höhere Identifikation mit Schule ist die wesentliche Komponente, die in den Sturm-und-Drang-Jahren der Pubertät ihre volle Wirkung entfalten wird. Jetzt ist alles noch vollkommen harmlos. Wenn Sie das letzte Faust aktuell gelesen haben, wissen Sie, dass die Abiturientinnen und Abiturienten mit Zertifikat (das sind aktive Schüler mit meist hoher Identifikation mit der Schule) einen Abitursschnitt von 1,95 hingelegt haben. Der Rest einen Schnitt von 2,3. Wobei die Note dabei noch nicht einmal das Entscheidende ist. Aber für Eltern eben häufig die einzige Orientierung, die sie bezüglich der Zukunft ihres Kindes beruhigen kann. Wir dürfen sie übrigens so ganz nebenbei, aber trotzdem ausdrücklich, auch noch mit einer ganz speziellen Meldung beruhigen. Wir sind vom Sozialverhalten unserer Flügelverleih Menschen sehr überzeugt, denn wir kennen die normale Entwicklung und wir kennen die restlichen Schüler dieser Altersstufe. Ich denke, Sie haben jetzt verstanden, was so ein altes pädagogisches Urgestein Ihnen sagen will. Der Flügelverleih ist pädagogisch vom Feinsten, wenn Sie die direkte Auswirkung vielleicht auch erst in ein paar Jahren merken werden, wenn sie genau hinschauen.

25. Juni 2010

zweikommazwei

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 23:01

Liebe Eltern. Wir planen und üben schon viel mit unseren jungen Flügelverleihmenschen. Damit der 7. Juli auch mit einem schönen Programm ausgestattet ist. Zu unserem Sommerfestpicknick benötigen Sie nur etwas zum Essen und Trinken, das Sie bitte mitbringen, Grills haben wir aufgebaut. Und dann brauchen Sie noch eine Decke (oder Campingstühle, wenn Ihnen das zu unbequem ist). Und natürlich gute Laune. Klar. 17 Uhr. Schulgarten. Das ist hinter der Turnhalle. Sie werden es finden.

Die geschätzten Leser wissen sicher inzwischen, nach welchem Muster ich schreibe. Es ist das nicht vorhersehbare Muster, welche Fragen einem Altpädagogen im Laufe des Schuljahres durch den Kopf gehen. Die Fragen haben oft mit dem planmäßigen Alltag in der Schule zu tun. Aber auch viel mit Zufälligkeiten des Schulalltags.

In der letzten Woche des Abijahrgangs geht mir eigentlich immer eines durch den Kopf:

Es ist eines der großartigsten Momente im Leben, wenn man solch eine Prüfung hinter sich gebracht hat und nun vor vollkommen neuen Aufgaben steht. In 1, 2 Jahren denken sich viele dieser jungen Menschen, wie schön es gewesen wäre, wenn sie noch einen Tick mehr Wissen mit aus der Schule mit hinausgenommen hätten, wenn sie einfach besser Sprachen gelernt hätten und mehr logisches Denken. Aber das sei nur so am Rande erwähnt. J Die Erkenntnis ist so alt wie die Schule. Das Zentrale ist aber jetzt: Es gibt einige Wochen und Monate, in denen zumindest theoretisch jedem Abiturient und jeder Abiturientin alle Türen offen stehen. Tausende von Entwicklungsmöglichkeiten. So ein Gefühl gibt es normalerweise nur einmal im Leben. Alle Türen offen und die Träume erst angefangen zu träumen. Ein zauberhafte Zeit. Man sieht es den Leuten an. Ich muss im Moment gleichzeitig den Leitartikel für unser faust-aktuell schreiben und finde, der passt dort und auch hier. Also bekommen Sie ihn später noch einmal, wenn Sie Fausteltern sind. Aber das macht nichts. Sie müssen ihn ja nicht zweimal lesen.

Lobhudeleien eines Altpädagogen

 2,2 . In Worten zweikommazwei.

„Das schon wieder“, sagt vielleicht mancher. „Alle Jahre wieder. Na und? – „Na und? Wie können Sie so was sagen?“ sage ich. Baden-Württemberg liegt bei Schul-

studien nach wie vor im vorderen Feld. Das Faust hat seit Jahren einen etwas besseren Abitursdurchschnitt als Baden-Württemberg. „Na und?“ Hören Sie, Faustkritiker werfen der Schule immer wieder vor, dass  viel zu viel zusätzlich zum Unterricht abläuft. Zu viele Austauschprogramme, zu viele Projekte, zu viele Veranstaltungen, zu viel Unruhe für schulische Arbeit.

Deshalb sage ich ja: 2,2. Und das auch jetzt noch, obwohl unser Kollegium sich massiv verjüngt hat. Auch das hat also bis jetzt funktioniert. Der junge Lehrer-Block macht ähnlich weiter. Gute fachliche Grundlagen. 2,2 Abitursschnitt. Aber trotzdem auch viele andere Angebote, bis man am Faust das Abitur gemacht hat. Ein sehr aktives Kollegium. Deshalb auch viele Möglichkeiten, Zertifikate zusätzlich zum Abitur zu erlangen. Ich darf sie immer drucken. Mache ich sehr gerne, weil es einen guten Einblick in den Abi-Jahrgang gibt. 2010: 125 Abiturient/innen, über 30 Zertifikate neben den vielen Fachpreisen, die vergeben werden. Viele bekommen mehrere Zertifikate. Theater, Chor, Jazz AG, Streitschlichter-Team, HAG, Sportmentoren, Lerncoach, SMV Arbeit, Lichttechnik, Studioarbeit, Podcast, Filmteam …

„Ja und Schule? Die muss doch vorgehen. Keine Sorge. Geht sie ja auch. Wenn es auch manchmal so scheint, dass zu viel Aktivität von Schule ablenkt. Die Weltfirma Google z.B. erwartet von seinen Mitarbeitern, dass sie 10 bis 20% ihres Einkommens mit eigenen Projekten verdienen, weil  die Firmenzentrale weiß, dass dann die Mitarbeiter in der eigentlichen Arbeit besser motiviert sind. Das weiß jeder von sich selbst. Warum soll das in Schule anders sein. Ich schaue mir natürlich seit fast 20 Jahren die Noten der Abiturienten an, für die ich Aktivenzertifikate schreibe. Immerhin ist das Ergebnis eine beruhigende Meldung für Eltern, die sich Sorgen machen, wenn ihre Tochter oder ihr Sohn neben dem Fachunterricht noch andere Dinge aus der Schule mitnehmen. In jedem Jahr die gleiche Erfahrung. Die sieht in diesem Jahr z.B. so aus:   zweimal 1,0/ 1,1/1,2/zweimal 1,4/zweimal 1,6/zweimal 1,8/zweimal 1,9/dreimal 2,0/fünfmal 2,1/viermal 2,2/zweimal 2,3/2,5/2,8/2,9/3,2 – also ein Schnitt von 1,95. Bleibt für die anderen 2,3. Die übliche Erkenntnis. Immer einen Tick besser als der Durchschnitt. Deshalb liebe Eltern von Aktiven am Faust: Keine Panik. Denken Sie an Google. Neben den Aktiven aus den verschiedenen Teams gab es aber natürlich für viel mehr Schüler/innen alle möglichen Aktiverfahrungen in einzelnen kurzzeitigen Projekten und bei den zehn Austauschprogrammen, die es am Faust gibt. Darf ich die Sache für Sie visualisieren? Wer Schule nur aus der Sicht von Noten defizitorientiert betrachtet, der also meint: „nur“ 7 Punkte sind 8 zu wenig, der greift definitiv zu kurz. Auch ein Abiturient mit „nur“ 7 Punkten in Physik kann ein exzellenter Ingenieur werden, weil zu einem guten Ingenieur viel mehr gehört als nur das Schulwissen. Zum Beispiel Einsatz und Eigeninitiative. Begeisterungsfähigkeit und Kreativität. Teamgeist und Kommunikationsfähigkeit. Auch eine Abiturientin mit „nur“ 7 Punkten in Englisch kann ihre Berufskarriere in Amerika beginnen. Auch ein Abiturient mit „nur“ 7 Punkten in Mathematik kann ein exzellenter und sehr logisch kombinierender Staatsanwalt werden. Denn mit „nur“ 7 Punkten im Abitur in Englisch in Baden-Württemberg hat man einen Standard erreicht, hinter dem eine Gesamtleistung steckt, die man selbstbewusst aus der Schule mit hinausnehmen sollte. Und wenn man dann aus einer Schule kommt, die zusätzliche Fähigkeiten entwickeln lässt, so man das will, dann darf man als Zertifikatschreiber schon ein wenig lobhudeln. :-) Finde ich.  Viele Abiturient/innen mit einem richtig guten Abschluss und noch vielen Grundfähigkeiten, die sie wunderbar für ihr weiteres Leben brauchen können. Persönlich und beruflich. Beruflich persönlich.

Ich darf den Abiturientinnen zum 2,2 Durchschnitt gratulieren, den Kolleg/innen zur wundervollen fachlichen Vorbereitung und Betreuung der Schüler/innen. Speziell den Jungen. Klasse Arbeit. Den Oberstufenberatern für einen perfekten Ablauf der mündlichen Prüfungen und der gesamten Schulgemeinde für eine erfolgreiche Schulkultur.

Heinz Bayer

 

19. Juni 2010

WM und Schule

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 09:10

Fußballzeit. Auch im Flügelverleih kam sie am Freitag an. WM Spiel gegen Serbien. „Was, kein Nachmittagsunterricht wegen einem Fußballspiel? Dafür „school viewing“ in der Aula? Wo gibt es denn so was?“ werden sich vielleicht manche Eltern gefragt haben. Auch der Flügelverleih hatte die Möglichkeit genutzt. Nur ein einziges Mädchen hatte keine Lust auf Fußball und arbeitete dafür 2 ½ Stunden lang konzentriert mit Spezialbetreuung. Auch nicht schlecht. Finden wir. Die anderen also public viewing. Gemeinschaftsgefühl. Eine Aula voll mit schwarz-rot-gold geschmückten jungen Menschen. Die wie von Geisterhand beim Ertönen der Nationalhymne aufstanden und mitsangen. Veränderte Zeiten. Die letzte WM hat einfach neue Ansichten geschaffen. Wir sind eine Partnerschule des Sports. Wir setzen auf Identifikation mit der Schule. Deshalb gab es diesen Beschluss. Lieber die Freitagnachmittagsklassen zufrieden in der Aula und die Arbeitsblätter zu Hause, wenn es beim Stoff eng wurde, als zu vielen Entschuldigungen wegen Bauchweh, Schwindel und Übelkeit oder dem einfachen Stemmen nachzugehen. Die Stimmung war großartig. Nur hatte das entsprechende Ergebnis gefehlt. Am lautstarken Mitgehen des Faust-Publikums kann es nicht gelegen haben.

Fußball kann man übrigens immer gut mit dem Wirken in der Schule selbst vergleichen. Das Training ist das A & O. Das erfolgreiche Umsetzen im Spiel ist neben der eigentlichen Professionalität von vielen Zufälligkeiten geprägt. Und von Einstellungen. Und vom Selbstbewusstsein. Der mentale Anteil ist auch in der Schule sehr wesentlich. Bevor ich Ihnen in diesem Zusammenhang von der “Ätzwand” erzähle, leite ich Sie einfach auf den Blog für Versetzungsgefährdete weiter, da habe ich diese Visualisierung gerade hochgeladen. Die Reflexion über die Ätzwand ist aus meiner Spezial-Betreuungserfahrung für manchen Schüler eine gute Methode, seine kleinen Schulprobleme zu überwinden. Die Zentrale sitzt einfach im Kopf. Einen Versuch ist es immer wert.

10. Juni 2010

Hip Hop Woche

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 15:11

Ich mache es heute kurz, dafür male ich ein wenig mehr. Schule mit ihrem Fächerkanon ist ein wichtiger Teil der Entwicklung unserer Fähigkeiten. Fast alle Gesellschaften dieses Planeten haben einen ähnlichen Fächerkanon entwickelt. Keine hochtechnisierte Gesellschaft ohne Mathematik und Naturwissenschaften, Sprachen und Muttersprache im Schulprogramm. Ohne geht es einfach nicht. Deshalb Pflicht für alle. Daneben gilt es aber trotzdem viele andere Fähigkeiten zu entwickeln. Speziell Fähigkeiten, die man individuell besonders gut und gerne entwickeln kann. Sie gehören genauso zu einer erfolgreichen Berufsvorausbildung, auch wenn sie nicht benotet werden. Mit den HipHop Woche wollen wir allen unseren Flügelverleihschüler/innen die Möglichkeit geben, zu testen, ob sie in Sachen Rhythmus und rhythmisches Texten ungeahnte Talente versteckt haben. Außerdem macht es natürlich einfach Spaß, sich als Musikproduzent zu bewähren. Die Endergebnisse stehen noch aus, aber die ersten Produktionen zeigen schon jetzt, was so manche drauf haben.

Doch jetzt das Bild, das auch im Parallelblog Thema ist. Bei www.maennerrevolte.de haben die Flügelwochen begonnen. Seit 3 Jahren betreuen wir an der Schule versetzungsgefährdete Schüler/innen mit einem eigenen mentalen Unterstützungsprogramm. Auch für Nichtversetzungsgefährdete sind die prinzipiellen Aussagen des Blogs natürlich sicher hilfreich, präventiv sozusagen.

Die nächste Ansicht sollte man sich aus dem Kopf schlagen. Leider ist die Defizitorientierung in so vielen Köpfen drin. Also besser die erste Darstellung festigen, das ist die erfolgreichere für das Selbstbewusstsein. Und um Selbstbewusstsein zu bekommen, kann gar nicht genug Aufwand betrieben werden.

Man muss jungen Menschen immer und immer wieder klar machen, dass schlechte Noten meist nicht mit mangelnden Fähigkeiten sondern mit mangelndem Einsatz und mangelnder Nachhaltigkeit zu tun haben. Das ändert zwar zuerst einmal nichts an den Noten, aber zumindest ist es Balsam für die Seele. Mit einem gesunden Selbstbewusstsein können Veränderungen viel leichter geschultert werden.

4. Juni 2010

16 und 64 – ein Vergleich

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 20:16

Schon irgendwo gelesen? Die 64jährigen und die 16jährigen haben Gleichstand erreicht. Und dann geht die Schere kontinuierlich auseinander. Was das mit dem Flügelverleih zu tun hat? Und mit der Schule? Na ja. Auf was soll Schule vorbereiten? Auf ein Umfeld in Deutschland, in der Fachleute immer mehr gefragt sein werden, weil die Jugend rar wird. (Außer man wandert nach Indien aus) Die Anforderungen werden allerdings nicht abnehmen, sondern eher zunehmen. Soll heißen: Wer bereit ist, seine Fähigkeiten zu schulen, der wird später beruflich keine Probleme haben, wenn er auf den Arbeitsmarkt schaut, bevor er anfängt, eine Ausbildung oder ein Studium zu machen. Die Schulnoten werden noch mehr als heute nebensächlich werden. Dafür die Eigenmotivationsfähigkeit und das Sich-durchbeißen-können umso wichtiger. Das muss Ihre Tochter oder Ihr Sohn aber selbst lernen. Wenn sie oder er diese Fähigkeit noch nicht hat. Man bekommt sie nur, wenn man auch gefordert wird. Neben dem Fördern. Wenn man nicht zu viel abgenommen bekommt. Deshalb: Nicht so sehr Angst haben, dass bei schlechteren Noten die spätere berufliche Zukunft ein Problem sein könnte. Lieber Angst haben, dass die Eigenmotivationsfähigkeit sich nicht gut entwickelt und auch später verkümmert bleibt. Das wäre viel schlimmer. Denn genau auf die kommt es nach der Schule an.

28. Mai 2010

Gymnasium – der richtige Platz ?

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 18:55

Ich hatte Ihnen als Leser/in letzte Woche einen Link von einem ZEIT Artikel eingebaut, der mir immer wieder durch den Kopf ging. Da standen so ein paar Sätze drin, die mir einfach aus dem Praktikerherzen sprachen. Zum Beispiel der:

„Für die Leistung war allein die Eigenmotivation verantwortlich, Kontrolle hatte allein den Effekt, die Schüler neurotischer zu machen.“ So eine Untersuchung der Uni Gent. Ja, für mich ist genau dieser Punkt der alles Entscheidende: Wie groß ist die Eigenmotivation eines Schülers? Wenn sie groß ist, ist alles im Lot. Wenn nicht, muss man daran arbeiten. Wenn es gar nicht geht und die Noten nur notdürftig durch Kontrolle und Nachhilfe erreicht werden können, dann muss man auch ohne Scheu über Realschule nachdenken. Auch der Satz gefiel mir in dem Artikel gut: „Gute Realschüler kommen überallhin. Wenn sie es überhaupt wollen. Was nicht immer der Fall ist. Denn es gibt auch ein menschenwürdiges Leben ohne akademische Ausbildung. Dieser Satz muss hier stehen, weil es Menschen geben soll, die das nicht wissen.“

Und, das wissen auch nicht so viele Eltern: „Wer eine Lehre macht, darf nach drei Jahren im Beruf inzwischen fachgebunden studieren; Leute, die ihren Meister gemacht haben, dürfen seit letztem Sommer sogar alles studieren.“

Ich erzähle mal kurz eine kleine Faust-Geschichte. Vor einigen Jahren hatte bei uns an der Schule ein Schüler, nennen wir ihn P., keinen Bock mehr. 11. Klasse . Total keine Lust mehr auf Lernen. Motor abgestellt. Schneller Abgang. Malerlehre. Gesellenprüfung. Und dann? Wieder auf’s Faust. Die beiden Jahre machte P. mit links, er spielte Theater, gründete eine Band, war Mädchen für alles in der SMV und immer sehr freundlich. Sein Abiturszeugnis mit 1 Komma irgendwas brauchte er nirgends mehr vorlegen, weil er zwei Semester Physik schon als Schüler parallel zur Schule an der Uni Freiburg studiert hatte. Das gibt es für Motivierte. Die Zeit reicht gut, wenn man dafür begabt ist, die Motivation reicht für die meisten nicht.

Für Eltern ist so ein Schul-Ausstieg schwierig. Klar: Im Nachhinein eine schöne Bildungskarriere. Für Eltern in der aktuellen Situation eines nicht motivierten Sohnes (oder einer Tochter) in der Vor– Mittendrin- oder Nach-Pubertät ein für manche kaum auszuhaltendes Spannungsfeld des: „Was wird wohl aus ihm oder ihr?“

Der Artikel beschreibt das Dilemma recht schön:

„Doch ob ein Mensch schließlich arbeitslos wird oder nicht, ob er einen Job findet, der ihn erfüllt, ob er CEO bei Goldman Sachs wird oder sich lieber mehr um die Kinder kümmert, ob er bereit ist, sich weiterzubilden, ins Ausland zu gehen, ob er eine Frau in Timbuktu kennenlernt, wegen seiner besserwisserischen Art überall rausfliegt oder bei jeder Prüfung Mutters metallische Stimme hört; ob sich irgendwann ein Vorgesetzter in ihm wiedererkennt und beschließt, ihn zu fördern, ob ihn seine Ehe in Depressionen stürzt, seinen Job kostet, hängt mit allem Möglichen zusammen – aber nicht mit dem, was in der vierten Klasse passiert. Der Gedanke, dass vieles im Leben vom Zufall abhängt, ist schwer auszuhalten. Lieber glauben Eltern an die magische Kraft eines Übertrittszeugnisses, für das sie folglich alles tun würden.“(Gemeint ist der Kampf um die Gymnasialempfehlung in der 4. Klasse Grundschule)

5. und 6. Klasse nennt man seit langem Orientierungsstufe am Gymnasium, weil man da erfahren kann, ob die Eigenmotivation selbstständig und ohne die große Kontrolle durch die Schule trägt. Man sollte diese Zeit nutzen, um zu erfahren, ob die Orientierung richtig war. Der Tipp eines alten Schulmeisters: Nicht so sehr auf die Noten starren, sondern auf den Biss. Den braucht man auch nach der Schule. Wer ihn hat, hat ihn lebenslang. Wer ihn nicht hat, sollte ihn suchen gehen. Ferien eignen sich gut, über vieles nachzudenken und auf die Suche zu gehen.

22. Mai 2010

Jahrbuch 2010 und Flügel-Evaluation

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 12:37

Das Jahrbuch am Faust ist so eine Sache für sich. Sollten sie einmal beiläufig das Jahrbuch einer anderen Schule in die Finger bekommen, dann schauen Sie kurz ins Impressum, wie viele Lehrer daran gearbeitet haben. Und wer dafür verantwortlich zeichnet. Und wenn Sie dann am Ende des Jahres in das Impressum des Jahrbuchs am Faust schauen, werden sie sich wundern, dass sie dort keine Lehrernamen finden, weil das Jahrbuch am Faust vollkommen schülergemacht ist. Seit 10 Jahren finden sich auf wunderbare Weise irgendwie alle ein oder zwei Jahre Schüler, die Lust haben, ein Jahrbuch zu produzieren. Soll heißen: alle Schüler und Lehrer fotografieren, Artikel eintreiben, selbst Artikel schreibt, Layouter, Werbegelder ergattern, vorfinanzieren, Verkauf organisieren, mit Profisoftware profimäßig umgehen. Autodidaktisch Jahrbuchprofi werden. So kam jetzt natürlich auch das Mail an die Verantwortlichen des Flügelverleihs. „Guten Tag Herr Bayer, könnten Sie bitte einen Lerncoach fragen, ob das Interesse besteht einen Bericht über die Nachmittagsbetreuung am Faust fürs Jahrbuch zu verfassen, und/oder uns an jemand zuständigen weiterleiten? Das wäre nett. Viele Grüße Jahrbuchteam am Faust.“

Naja. So eine Suche dauert ja manchmal, bis es so weit ist. Deshalb kam diese Mail immer wieder. Geduldig. Nachhaltig. Freundlich. Bestimmt. Bis wir reagiert habe. Wir haben diese Woche genutzt. Jemand kam auf die Idee, die Schüler selbst schreiben zu lassen. Die Buchstaben des Flügelverleihs als Roten Faden zu benutzen. “Schreibt mal auf, was euch so zum Flügelverleih einfällt.“ Hier die Ergebnisse. Für das Jahrbuch gibt es dann noch ein paar Bilder dazu.

Für uns natürlich gleichzeitig interessant, was die Kunden unserer Nachmittagsschule halten, wenn sie spontan und frei Wörter einfügen sollen, die sie mit den Erfahrungen dieser Menschen mit unserer Pädagogik verbinden. Flügelverleih-Evaluation würde man im Pädagogendeutsch sagen.

Hier das Evaluationsergebnis:

 Faul sein, gibt es hier nicht – Lernen mit Spaß – Üben auf Vokabeltests – Grammatik -Einstiegsrunde – Lustige Spiele nach der Hausaufgabenzeit – Vokabeln üben – Endrunde -Riesenspaß nach den Hausaufgaben – Lernen auf Arbeiten – Entspannen nach den Hausaufgaben – Interessante Aufgaben und Spiele – Hausaufgaben werden gemacht.

Frau Geismann – Lernen auf Arbeiten – Übeln von Vokabeln – Garantie aufgemachte Hausaufgaben – Einstiegsrunde  – Lustiges Beisammensein – Vokabeln üben – Endrunde -Rausgehen nach gemachten Hausis – Lustige Gruppespiele – Essen verboten- Interessante Vorträge  – Hausaufgaben machen.

Fliegen- Lernen – Üben – Glück – Erfolg – Lustig sein – Vokabeln – Einstiegsrunde – Rechte – Lesen üben – Entspannen – Intelligent – Hausaufgaben

Fun – Lust zum Kommen – Überlegungen vor dem Reden – Glück haben – Energie – Lustig sein – Flügel haben – Ernst sein – Reden über was – Lernen – Entdecken – Ideen haben -Hindernisse gemeinsam überwinden.

Fun – Lust haben – Überraschungen – Gemeinschaften – Erfolg – Lernen – Verleiht Flügel -Einfach gut – Rum toben – Lachen – Ewiger Spaß – Ideen.

Freundlich – Lustig – Überirdisch – Genial – Ehrgeiz – Lob – Vorfreude – Ehrlich – Respektvoll – Lebendig – Erwartungsvoll – Intelligent – Hammer

Fliegen – Lernen – Üben – Gute Laune – Emotionen – Lust – Verhalten – Englisch – Rufen –Laune – Einheit – Infinitiv – Hilfsbereit-

Freundschaft – Lernen – Überlegen – Gerecht – Erklärung – Lösen – Vertrauen – Erklären –Reden – Leihen – Erleben – Interessieren – Hausaufgaben

Kurz noch einmal zurück zum Jahrbuchteam. Wer aktiv sein will am Faust, der darf das auch sein. Das ist unsere Begabtenförderung der besonderen Art. Wer eine Idee hat, deren Umsetzung in den Schulalltag passt, der hat am Faust den passenden Rahmen. Dieses pädagogische Prinzip hatte ein Hochaktiver am Faust vor fast 10 Jahren einmal Prinzip Kaktus getauft. Ich merke gerade, dass die homepage von damals ja immer noch im Netz steht. Und auch unser Beitrag für die pädagogische Weiterbildung. Nur falls Sie das Prinzip interessiert. Wenn man die Arbeit der Jahrbuchredaktion ansieht, ist es für so manchen schon eine kleine Start Up Berufsausbildung. Gleichzeitig eine geniale Freizeitbeschäftigung. Zu erkennen, dass richtig heftiges Ranklotzen für eine eigene Sache auch richtig gut tut, das ist eine Erfahrung, die gleichzeitig der eigenen Schulleistungen viel bringt. Und dem Selbstbewusstsein. Die Erfahrung zeigt: Aktive Schüler haben im Durchschnitt immer das bessere Abitur. Wen wundert’s, wenn die Selbstmotivation stimmt. Im letzten ZEIT Magazin vom 20.5. wird eine Untersuchung der Universität Gent zitiert. 4 Gruppen von Jugendlichen wurden untersucht: Jugendliche mit hoher Eigenmotivation und wenig Kontrolle von außen, Jugendliche mit hoher Eigenmotivation und hoher Kontrolle von außer, kaum motivierte aber stark kontrollierte Jugendliche und Jugendliche, denen der Druck und die Motivation fehlte. Das Ergebnis: Für die Leistung war allein die Eigenmotivation verantwortlich. Das deckt sich genau mit meinen Erfahrungen.

Mehr davon nächste Woche. Der Artikel ist übrigens besonders empfehlenswert für all jene Eltern, deren Kinder sich am Gymnasium schwer tun, warum auch immer.

http://www.zeit.de/2010/21/Realschule-oder-Gymnasium

15. September 2009

Herzklopfen

Abgelegt unter: Tagebuch — heinz.bayer @ 23:56

Einschulung
Wie immer ein für mich äußerst bewegender Moment, weil da eine Aula voll mit äußerst bewegten Menschen sitzt. Hundertfaches Herzklopfen spürbar. Ein Moment, der im Leben eines Menschen eine echte Weiche stellt. Schon verrückt. Dieser Moment entscheidet über einige wesentliche Bereiche in der eigenen Biographie. Klar. Das ganze Leben ist eine Aneinanderreihungen von zigtausenden von Zufällen. Aber die Entscheidung, in welche Klasse man kommt, das ist ein ganz besonderer Zufall im Leben eines Menschen. Er entscheidet zum Beispiel, wer die Freunde in den nächsten Jahren sind, denn die Klasse ist ein ganz wesentlicher Ausgangspunkt für zum Teil lebenslange Beziehungen. Freundschaften, deren Wurzeln man benötigt, um im Leben immer sagen zu können: „Wenn alles schief geht, dann gibt es ein paar Menschen, die trotzdem hundertprozentig zu mir halten. Die ich zehn Jahre nicht sehen muss, um trotzdem wieder genau da anknüpfen zu können, wo wir vor zehn Jahren aufgehört haben.“ Diese Freundschaften auf Lebenszeit. Diese nicht zu löschenden Erinnerungen, wie man Schulzeit gemeinsam bezwungen hat. Wie man das Erwachsen werden gemeinsam durchlebt und durchlitten hat. Wenn Fünftklässler am Gymnasium eingeschult werden, dann kommen herzklopfende bewegte Kinder an, acht Jahre später feiern herzklopfende erwachsene junge Menschen ihren Abiball mit dem Reifezeugnis in der Tasche. Zwischendrin findet die intensivste, spannendste, nachhaltigste, lebensentscheidendste, bunteste, wildeste, entwicklungsreichste Zeit im Leben eines Menschen statt, die von außen gesehen viel zu oft und fälschlicherweise als „der-ist-doch-nur-Schüler-Zeit“ angesehen wird. Ignoranten der Lebensentwicklung, die dies sagen. Wer als Erwachsender zeitlich in sich zurückfühlen kann, der weiß, welche wichtige Zeit jetzt vor unseren Fünftklässlern steht und warum so ein Bayer den Eltern bei der Einschulungsveranstaltung sagen kann: „Es gibt noch viel mehr als Noten, die über den erfolgreichen Werdegang eines Menschen entscheiden. Meine Damen und Herren. Wir haben heute die Staatsanwälte, Medizinerinnen, Architekten, Politiker, Lehrerinnen, Solartechniker, Maschinenbauerinnen, usw. usw. der Zeitspanne 2025 bis 2060 am Faust-Gymnasium eingeschult….. und übrigens: Für die meisten wird die Zukunft etwa so aussehen: Ziemlich genau in den Jahren 2039 bis 2043 werden sie in einer Aula sitzen und herzklopfenderweise ihre Kinder mit einem Lehrer oder einer Lehrerin in die Klassenzimmer entschwinden sehen, weil die es doch tatsächlich geschafft haben, einen dieser so hochbegehrten Gymnasialempfehlungen zu bekommen.
Als Großeltern werden sie stolz sein. Und sollten es auch.
Willkommen am Faust.
Wenn Sie es jetzt gelassen in der Art eines abgeklärten Großvaters oder einer abgeklärten Großmutter angehen und Ihre Kinder mit Ihrer und unserer Unterstützung, aber trotzdem möglichst selbstständig überwiegend im grünen Bereich arbeiten können (ich meine mit dem grünen Bereich die Noten sehr gut bis befriedigend), dann hätten Sie eine wundervolle, gefühlsintensive und sehr zufriedene Elternzeit vor sich. Ich drücke Ihnen einfach mal die Daumen.
Genießen Sie möglichst oft die nächsten 8 Jahre, auch wenn die Pubertät Ihrer Kinder es häufig versuchen wird, Ihnen da einen Strich durch die Rechnung zu machen.

20. September 2009

Herzklopfen die Zweite

Abgelegt unter: Tagebuch — heinz.bayer @ 08:14

Herzklopfen die Zweite
Morgen geht die Nachmittagsschule los. Und was haben wir uns alles vorgenommen. Wir kennen diese neuen Fünfer ja nicht. Sie sind einfach immer wieder anders.
Klar. Menschen eben. Individuen. Zukünftige Leistungsträger der Gesellschaft. Verpackt und nur für Eingeweihte jetzt schon erkennbar. Üblicherweise sagt man „Fünftklässlerinnen“ und „Fünftklässler“ zu ihnen. Fäustlinge sagt man am Faust.
Warum ein Schulmeister noch aufgeregt ist, wenn er doch schon seit 30 Jahren unterrichtet? Das ist eine Frage, die man nur stellt, wenn man noch nie vor einer Klasse mit 30 Schülern stand. Klassen sind wie individuelle Persönlichkeiten. Auch schon Fünftklässler. Wenn wir nun morgen beginnen, unsere Nachmittagsschul-Kunden zu begrüßen, dann werden wir wieder diese unglaublichen Kräfte spüren. Bei denen es darum gehen wird, ihnen die richtige Richtung zu geben.
Ohne Ziel sind Kräfte störend. Mit Ziel großartig.
Das Gesamtziel für Fäustlinge ist klar: Die Persönlichkeit erhalten, das Selbstbewusstsein stärken, den Übermut dämpfen, die Ernsthaftigkeit des Lernens begreifen, Schule als Lebensraum aufbauen, Schule leben, Beziehungen entwickeln und stabilisieren, Konflikte entschärfen, Lösungen suchen, Inhalte aufnehmen, Begeisterung spüren, Eigendynamik entwickeln, kreativer Teil einer Gruppe werden, Zuhören können, sich konzentrieren lernen, Frust positiv verarbeiten können, Aushalten lernen, dass man nicht immer im Mittelpunkt steht und und und …
damit am Ende ein junger Mensch aufrecht und selbstbewusst samt Abitur in der Tasche die Schule verlassen und auf eine Faust-Schulzeit zurückblicken kann, die sich gelohnt hat. Faust muss sich lohnen.
Deshalb Herzklopfen, vielleicht gerade, weil es Fünfer sind.
Das Spiel beginnt.
Die Ausgangssituation ist immer ziemlich gut. Immerhin kommen hier Menschen mit einer „Empfehlung“ in der Tasche. Gymnasialempfehlung. Da kommen Ex-Viertklässler ans Gymi und sind es gewöhnt, gute Noten ohne großen Einsatz zu bekommen. Doch jetzt gibt es vielleicht bald vereinzelt nur mittelmäßige Noten bei recht großem Einsatz. Immerhin sitzen plötzlich lauter junge Menschen in einer Klasse, die immer gute Noten ohne großen Einsatz bekommen haben. Auf schulisches Lernen bezogen, sitzen hier die Leistungsstärksten eines ganzen Jahrgangs auf einem Haufen.
Auch der notenschlechteste Schüler einer 5. Klasse gehört zu den Leistungsstärksten seines Jahrgangs. Aber machen Sie das mal Ihrem Sohn klar, dass er bitteschön nicht frustriert sein soll wegen einer 3 Plus, für die er zwei Stunden gelernt hat.
Sie merken: Viele von Ihnen haben hier echte Überzeugungsarbeit vor sich. Aber es lohnt sich. Denn die Fünftklassnoten sind ja alles andere als der Knackpunkt, wie am Ende zum Beispiel das Abitur ausfällt. Oder gar das Leben. Viel mehr ist es das professionelle Umgehen mit den Fünftklassnoten, auf das es ankommt.
Professionell Schüler sein, das ist ein riesiges Fass, das ich jetzt aber noch nicht aufmache.
Denn ich schweife einfach schon wieder mal ab. Eigentlich wollte ich Ihnen nur kurz mitteilen: Ich bin ganz schön aufgeregt, ob sich unsere pädagogischen Träume von der Nachmittagsschule 2009/10 in der Realität umsetzen lassen. Ob wir dem Lernen für den Großteil unserer Nachmittagsschul-Kunden Flügel verleihen können. Ob wir ihnen mit unserer Nachmittagsschule die nötige Unterstützung zukommen lassen können.
Drücken Sie uns und Ihren Kindern die Daumen.
Und übrigens: Wenn Sie Fragen zur Nachmittagsschule haben oder wenn Sie finden, dass ich in meinem Bayer’schen Nachmittagsschultagebuch ein bestimmtes Thema ansprechen sollte. Mailen Sie mir doch einfach.
Mit einem freundlichen Schulmeistergruß.
heinz.bayer@fgst.de

24. September 2009

Herzklopfen die Dritte

Abgelegt unter: Tagebuch — heinz.bayer @ 22:18

Doch ich finde schon. Ein kleines Wunder am Donnerstag Abend. Herzklopfen war angesagt, was wir wohl sehen würden, wenn wir unsere Lerncoachbewerbungen in eine Excel Tabelle einspeisen, die Tage markieren, an denen sie Zeit haben, um dann festzustellen, ob wir gewährleisten können, dass an jedem Tag 10 Coachs coachen. 2 in jedem Zimmer. Feste Teams, auf die sich die Jungs und Mädels einstellen können. Verlässlichkeit, Verantwortung, Zuordnung, Rituale, Sicherheit …. na ja. All die Dinge eben, die wir pädagogisch theoretisch vorgeplant haben. Wenn wir an jedem Nachmittag 10 Coachs einstellen können. Wenn unser Schülerkollegium komplett ist.
Frau Theisohn, erzählen Sie doch einmal, wie ist das mit unserer Struktur?
Ich zitiere unser pädagogische Leitung:
Struktur
Die Struktur der Nachmittage sowie der Jahresplanung ergibt sich aus unserer Zielsetzung, in einem für die Schüler akzeptierten und stützenden Rahmen selbstständiges Lernen, entdeckendes Begreifen und experimentelles Denken im Sinne einer ganzheitlichen Pädagogik zu fördern. Folgende Grundsätze sind dabei von Bedeutung:

Rituale
Der gemeinsame Beginn, bei dem alle Klassen miteinander spielerisch in Kontakt kommen, und das gemeinsame Zur-Ruhe-Kommen, das mit einem Triangelklang den Beginn der Stillarbeitszeit einläutet, ermöglicht den Schülern und Coachs, sich auf die Nachmittagsarbeitszeit einzustellen. Der gemeinsame Abschlusskreis rundet mit Gesang,
Bodypercussion und einem kurzen Feedback der Coachs an die Schüler den Arbeitstag ab. Größter Wert wird dabei auf die unbedingte Einhaltung der zeitlichen Abläufe gelegt.

Rhythmisierung
Die Zeit nach den Hausaufgaben wird in regelmäßigen Wochen-
abständen auf drei unterschiedliche Weisen genutzt:

1. Fachliche Kompetenz erweitern
Anhand von Lernpaketen können die Schüler ihr Wissen im Unterrichtsstoff der Kernfächer vertiefen und Regeln einüben. Auf Fehler korrigiert und formal korrekt können diese auch dem Fachlehrer vorgelegt werden. Im Laufe des Jahres werden spezielle Lernprogramme z.B. Im Bereich der Rechtschreibung angeboten, die eine individuell spezifische Fehleranalyse wie Förderung ermöglichen.

2. Methodische und kognitive Kompetenz erweitern
Experimentieren, komponieren, dichten, schreiben, choreographieren, texten, filmen, aufnehmen, dokumentieren usw. lernen die Schüler in den „Lernwerkstätten“ zu einem Großthema. Problemstellungen
werden in ihrer Komplexität dargestellt und bearbeitet, Kreatives wird mit Wissen verknüpft, Spaß mit Lernen.

3. Soziale Kompetenz erweitern
In unterschiedlichsten Gruppenkonstellationen werden Spiele verschiedenster Kategorien kennen gelernt und- gespielt. Jungs mit Mädchen, Lehrer mit Schüler, Coachs mit ihren Schützlingen, Parallelklassen mit- und gegeneinander.

Mentoren
Jeder Schüler wird zusätzlich von einem Lehrer betreut, der in regelmäßigen Abständen Gespräche führt und so das Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten aus Sicht der Schüler verstehen lernt. Als Ansprechpartner für Fachlehrer wie Eltern bildet er so die Brücke zwischen allen Beteiligten.

2008/09 war als Startjahr schon ein richtiger, satter Erfolg einer kleinen Schule in der Schule. 2009/10 werden wir zeigen können, dass unser Gesamtkonzept greift.”

Danke Frau Theisohn. Also Sie merken. Herzklopfen ist verständlich. Wir haben 60 Bewerber, 50 haben schon ihre möglichen Arbeitsnachmittage abgegeben. Der Stundenplan der Klassen ist natürlich nicht mit unserem Coachbedarf abgestimmt. Es hätte also gut sein können, dass wir den Montag und Mittwoch mit 20 Coachs besetzen könnten, aber den Donnerstag nur mit 4 und den Freitag mir 5, weil alles so unglücklich verteilt gewesen wäre. Der Sprachkenner merkt es schon an meiner Formulierung: Es hat einfach genau geklappt. Ein echtes kleines Wunder am Donnerstag Abend. Ich glaub’s noch kaum. Aber es ist so: An jedem Nachmittag können wir 10 Schüler/innen einstellen. Unser Schülerkollegium ist perfekt gestellt. Und kann nun Verantwortung übernehmen. Frau Theisohn. Wie haben Sie das mit der Verantwortung doch so schön geschrieben?
„Verantwortung
Die Verantwortung für die gute Betreuungsarbeit in den Hausaufgabenbetreuungsgruppen liegt bei den Lern-Coachs. Die Verantwortung, dass die Coachs gut arbeiten, liegt bei den verantwortlichen Lehrer-Kollegen aus dem Team. Die Verantwortung für gut ausgeführte Hausaufgaben liegt bei den Schülern. Die Verantwortung für den Gesamtablauf des „Flügelverleihs am Faust“ liegt beim Team. Die Verantwortung für die Arbeit der einzelnen Schüler-Teams wie Studio, Schülerbüro, Podcast etc liegt bei den Schülerverantwortlichen. usw usw
Die Gesamtverantwortung für den Erfolg des Gesamtkonzepts liegt bei der Leitung der Nachmittagsschule.
Verantwortung tragen ist Teil des Konzepts.“

Danke Frau Theisohn für das heutige Schlusswort.

Heinz Bayer

27. September 2009

Rahmenbedingungen und die erste Woche

Abgelegt unter: Tagebuch — heinz.bayer @ 09:26

Ob wir zufrieden sind, fragen Sie?
Ich hatte an zwei Tagen Dienst und muss sagen: Respekt: Ihre Töchter und Söhne konnten sich überwiegend konzentriert organisieren. Gutes Startgefühl. Ich denke, der Rahmen hat gestimmt. Zuerst das konzentrierte Hausaufgaben erledigen. Dann danach die Spiele dieser Woche. Gedacht, dass die verschiedenen Nachmittagsgruppen zusammenwachsen. Dass man sich kennenlernt. Dass ein „Stufenfeeling“ entsteht. Dass man trotz einer Menge Leute um sich herum seinem Kopf sagen kann: „Klotz bitte jetzt ran, dann hast du nachher Zeit, zu spielen. Und mach es bitte auch gut und ordentlich. Du weißt doch: Das Gefühl danach ist richtig gut.“ Dass sich auch die Sechstklässler, die ja inzwischen wirklich „riesig“ geworden sind – verrückt, was so ein Jahr tatsächlich ausmacht – und die Fünftklässler zusammen als Gruppe verstehen lernen. Dass man mit den Coachs im Spiel ungezwungen zusammen sein kann. Dass wir als Nachmittagsschulbetreiber sehen können, welche Kinder gleich mitten drin und wo Berührungsängste auftauchen. Kurzum: Die erste Woche, ohne dass wir uns schon alle besprochen hätten, würde ich als richtig guten Einstieg sehen.
Eine ganz große Bitte an Sie als Eltern übrigens gleich am Anfang: Unsere Nachmittagsschule setzt auf „professionelle“ Eigenständigkeit im Hausaufgaben erledigen. Die Coachs oder wir Lehrer helfen, unterstützen und geben Tipps, die Hausaufgaben müssen dem zuständigen Coach vorgelegt werden, bevor sie in der Tasche verschwinden. Trotzdem: Nur Sie zu Hause können die kontinuierliche Beobachtung schaffen. Legen Sie in den ersten Wochen großen Augenmerk auf gut geführte Hausaufgabenhefte, auf komplett gepackte Ranzen, auf Strukturen, die zu Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn passen. Geben Sie speziell am Anfang Sicherheit in diesem Bereich. Melden Sie uns zurück, wenn Sie Probleme sehen.
Schon wenn man den Gesamtrahmen stimmig machen kann, dann hat man dem Lernen schon ein klein wenig Flügel verliehen.

29. September 2009

Achtung zentrale Falle

Abgelegt unter: Tagebuch — heinz.bayer @ 23:28

„Weißt du Mama, wir mussten Tests machen und das hat so lange gedauert, dass ich keine Zeit mehr für alle Hausaufgaben hatte. Obwohl ich mich dann beeilt habe.“
„Ja jetzt geht’s los.“ denkt man da als fürsorgende Mama: „Das kann es ja wohl nicht sein. Ich schicke mein Kind zur Hausaufgabenbetreuung, damit es seine Hausaufgaben macht und nicht, dass es Tests absolviert, seine Hausaufgaben hinschmiert, aus Zeitgründen nicht fertig wird und wir dann zu Hause noch Hausaufgaben machen müssen. So geht das ja nicht. Da muss ich sofort die Klassenlehrerin anrufen. Unter solchen Umständen schicke ich mein Kind doch nicht zum Flügelverleih!“
Liebe Mamas. Bitte. Die Klassenlehrer und –innen wissen nicht zeitgenau Bescheid, was bei uns am Nachmittag so alles passiert. Was wir uns für unser jungen Kunden neben einem konzentrierten Hausaufgabenmachen so alles ausgedacht haben. Die Klassenlehrer/innen werden sich natürlich an uns wenden, wir erzählen unsere Sicht zurück und dann erfahren Sie irgendwann unsere Meinung. Zu der Sie möglicherweise noch 2 oder gar 7 offene Fragen haben. Deshalb: Sie wissen viel schneller Bescheid, wenn Sie sich direkt an uns wenden. Am einfachsten über heinz.bayer@fgst.de
Und mein persönlicher Tipp eines alten Schulpraktikers: Am besten bei Flügelverleih-Irritationen erst einmal nur nachfragen, bevor Sie sich über etwas Erzähltes aufregen. Nicht gleich alles 1:1 übernehmen, was von uns berichtet wird.
Was schon stimmt: In dieser Woche sind Tests an der Reihe. Wir wollen, dass sich unsere Schützlinge in Sachen Grammatik einschätzen lernen. Dafür haben wir spezielle Arbeitseinheiten vorbereitet. Die werden von den Coachs korrigiert und im persönlichen Portefolio eingeheftet. Immerhin haben wir zwei Deutschlehrer/innen im Team und auch noch eine LRS Lehrerin, die uns unterstützt. Und wir wollen ja immerhin dem Lernen Flügel verleihen. Der eine oder andere junge Mann – meist sind es eben die jungen Männer – ist da noch nicht so richtig auf unserer Spur angekommen. :-) Soll heißen: Statt „Flügel anziehen“ sagt noch der eine oder andere meist männliche junge Kopf: „Mensch Junge, mach schnell die Aufgaben fertig und suche dann irgend eine Möglichkeit, um zum Spielen zu kommen. Freiwillig Tests machen, das ist doch nicht dein Ding.“
Diese Klitze-Kleinigkeit der Reihenfolgenvertauschung, dass wir erst Tests und dann Hausaufgaben machen würden, kommt natürlich besser bei der Mama an. Beim Papa auch. Klar. Das kann man doch verstehen. Das nimmt einem den persönlichen Druck weg.
Deshalb zu Klärung: Liebe Mamas und Papas, wir machen tatsächlich auch in dieser Woche ganz klar zuerst die Hausaufgaben und dann, wenn die Hausaufgaben gemacht sind, kommen Zusatzprogramme aus dem “Hause Flügelverleih”.
Allerdings: Das haben wir von Anfang an gesagt: Bei uns steht kein Coach dauernd neben den Schülern beim Hausaufgaben machen, wie Sie das als Mutter machen könnten. Deshalb. Wer sich bei uns ein wenig durchschummeln will, der schafft das sicher immer wieder.
Am Ende jeden Nachmittags bekommen die Schüler übrigens Rückmeldungen von den Coachs, wie sie gearbeitet haben. Frau Theisohn hat für uns ein rhythmisches Ritual entwickelt. Lassen Sie es sich einmal erzählen. Und vorsingen. Und vorklatschen. Und dann fragen Sie in so einem Fall: Wie stand denn heute der Daumen eures Coachs?
Der stand übrigens in unserem speziellen Fall am Montag nicht nach oben.
Aber keine Sorge: Auch wenn das Flügelausleihen manchen am Anfang noch schwer fällt: Das wird schon.

11. Oktober 2009

Späßchenkinder oder die Ernsthaftigkeit des Lernens

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 09:37

Ein paar persönliche, grundsätzliche Gedanken am Sonntag Morgen.

Da kommt Ihre Tochter oder Ihr Sohn auf’s Gymnasium. Wurde empfohlen. Und sie wollen natürlich, dass der zukünftige Schulbesuch weiterhin erfolgreich ablaufen wird. Klar. Immerhin geht es um die Zukunft. Um die Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes. Sie wissen natürlich, dass die Schulausbildung die Weichen stellen wird. Deshalb schauen Sie auf’s Detail. Schauen darauf, was Ihr Kind von der Schule erzählt. Ob es sich wohl fühlt. Ob die Noten stimmen. Helfen, wenn es um die Vorbereitung der Klassenarbeiten geht. Kümmern sich darum, ob der Ranzen auch richtig gepackt ist. Freuen sich, wenn Ihr Kind erzählt, dass alles wunderbar ist. Sind verunsichert, wenn sich Ihr Kind nicht richtig behandelt fühlt. Haben sich entschlossen, Ihr Kind dem Flügelverleih anzuvertrauen, damit es noch mehr Selbstständigkeit lernt. Haben aber viel aus der Hand gegeben, was in der Grundschule noch klar überschaubar war. Dort hatten Sie viel mehr direkte Rückmeldung von der Schule. Dort gehörte Ihr Kind zum vorderen Leistungsdrittel. Jetzt ist es zusammen mit den anderen vorderen Leistungsdritteln.
Jetzt ist es wie ein langes Warten bis zum Abitur und dazwischen das große Ungewisse, dessen Name allein schon schaudern lässt. Pubertät. Wird sie schlimm? Wie wird sie sich auf das Lernen auswirken? Als meine jüngste Tochter vor vielen Jahren bei ihrer älteren Schwester die ersten unerklärlichen Anzeichen sah, meinte sie nach der Bestätigung des Vaters, dass dies wohl nun die Pubertät sei, überzeugt: „Da geh ich nie rein! … Und wenn ich rein muss, dann geh ich ganz schnell wieder raus!“ Der Vorsatz hat ihr nicht viel genützt. :-) Entwicklungen von Menschen sind nicht planbar. Ab der 7., 8. Klasse auch nicht mehr wirklich so leicht beeinflussbar. Bis dahin müssen schon klare Strukturen bestehen, damit die für so manche(n) echte Untiefen der Pubertät den Job als Schüler/in nicht zu sehr stören.
Schule kann so viel Genuss auslösen, aber auch große Magenverstimmung. Schule spielt im familiären Gefühls-Alltag eine viel größere Rolle, als wir uns zugestehen wollen. Gute Leistungen der Kinder entspannen die Familiensituation enorm. Selbstständig gemachte ordentliche Hausaufgaben ebenfalls. Schulverweigerung und Schulfrust dagegen können wirkliche familiäre Dramen auslösen. Deshalb lohnt es sich schon aus reinem Eigeninteresse, als Eltern einen guten Job zu machen. Speziell in der 5. und 6. Klasse.
„Einen guten Job?“ fragen Sie entsetzt? „Den müssen doch bitteschön die Lehrer machen. G8 ist doch schon von den Stundenzahlen her ab der 7. Klasse Ganztagesschule. Wir haben die Kinder doch gar nicht mehr zu Hause.“ Ja klar. Da haben Sie schon recht. Für unseren Bereich Schulausbildung, da zeichnen wir ja auch gegen. Aber den wichtigsten Bildungs-Job müssen trotzdem Sie als Eltern leisten.
Zur Beruhigung: Die meisten von Ihnen haben ihn schon sehr gut geleistet. Und leisten ihn täglich auf’s Neue gut. Eltern müssen es schaffen, dass Ihr Kind Schule professionell betreibt. Dass der Lernjob tatsächlich ernst genommen wird. Am meisten aktive Arbeit an diesem Problem müssen in der Regel Jungs-Eltern aufbringen. Denn dort verstecken sich – übrigens weltweit in allen hochentwickelten Ländern – die meisten Bildungsproblemchen. Dort liegen, positiv gesehen, im Moment auch die meisten Möglichkeiten der Entwicklung brach. Von uns Männern werden aktuell in jungen Jahren definitiv die meisten Fehler gemacht. Man muss uns helfen, hier umzudenken.
Ich will hier nicht auf die Ursachen eingehen. Es ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren in einer aufgeklärten und hochentwickelten Gesellschaft. Ich will an dieser Stelle nur auf die Fakten hinweisen. 1992 waren in Deutschland 52 Prozent aller Abiturienten weiblich, 2006 waren es 56 Prozent. Tendenz steigend.
„Männer, das kann es nicht sein. Mütter, habt nicht so viel Nachsicht mit uns. Väter, schaut nicht weg und verweist auf die eigene Schulzeit. Die Zeiten sind andere geworden.“ Die 56 Prozent machen übrigens auch noch das bessere Abitur. Klar freue ich mich riesig über die Entwicklung der Gleichberechtigung der Frauen in den letzten 30 Jahren. Das ist für so einen Alt68er wie mich doch ganz klar eine wunderbare Entwicklung. Aber wir Männer, so hatten wir das zumindest damals diskutiert, dürfen dabei doch nicht auf der Strecke bleiben. Meine Damen, wir Männer sind ja nicht doofer geworden. Wir haben im Moment nur ein vorübergehendes Orientierungsproblem.
Dabei kommen wir nach der Grundschule noch fifty fifty am Gymnasium an. Daran sieht man ja schon, dass wir Männer auch heute noch könnten, wenn wir wollten.
„Was Sie als Eltern tun können, dass ihr Sohn (ja klar, auch manche Tochter, aber bei den Mädels taucht die Problematik eben wirklich nicht so häufig auf) nicht zu der wachsenden Zahl von intelligenten Schülern gehört, die zwischen der 7. und 9. Klasse die eigene kleine Bildungskatastrophe fabrizieren?“ fragen Sie.
Ich gebe Ihnen eine ganz persönliche Antwort aus der täglichen Praxis eines in die Jahre gekommenen Schulmeisters. „Wenn Ihr Sohn (oder Ihre Tochter) die Gymnasialempfehlung problemlos bekommen hat und Sie es jetzt schaffen, dass Ihre Tochter oder Ihr Sohn Schule ernst nimmt, dann haben Sie gewonnen.“
„Wie bitte? Was soll denn das?“ fragen Sie. „Aber das ist doch klar, dass mein Sohn Schule ernst nimmt. Gymnasium. Höhere Schule. Das nimmt man doch automatisch ernst.“
:-) Bei so manchen Eltern müsste ich jetzt salopp sagen: „Träumen Sie weiter.“
Für die Eltern unserer Nachmittagsschule kann ich ein paar konkrete Anleitungstipps geben. Fragen Sie doch einmal zum Beispiel, ob ihr Sohn Schule so ernst nehmen kann, dass er die Einführungsrunde in der Nachmittagsschule wirklich ohne eigene Späßchen übersteht. Ob er die Zeit bis zur Triangel problemlos aushalten kann. Ob er das ruhige Arbeiten in der Flüsterzeit tatsächlich in Ruhe hinbekommt oder ob der Faktor „kleine Späßchen machen“ ihn einfach immer wieder überfällt. Erfragen Sie es immer wieder. Wir können Ihnen später die Antworten auch aus unserer Sicht geben. Wir halten auch irgendwann einmal einen Flügelverleih-Elternabend ab. Wichtiger wäre es aber, dass Ihr Kind selbst empfinden lernt, ob es in der Lage ist, ohne den Druck der Ermahnung und Strafe ernsthaft bei der Sache zu sein. Es sind genau die offenen Systeme, die es vielen Kindern schwer machen, sich zu konzentrieren. Die etwa in einer Schule der 50er Jahre keine Probleme gehabt hätten, weil die Schule eine strafende Schule war. Die heutige moderne, offene, Selbstständigkeit fordernde Schule ist eine Herausforderung für alle Späßchenkinder, die es in großer Zahl gibt. Die fehlende Ernsthaftigkeit zu vieler Schüler ist für mich das aktuelle Hauptproblem für Schule.
Die Eltern sind in der 5. und 6. Klasse noch der stärkste Einflussfaktor, den man nutzen muss. Ernsthaftigkeit muss über Verstehen im Hirn ankommen. Es muss von jemand vermittelt werden, der selbst hundertprozentig ernst genommen wird. Warum das Problem männlich ist? Das Verhältnis 10 zu 1 würde ich aus der Praxis heraus schätzen, Jungs – Mädchen. Auf 10 Jungen, die „Späßchen machen“ auf ihre Dauerfahnen geschrieben haben, kommt ein Mädchen.
Ja dieses Späßchen machen, das ist eigentlich ganz harmlos anzusehen. Immer ein smartes Lächeln auf den Lippen. Immer mit der Fragestellung im Hinterkopf: Wann spaße ich das nächste Mal wieder ein klein wenig los? „Mama, das war nicht schlimm. Nur ein klein wenig. Es macht so Spaß.“ Die Bühne ist da. Der Applaus sicher. Es belebt das Arbeiten doch so erfrischend. Man hat noch die Grundschulerfahrungen abgespeichert. Man ist doch clever. Und die ersten Noten zeigen ja auch: Man kann sich die Späßchen erlauben. Man zehrt noch von der Grundschule. Die Noten vieler Fünftklass-Späßchenmacher brechen eben erst in zwei, drei Jahren ein. Bis dahin ist der Schulfrust programmiert und dann der Hauptschuldige schnell gefunden. Der Lehrer. Klar. Er schafft es dann in der 7. oder 8. Klasse nicht, die nötige Lust am Lernen zu erzeugen. Von der man doch so häufig liest, dass Schule sie erzeugen können soll, wenn sie eine gute Schule ist.
Das ist übrigens der echte Unterschied zu Ihrer eigenen Schulzeit. Vor 20 Jahren waren 5.Klässler noch nicht von Anfang an so spaßorientiert. Das gewachsene Selbstbewusstsein unserer Kinder, das eigentlich eine positive Entwicklung darstellt, wird hier zum Bumerang. Spaßorientierung ist auch meist ganz süß. Nie böse gemeint. Im Gegenteil. Da steckt viel Witz in der Geschichte. Würden nicht auch andere Schüler durch Späßchen gestört und wäre es nicht die kontinuierliche Grundlage für eine nachhaltige Fehlentwicklung, dann könnte man diese spaßige Grundhaltung sehr positiv sehen. Lebensfreude pur. Was will man mehr. Es ist für manche, als wäre es das Normalste der Welt. Als müsste man immer Unterhalter sein. Fernsehen spielen. Nur, leider, schießt man sich mit diesem Programm Tag für Tag ein Eigentor. Noch haben Sie wirklichen und echten Einfluss als Eltern. Meine Überzeugung: Nutzen Sie ihn kontinuierlich für Ernsthaftigkeits-Werbung. Erzählen Sie ruhig Fakten. Jeder Schülerplatz kostet die Gesellschaft über 10 000 Euro im Jahr. Bei 1000 Stunden, die man in der Schule sitzt, also 10 Euro für jede Unterrichtsstunde. 300 Euro die Woche. Nur für Ihren Sohn (oder für Ihre Tochter). Was die Jungs und Mädels täglich machen, kostet uns alle richtig Geld.
Fragen Sie beim Elternsprechtag die Lehrer deshalb nicht primär nach den Noten. Fragen Sie nach der Ernsthaftigkeit im Lernen. Das ist für mich der entscheidende Aspekt, der die Bildungsgewinner von den Bildungsverlierern unterscheidet. Genau hier haben Sie aber als Eltern auch den entscheidenden Einfluss. Nutzen Sie ihn. Genau jetzt ist die Zeit dazu.
Denn das ist meine entscheidende Behauptung: Für den Großteil der Späßchenmacher ist es im Prinzip schlicht eine Kopfsache, das Späßchenmachen zu lassen. Es ist nur eine heiß geliebte Angewohnheit, die man sich auch wieder abgewöhnen kann.
Lassen sie uns deshalb eine schlichte Erfolgs-Vereinbarung treffen: Sie kümmern sich um die Ernsthaftigkeit, wir kümmern uns um die Ausbildung.

18. Oktober 2009

Gehirnjogging mit Bällen

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 09:48

Also – diese Flügelverleih-Woche war eine B-Woche. Eine mit dem Prädikat: „Mal wieder was Neues ausprobieren. Mal wieder danach Forschen, wer welche unentdeckten Fähigkeiten besitzt.“ Jonglieren war angesagt. „Hilfe, warum denn Jonglieren?“ fragen Sie. „Die sollen, wenn sie die Hausaufgaben fertig haben, doch lieber Vokabeln auswendig lernen. Und zusätzliche Matheaufgaben machen. Spielen sollen sie besser zu Hause.“
Klar, liebe Eltern. Bis drei Uhr war ja auch immer ruhiges Arbeiten angesagt, erst dann wurde jongliert, aber Jonglieren widerspricht dem Lerngedanken natürlich überhaupt nicht.
Wir müssen als Hintergrund dazu sagen. Wir verfügen in unserem Team über drei richtig gut jonglierende Menschen, die diese Kunst auch wunderbar weitergeben können. Frau Schmitz, Herr Illner und Herr Zuern sind unsere Könner. Also gut. Auch Frau Theisohn hat gemeint, sie könne schon „drei Bälle 2 Sekunden lang“. :-) Und ich persönlich bin gespannt, ob ich mir nach diesem Jahr Jonglieren – ich will das nämlich auch können – besser Schülernamen merken kann. Denn Jonglieren und Gehirn, das hat was. Sogar bei so einem etwas in die Jahre gekommenen Gehirn wie dem meinen. Sagt die Wissenschaft. Wir wissen dies bei jungen Hirnen aus eigener Erfahrung durch eine Jonglier AG vor ein paar Jahren. Herr Zuern war damals bei uns Referendar und hatte sie geleitet. Die Schüler, die dabei waren, haben häufig vor dem Lernen jongliert, weil sie sich dann danach besser konzentrieren konnten. Manche machen das heute noch.
Eine Wissenschaftlergruppe aus Oxford hat nun ganz aktuell den positiven Einfluss der kleinen Bälle mit Kernspin bestätigt, wie man das inzwischen eben so macht. Wir wollen Ihnen das natürlich nicht vorenthalten.

Spiegel Online 12. 10.09
Auch im Erwachsenenalter ist das Gehirn noch formbar. Oxford-Wissenschaftler haben mit Kernspin-Untersuchungen gezeigt, wie sich die Nervenverbindungen in unserem Kopf während des Lernens innerhalb kurzer Zeit verändern.
Jonglieren lernen bewirkt Veränderungen in der Verdrahtung von Nervenzellen. Dies zeigten Forscher um Heidi Johansen-Berg und Jan Scholz von der University of Oxford mit einem Experiment, das sie im Fachblatt ” Nature Neuroscience” veröffentlichten.
Mit Hilfe eines Kernspintomografen untersuchten sie sowohl die Veränderungen der weißen und grauen Substanz im Gehirn von 48 jungen Erwachsenen, die nicht in der Lage waren zu jonglieren. Die Hälfte der Versuchsteilnehmer unterzog sich darauf einem sechswöchigen Jongliertraining und übte 30 Minuten täglich. Bei einer erneuten Untersuchung stellten die Forscher danach bei den Jonglierern eindeutige Veränderungen in der weißen Gehirnsubstanz fest. Die weiße Substanz umfasst die Leitungsbahnen im Gehirn und Zentralnervensystem, die graue die Nervenzellkörper. ….
Weitere Einzelheiten bei Spiegel Online.

Na ja. Und weil die Leute aus Oxford dem Jonglieren einen echten Lernzuwachs zuschreiben können und wir aus der Erfahrung auch dieselben Beobachtungen gemacht haben, haben wir Jonglieren auf unsere Fahnen geschrieben. Sie werden bald die ersten Dreiball-Jongleure im Nachmittagsfernsehen bewundern können, vielleicht ja auch schon bald die ersten Vierball- oder gar Fünfball-Jongleure. Man darf gespannt sein. Übrigens, und das ist das Wichtige an der Sache: Die Forscher haben herausgefunden, dass es nicht das „Jonglieren können“ ist, das die Gehirnsubstanz wachsen lässt, sondern das „Jonglieren lernen“. Also der Übungsprozess. Deshalb: Wenn schon Jonglieren dem Lernen Flügel verleiht: Tun wir’s doch. Das war das Motto der letzten Woche. Und das wird uns auch kontinuierlich weiter zusätzlich zu den anderen lernunterstützenden Dingen begleiten, die im Flügelverleih alle noch auftauchen werden. Das Schöne am Jonglieren ist nebenbei: Hier kann kein Schüler sagen: „Frau Hirth, ich bin schon fertig, was soll ich jetzt machen?“ Bei der Ballanzahl gibt es nach oben eben keine Grenzen.
Übrigens war diese Woche noch ein richtiges Großereignis für den Flügelverleih. Unsere Sozialchefin hat den Namen gewechselt. Am Freitag kurz nach 11 Uhr hat sie im Freiburger Rathaus ein wichtiges Dokument mit dem Namen Geismann unterschrieben, nachdem sie dieses kleine Wort ausgesprochen hatte. “Ja“. Wir gratulieren auch von dieser Stelle aus.

Galafernsehen

Abgelegt unter: faust-aktuell — heinz.bayer @ 19:35

Ganz neu im Programm: Der Film von Julia Schmitz. Gala am Montag im Spiegelzelt. “Gestatten Faust”. Schauen Sie doch mal rein. Unter Links “Galafernsehen”.
Ebenfalls neu ist die Seite: Wie baut man einen Flügelverleih?

19. Oktober 2009

Videoeinbau funktioniert

Abgelegt unter: Tagebuch — heinz.bayer @ 21:34

Ja wer sagt es denn. Klappt doch. Hier ist unser erstes Video im Blog integriert. Danke Frau Schmitz.
Und wenn ich hier schon gerade am Schreiben bin. Liebe Eltern. Habe ich Ihnen denn schon gebloggt, warum wir die Studienwochen eingeführt haben? Das ist so: Im Moment sind die Chinesen in China, die Franzosen in Frankreich, die Italiener in Italien. Die 13er sind auf Studienfahrt. Lehrer auch gleich mit dazu. Für drei der sechsten Klassen läuft diese Woche das Gewaltpräventionsprojekt, die zwei anderen sechsten Klassen durchlaufen dieses Projekt in der nächsten Studienwoche. Dann gibt es noch dies und das. Zum Beispiel heute ein Fußballturnier für die Jüngsten. Und es gibt den ganz normalen Unterricht. Unsere riesige Kursstufe schreibt drei große Klausuren. Und das Ganze mit einem extra Stundenplan, der alles einigermaßen koordinieren soll.
Kurzum: Die Studienwochen sind einfach dazu da, dass Projekte, Austauschprogramme und andere spezielle Aktivitäten gebündelt ablaufen können. Ich hoffe, Sie verstehen jetzt ein wenig, warum Ihre Kinder meist einen veränderten Stundenplan haben und der Nachmittagsunterricht ausfällt. Außer dem Flügelverleih. :-)


Faust-Gymnasium-Gala report klein
von schmitzi2009

20. Oktober 2009

Kleine Änderung

Abgelegt unter: Tagebuch — heinz.bayer @ 20:00

Liebe Leserin, lieber Leser
nachdem wir Videos einbauen können, finden Sie in Zukunft Filme aus dem Hause Flügelverleih unter:
Seiten / Nachmittagsfernsehen.
Dort findet man jetzt auch den Sommerkonzertfilm 2009.

24. Oktober 2009

Jugend forscht – B-Woche

Abgelegt unter: faust-aktuell — heinz.bayer @ 15:18

Oh wie gerne würde ich Mäuslein spielen und hören, was denn Ihre Kinder von dieser Woche zu Hause erzählen. Das ist ja immer dieses verrückte Spiel. Wenn Sie einen Sohn haben, dann wissen Sie wenig. Wie oft habe ich bei Elternabenden Gruppentische gemacht. So wie die Schüler auch in der Schule saßen. Also auch Jungentische und Mädchentische. Und immer dasselbe Spiel. „Sicher haben Ihre Kinder von …………….erzählt. Was halten Sie davon?“ Wilde Diskussionen an den Mädchentischen. Schweigen an den Jungentischen. „Ich weiß nichts davon.“ Gemein. Wir Männer erzählen einfach viel weniger.
Beim Thema dieser B-Woche könnten die Jungs sicher einiges erzählen. Tun’s aber sicher trotzdem nicht. Obwohl es um ein ursprünglich eher männliches belegtes Gebiet ging: „Jugend forscht“. Erfinderwoche war angesagt. Die Aufgabe nach Erzählungen über diesen Wettbewerb: „Lasst euch selbst etwas einfallen, mit dem ihr möglicherweise bei Jugend forscht antreten könntet. Erfindungen, Untersuchungen, Forschungen…“ Man kann schon ab der 4. Klasse mitmachen. Das schöne daran: Man darf sein Thema völlig frei wählen. Die Zukunftsvision, der Entwurf einer gigantischen Eismaschine, die dem Abschmelzen der Pole entgegenwirken soll, fand ich persönlich am ergreifendsten. Wenn auch nicht unbedingt als Sechstklässlerin im Rahmen von Jugend forscht direkt umsetzbar. Die Tauben-Verscheuch-Konstruktion mit Bewegungsmelder für Hausbesitzer mit Taubenproblemen fand ich die interessanteste realistische Erfindung, die in dieser Woche entstand. Das Falten von Papierfliegern nach Vorlage und danach das Optimieren mit eigenen Vorstellungen hat immerhin einen exzellenten Flieger geschaffen, der den gesamten Schulhof überquerte. Die Erkenntnis, dass Ideen nicht am Schreibtisch entstehen, sondern vielleicht beim Spazierengehen oder beim Jonglieren, hat diese Woche abgerundet. Die Jongleure werden immer besser. Jonglieren und gleichzeitig Ideen suchen war angesagt. Nach den Hausaufgaben, versteht sich.
Vielleicht haben die Mädchen ja auch von den Bayer’schen Spezial-Doppelstunden erzählt, die ich in allen 5. Klassen gehalten habe. Unterstufenberater sollten zumindest einmal im Jahr die Unterstufe beraten. Auch da wäre ich gerne beim Erzählen zu Hause Mäuschen gewesen. Hochkomplexes Thema. Ernsthaftes Lernen. Professionell Schüler sein. Und dann: „Inflation“, eine kleine Fabel, die wir schon im letzten Jahr eingesetzt haben, um lernschwierige Schüler/innen zu beraten. Fehlende Ernsthaftigkeit, der Hauptgrund für das massenweise Versagen speziell von uns Männern in der Schule. Nicht die Dominanz der weiblichen Bezugspersonen. Sage ich. Denn es gibt so viele Jungs mit tollem professionellen Einsatz in der Schule, Kinder von alleinerziehenden Müttern, beschult von Grundschullehrerinnen, am Gymi betreut von 2/3 weiblichen Lehrpersonen, die trotzdem einen richtig guten Job machen. Die ernsthaft bei der Sache sind. Der Knackpunkt ist meiner Erfahrung nach meist die früh fehlende Ernsthaftigkeit dem Lernprozess gegenüber und das zu lockere Umgehen mit den daraus resultierenden Lücken, die sich leider erst zwei, drei Jahre später zeigen. Dann aber massiv. Dann wird das Lernen zum echten Frust. Deshalb, wenn Sie erkennen, dass Ihr Kind Schule zu leicht und zu spaßig nimmt, lesen Sie mit ihm die kleine Fabel und reden Sie darüber, dass sein Gehirn genau jetzt ein Hochleistungsgerät ist. Bis zum Alter von 13 Jahren, sagen Wissenschaftler, können Kinder, die in ein fremdes Land umziehen, diese Sprache so lernen, dass man ihnen den deutschen Akzent später nicht anhört. Können Muttersprachler werden. Stellen Sie sich das mal vor. Ihr Sohn in der 5. oder 6. Klasse könnte noch Chinese werden, der große Bruder schon nicht mehr und Sie selbst. Vergessen Sie’s.
Die Fabel ist verlinkt unter „Flügelmaterialien“

30. Oktober 2009

Digital Natives

Abgelegt unter: Pädagogisches — undplanb @ 01:04

Ich sollte vielleicht einmal etwas bemerken: Ich habe in den letzten Blogs so häufig von meinem Spezialthema geschrieben: Das Problem der mangelnden Ernsthaftigkeit zu vieler. Es zieht mich einfach immer wieder hinein. Eben auch die Jungenproblematik.

Wissen Sie. Als Vater von zwei Töchtern konnte ich immer gelassen darüber diskutieren. Als werdender Opa eines Enkelsohnes komme ich der Problematik nun tatsächlich auch persönlich ganz schön nahe.

Habe am Montag im Zug eine Mama mit drei Jungs erlebt. Drei Spielkonsolen, die alle gefiept und geballert haben wie die Weltmeister. Zwei Stunden lang. Dabei habe ich witzigerweise ein Buch gelesen, dessen Titel mich in der Bahnhofsbuchhandlung angesprungen hatte: „iBrain“ von Gary Small und Gigi Vorgang. „Wie die Medienwelt Gehirn und Seele unserer Kinder verändert“. Der Kleinste schräg gegenüber war gerade mal vier oder so. Digital Natives nannte der Autor die Jungs. Einheimische in der digitalen Kultur. Die Mutter wurde als Digital Immigrant bezeichnet. Stimmt, sie hatte schon beim Bedienen der Playstation ihre Probleme. Eben eingewandert. Ich erzähle Ihnen jetzt nicht das ganze Buch. Keine Sorge. Aber die Aussage, die man aus vielen neuen Untersuchungen mal wieder ableiten kann, stand am Ende eben auch wieder da: Bitte, bitte. Mamas und Papas, die ihr eure Kinder, speziell eure Jungs liebt. Schaut darauf, dass die Zeit in der digitalen Welt für eure Digital Natives im Rahmen bleibt. Sonst arbeiten ihre Neuronen im Stirnlappen zu wenig. Wir sprechen vom Gehirn und von  Magnetresonanztomographie. Und wir sprechen von Multitasking, das die Einheimischen richtig gut beherrschen. Besser als die Einwanderer. Was ja gut ist. Im Rahmen eben. Denn der Stirnlappen ist für Lernen, Gedächtnis, Emotionen und sogar Impulskontrolle zuständig. Wenn der verkümmert, ist das doof. Würde ich mal so salopp sagen. Da fehlt etwas Entscheidendes, das für Beziehungen wichtig ist. Und was, mal unter uns, ist wichtiger als Beziehungen führen zu können. Der Autor von „iBrain“ hat das über 190 Seiten belegt. Na ja. Die drei jungen Eingeborenen am Sitzplatz schräg vor mir waren auf alle Fälle zwei Stunden lang konzentriert und ruhig bei der Sache. Ich habe ihnen die Daumen gedrückt, dass sie danach Kicken durften, Fahrad fahren oder im Hallenbad schwimmen, basteln oder jonglieren, erfinden oder experimentieren, usw… eben etwas für den Zentrallappen. Sie wissen schon. Oje. Man merkt. Schon wieder bin ich beim typischen Bayer-Thema. Erziehen in digitalen Zeiten ist ziemlich schwer. Dabei wollte ich in diesem Blogbeitrag aus den Tiefen der unterrichtsfreien Herbsttage mal was ganz anderes sagen

Ich hätte bei all meinen Blogs über die Problemchen des Schulalltags immer als permanenten Begleittext hinzuschreiben müssen: „Liebe Eltern. Für die übergroße Mehrheit unserer Schüler/innen am Faust gilt natürlich ganz klar: Alles im grünen Bereich. Wunderbare junge Menschen. Die ihren Weg durch das Gestrüpp des Erwachsenwerdens glorreich zurücklegen werden. Auch als Eingeborene in dieser so neuen Welt, in der die Erwachsenen eben mit anderen Frontallappen im Kopf herumlaufen müssen. Oder dürfen. Aus den Kindern sollen bitte auch keine junge Menschen werden, die den Ernst des Schülerlebens als oberstes Gut mit sich herumtragen. Mit strengen Mienen. Die Ernsthaftigkeit der Einwanderer würde mir reichen. Die kennen Sie ja noch aus eigenen Zeiten. Die haben 80% unserer Schüler/innen und die werden auch keine wesentlichen Schulprobleme haben. Eben die, die sie selbst kennen. Aber aus der Erwachsenensicht eines mitten im Beruf Stehenden verklärt sich das zur Schulproblemfolklore. Oder? Und wer dann als Schüler noch mehr zulegen will, muss einfach an der Ernsthaftigkeit drehen. Das ist der Joker in der Hinterhand.

Sorry, jetzt habe ich es schon wieder nicht geschafft, nur von den vielen tollen Jungs und Mädels zu schwärmen, die zu uns ans Faust kommen. Deren Erziehung Sie wunderbar hinbekommen haben. Gratulation. Also: Ich versuche es später noch einmal mit so einem Artikel. Ihnen noch ein paar Tage herbstliche unterrichtsfreie Tage.

Übrigens: Es ist nicht unanständig, in den Ferien Vokabeln zu lernen. Wollte ich nur nebenbei mal gesagt haben.

3. November 2009

“Dein Thema..”

Abgelegt unter: Pädagogisches — undplanb @ 11:52

… meinte gestern eine sehr nette Kollegin zu mir und legte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung auf den Tisch.
Stimmt. Mamas und Papas von Jungs: Wenn Sie Interesse haben, lesen Sie selbst. Gehirnforschung und wir Männer. Natürlich auch für Mädcheneltern interessant. Zum Entspannen. :-)

p.s. Zur Beruhigung für alleinerziehende Mütter. Ich persönlich bin überzeugt, dass auch eine Mutter sehr wohl ein “guter Vater” sein kann. Ich habe in den letzten 30 Jahren sehr viele sehr gut aufgestellte Jungs von alleinerziehenden Müttern erlebt.  Auch Mütter können problemlos ihren Söhnen die notwendigen Grenzen setzen. Und sie nicht immer in Schutz nehmen. Das ist für mich der entscheidendere Punkt. Heinz Bayer

Supermans Irrweg

Diese Woche – Spielewoche

Abgelegt unter: Tagebuch — undplanb @ 11:55

Das habe ich vergessen. Diese Woche ist C-Woche, also: Spielewoche im Flügelverleih.

6. November 2009

Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten …

Abgelegt unter: Pädagogisches — undplanb @ 09:02

„Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu ­begeistern, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, selbst Inhalte zu finden, eigene Fähigkeiten zu entdecken, ernst genommen zu werden – dann habt ihr viel für die Zukunft getan.“

Das war der zentrale Satz, mit dem wir uns vor 10 Jahren mit unseren faustspezifischen außerunterrichtlichen Konzepten als EXPO2000 Projekt beworben hatten. Das ist auch die Idee hinter unseren vielfältigen Impulsen, die wir im Laufe der Zeit neben dem möglichst konzentrierten Hausaufgaben erledigen im Flügelverleih ausgeben. Wenn wir Menschen Begeisterung für eine Sache entwickeln können, dann können wir die Fähigkeiten, die auf diesem Gebiet in uns schlummern, auch ausschöpfen. Das Gehirn ist ein Geselle, meint Professor Hüther, der Hirnforscher – ich hatte Sie schon mit ihm verlinkt  – der möglichst energiesparend arbeitet. Er muss sowieso schon für den Alltag richtig viel Energie aufbringen.

Nur wenn man sich mit Dingen intensiv beschäftigt, kann man auch Fähigkeiten entwickeln. Nur so kann man Synapsen im Hirn wachsen lassen. Die frohe Botschaft der Hirnforschung: Auch noch im hohen Alter ist unser Hirn fähig, dazuzulernen. Die zweite Botschaft ist die entscheidendere: Der Lernprozess ist nur dann richtig gut, wenn Begeisterung dahintersteckt. Alles Dinge, die in der Reformpädagogik für Lernprozesse in Schulen ja schon lange formuliert wurden. In den letzten 10 Jahren konnte man viele dieser Ansätze nun auch nachweisen, weil man dem Gehirn inzwischen beim Arbeiten zusehen kann. Für mich persönlich eine äußerst faszinierende Geschichte. Wenn ich Hirnforscherausführungen wie die von Prof. Hüther anhöre – ich verlinke Sie mal mit zweien, die ich gestern beim Schreibtischaufräumen genossen habe – ein Interview mit ihm und ein Vortrag – dann verstehe ich unglaublich viele Prozesse, die in der Schule gut oder schlecht für Schüler/innen ablaufen. Und ich verstehe dann nebenbei auch so viel von mir selbst.

Die Idee ist im Grunde genommen vollkommen einfach: Man muss es als junger Mensch nur :-) hinbekommen, Begeisterung an der Schule, am Lernen und an den vielen Möglichkeiten zu entwickeln, die  angeboten werden, dann macht der Zentralcomputer mit Leichtigkeit das Übrige. Er passt sich auch problemlos an fast jeden Unterrichtsstil an, dem er sich unterzieht. Wenn er sich positiv darauf einlassen kann. Dann lässt unser Zentralcomputer die vielen Fähigkeiten, die in uns schlummern, auch wachsen. Begeisterung. Das sagt sich so leicht und als Flügelverleiher denkt man sich in der Planungsphase: Wenn wie in dieser Woche unsere ausgebildeten Project Adventure Spezialist/innen wie Frau Schmitz, Frau Hofmeir oder Herr Thatenhorst in der Anfangsrunde spannende Angebote aus dem Bereich der Erlebnispädagogik machen, dann müssten da alle konzentriert mitziehen. 80% taten das dies auch mit Leichtigkeit. Aber ein paar haben immer wieder ihre Probleme, sich auf solche Angebote überhaupt einzulassen, ohne dazu mit etwas strengerer Ansprache „gezwungen“ zu werden. Dann macht dieses Angebot mit ihnen natürlich überhaupt nicht das Gleiche wie mit den anderen. Logisch. Manche haben Probleme, Begeisterung für Schule und Lernen allgemein zuzulassen. Erlebnispädagogische Angebote sind für unseren Zentralcomputer Lernen pur. Im positivsten Sinne. Unterstützend auch für die ganz allgemeinen Lernprozesse in Mathe oder Latein. Kleines Fazit in dieser Woche: Begeisternde Angebote allein reichen noch lange nicht aus, um alle ins Boot zu holen. Es gibt zu viele, bei denen Hirnforscher sagen würden: Man muss an der Begeisterungsfähigkeit arbeiten, bevor die Flügel für Lernprozesse richtig wachsen können. Wer es geschafft hat, dem Lernen Flügel zu verleihen, der hat aber etwas für sein ganzes Leben gelernt. Es lohnt sich also wirklich. Professor Hüther erzählt dies ja sehr nachdrücklich aus der Sicht der modernen Forschung. Deshalb unsere Bitte: Fragen Sie doch immer mal wieder nach, was Ihre Tochter oder Ihr Sohn von unseren kleinen vielfältigen Flügel-Angeboten erzählen kann, die vor und nach dem Hausaufgabenmachen eingestreut sind. Wenn Sie dann die Begeisterung in den Augen glimmen sehen, dann wissen Sie, dass Ihrem Kind Flügel bei uns wachsen. Wenn Sie nichts erfahren können, dann arbeiten Sie mit uns daran, dass auch Ihr Kind irgendwann dieses begeisternde Glimmen bekommt. Ich denke, dass viele inzwischen sogar schon gut glimmen können, wenn sie davon erzählen, mit welchem Spaß sie z.B. mit Freundinnen im Pavillonvorraum auf dem Bauch liegend und flüsternd gemeinsam ihre Geographieaufgaben gelöst haben.

http://faustgym.blogspot.com

Abgelegt unter: Pädagogisches — undplanb @ 17:11

Wahrscheinlich hat sich so mancher Insider gefragt, warum denn hier ein Lehrer bloggt, bevor das Schüler am Faust tun. Da muss ich zur Ehrenrettung unserer Blogger sagen: Sie waren natürlich vor mir dran. Nur haben Sie noch nicht so viel Werbung gemacht. Ich mache die hiermit.

Klicken Sie mal rein. Rechts ist der Blog auch verlinkt.

13. November 2009

Haben Sie eigentlich noch Schulalpträume?

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 23:51

Ich gestehe, dass in dieser Woche so viele Eindrücke aus der Schule in meinem Kopf herumschwirren, dass ich Schwierigkeiten habe, mich auf ein Thema zu konzentrieren. Wenn man täglich den Schauspielern und Musikern bei den Proben zusieht, die sich konzentriert und mit großer Ernsthaftigkeit der Dreigroschenoper nähern, Sie haben es sicher im faust-aktuell gelesen, dann schwebt schon allein deshalb für mich so ein ganz eigenes Faustgefühl konstant durch die Aula. Das Bühnenbild verzaubert die Szene. Da designen junge Grafiker auf den letzten Drücker tolle Plakate, da warten geduldig und stundenlang die Techniker an Licht und Ton auf ihre Einsätze, da arbeitet eine riesig große Truppe von jungen Leuten an einem richtig großen Projekt zusammen. Die Podcastleute warten mit ihren Filmkameras auf den Einsatz bei der Premiere. Als alter Schulmeister weiß man: Da wird nicht nur feinstes Schultheater gespielt, nein, da werden dauerhaft Dinge für’s Leben gelernt. Philipp Tiedemann, der Schauspieldirektor, stand dort auf Faust-Bühne, Felix Eitner, der Schauspieler hat im Theater am Faust geglänzt, Franz Lustig, der Kameramann, hat sich in der Schule seine ersten Sporen verdient. Azhar Kamal stand dort als Gitarrist in der Aula und träumte seinen Musikertraum …. So ein 30jähriger Schulerfahrungskopf schaut da verklärt bei den Proben zu und fragt sich dabei, wo wohl all diese jungen Menschen später ihre ganz eigene Bühne finden werden. Dass sie sie finden, davon ist der alte Schulmeister natürlich überzeugt. Wer das Faust so aktiv durchlebt wie z.B. die Theateraktiven, der nimmt genügend Stärke mit hinaus in die Nach-Faust-Zeit.

Der träumt später mehr von tobendem Applaus als von verkrachten Klassenarbeiten, wenn er von Schule träumt.

Ja leider ist das so. Noch nach Jahrzehnten werden so viele von uns Menschen, die wir alle mal auf der Schule waren, von Schul-Alpträumen (Albträumen – darf man beides schreiben) geplagt. Wikipedia: Im nächtlichen Schlafrhythmus treten Albträume vorwiegend im REM-Schlaf auf, meist in der zweiten Nachthälfte. Die Dauer schwankt zwischen wenigen Minuten und einer halben Stunde und endet meist mit Aufschrecken, wonach man sich in der Regel sofort der Wachheit bewusst und räumliche und zeitliche Orientierung gegeben ist. Als Ursachen werden unverarbeitete Tagesgeschehen, traumatische oder traumatisierende Erlebnisse, Stress oder psychische Probleme, aber auch physische Komponenten angenommen.

Dass wir in einer Prüfung sitzen und überhaupt nichts wissen. Furchtbare Situation. Schweißgebadet wachen wir auf und fragen uns: Wie ist das nach 30 Jahren noch möglich? Peinliche Situationen. Versagensgefühle pur. Schule als Ort des Grauens in Träumen. Verrückt. Aber eigentlich auch klar. Man hat in unserer Gesellschaft noch nicht wirklich gelernt, Schüler/innen klarzumachen, dass sie auf die eigenen Fähigkeiten schauen müssen, anstatt sich immer so sehr auf Noten zu fixieren. Als wäre meine Fähigkeit als Physiklehrer abhängig von meiner Mathenote in der 6. Klasse.  Als Eltern sollten Sie das bewusst angehen. Die Fähigkeiten honorieren, Anstrengungen gut finden, Biss unterstützen, Bemühen ernst nehmen, nicht so gute Noten nicht so gute Noten sein lassen. An die Alpträume der Zukunft denken, die eigenen Zeugnisse von damals studieren und Mut machen.
Jetzt bin ich ganz woanders gelandet, als ich das im heutigen Blog vor hatte. Ich wollte eigentlich zum Thema Flüsterzeit im Flügelverleih erzählen. Aber das läuft ja nicht weg. Ich wollte etwas zu den Elternabenden erzählen, wollte den Elternbeiräten der 5. Klassen hier einmal blogöffentlich gratulieren, dass sie einen richtig tollen Job machen. Aber das kann ich ja noch nächste Woche nachholen. Der Elternabend ist erst am Montag in einer Woche. Und ich wollte von Gesamtkonzepten der offenen Ganztagesschule erzählen. Ich wollte die Verpflegung in der Cafeteria streifen und erzählen, dass der Flügelverleih jetzt sogar eine Praktikantin hat. Frau Schromm, die im 9. Semester Englisch und Biologie studiert und sich ein offizielles Zertifikat in Sachen Ganztagesschule bei uns „erarbeitet“. Wollte etwas von unseren Ideen erzählen, wie wir Frau Winkelmüller-Völkers als LRS-Spezialistin im Flügelverleih einsetzen werden, wollte den Film, den die Mittwochflügelverleiher für Frau Geismann, damals noch Frau Hofmeir, für ihre Hochzeit gedreht hatten, verlinken. Na ja. Ich werde Sie jetzt nicht überfrachten. Haben Sie Geduld. Wenn Sie wirklich viel mehr davon lesen wollen, was ich zum Thema Noten und Fähigkeiten so alles schreiben würde, wenn ich jetzt losschreiben würde, dann müssten Sie sich z.B. in ein Kapitel aus dem pädagogischen Schweizermesser einlesen. Das „Messer“ ist für Fortbildungen gedacht, aber es kann auch der „Blogvertiefung“ dienen. Schule ist solch ein komplexes Gebilde, dass es schon Sinn macht, Schule zu verstehen. Zu verstehen, was sie mit uns Menschen macht. Um seinen Kindern vielleicht später so manchen Erwachsenen-Alptraum zu ersparen.

Ich erzähle Ihnen zum Schluss noch eine wundervolle kleine Begebenheit am Rande meines Schulalltags in diese Woche. Die in Wirklichkeit eine richtig große Begebenheit war. Ausgangssituation: Naturphänomene-Unterricht Klasse 6. Vier Mädchen sind im Ausnahmezustand. Zwei weinen, eine sehr. Wasserfallartig. Ohne Pause. Im Gang. Zwei trösten. „Dürfen wir draußen bleiben? Der …….., nennen wir sie einfach mal Anna unf Paula geht es so schlecht…..“ – „Klar, wenn ihr Hilfe braucht ….. meldet euch. Traut ihr euch das zu? “ Während mein Unterricht abläuft und ich immer wieder nach draußen schaue, sitzen zwei verzweifelte Mädchen mit jeweils einem “Lebenscoach” im Gang. Noch in großer Entfernung. Dann in einem benachbarten Klassenzimmer mit größerer Nähe. Der Tränenstrom will einfach kein Ende nehmen. Wenn zwei, die sich eigentlich mögen, einmal richtig aneinandergeraten, dann sind die Verletzungen oft niederschmetternd. Tränen über die Schulstunde hinaus. Erst in der zweiten Stunde die ersten Lichtblicke. Gegen Ende der zweiten Stunden, Tränen und Lachen. Nur noch ein „Beziehungscoach“ im Spiel. Am Ende der zweiten Stunde: Zwei Freundinnen, die sich strahlend in den Armen liegen. Die Tränen sind nun eher Freudentränen. Glückliche Gesichter. Zwei Freundinnen, die sich jetzt viel für die Zukunft vornehmen. Die an diesem Vormittag ungeheuer viel gelernt haben. Ein „Lebenscoach“, der großartige Vermittlungsarbeit geleistet hat. Ein alter Schulmeister, der diese Szenen als „mein schönsten Erlebnis des Tages“ mit nach Hause nimmt. Wenn sich Schüler selbst in schwierigen Situationen organisieren, ist das großartig. Sorry. Schülerinnen. Schule ist echtes Leben. Wunderbar. Leider könnte ich mir eine ähnliche Szene bei jungen Männern sehr schlecht ohne professionellen Streitschlichter vorstellen. Womit ich mal wieder beim Thema wäre. Aber jetzt höre ich einfach auf.
p.s. Habe heute einen Link geschickt bekommen. Von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK). Zum Thema Lernhilfen im Internet. Ich glaube, der könnte Sie interessieren.

Sehr geehrter Herr Bayer,
der neue Online-Ratgeber des Internet-ABC zeigt Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren, wie sie im Internet für die Schule, für Hausaufgaben und Nachhilfeübungen sinnvoll nach Informationen suchen können.
Die wirklich tauglichen Seiten sind im World Wide Web nicht immer leicht zu finden. Mit “Percys Recherche-Ratgeber” auf www.internet-abc.de erhalten Schüler einen kompakten Überblick, um gezielt und effektiv Nachforschungen anzustellen.
Anbei erhalten Sie die aktuelle Pressemitteilung der LFK.
Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.lfk.de

20. November 2009

Elternpflegschaften

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 10:54

Die Klassen 6 bis 10 haben sie jetzt hinter sich. Die Elternpflegschaften. Was mich als Beobachter gefreut hat: Die Gesamtstimmung in der Burg war sehr entspannt. Herr Meyer sagt immer „Burg“, wenn er das ganze Gebäude heizen soll. Gefällt mir als Beschreibung sehr gut. „Welche Räume müssen geheizt werden?“ Wenn es so viele sind wie an den Pflegschaftsabenden, dann „heizt er die ganze Burg“.

Die Eltern müssen ja bei uns laufen, stehen in immer neuen Gruppen zusammen. Erst an so einem Abend merkt man, wie viele verschiedene Lerngruppen eine Klasse hat, wenn es um Sprachen geht und später dann um die Profilfächer. In diesem Jahr musste ich für einige 8. Klassen drei Zwischen-Sonderschienen aufmachen, damit alle Eltern auch alle Sprachlehrer/innen ihrer Kinder besuchen konnten. Ich empfinde diese kleineren Informationsstationen als Betrachter sehr auflockernd. Wo ein Sprachlehrer wegen Krankheit ausfiel, waren die Eltern in diesem Jahr auch gleich so flexibel, ohne Stress an die Bar zu gehen, um ein wenig untereinander zu plaudern. Auch für die fünften Klassen steht sie jetzt an. Die erste Elternpflegschaft, an der man all diese Menschen selbst kennenlernen kann, die die Gespräche beim Mittagstisch durchdringen. Die lieben und die knallharten und die blöden und die tollen und die strengen und die gerechten und die ungerechten und die bevorzugenden und die lockeren und die empfindlichen und die lauten und die leisen und die schicken und die altbackenen und die schlanken und die mit dem Bierbauch und die mit den vielen Haaren und die mit den wenigen und die, bei denen man alles versteht und die, bei denen man fast nichts versteht und die, bei denen man gerne alles versteht und die, bei denen man schon gar nichts verstehen will und die dann ja selbst Schuld sind. Also die, auf die man am Mittagstisch dauernd schimpfen könnte und die anderen, für die man gerne auch mal „und jetzt einen Löffel für die Frau ….“ in den Mund schiebt. Wir Lehrer sind öffentliche Personen. Über einen falsch platzierten Satz von uns finden echte Veranstaltungen statt. Ortsversetzt. Diskussionsrunden. Ich würde gerne einmal solch einen Prozess als Film sehen. Frau Schmitz, wie wär’s. Die Diskussionsrunden finden nach dem Unterricht zuerst einmal zwischen 30 jungen Leuten statt und dann an 30 Mittagstischen, wenn der Satz genügend Potenzial hatte, die Schule zu verlassen. 30 mal eine halbe Stunde Diskussion mit über 100 Diskussionsteilnehmern. Wenn der Satz fulminant war, dann beschäftigt er noch viele Diskussionen. Muss noch Monate später für eine Einschätzung von dieser öffentlichen Person herhalten. „Große“ Sätze bilden feste Grundlagen für Schubladen über uns Lehrer. Und der Satzerzeuger konnte sich vielleicht nie dazu äußern, wie der Satz gemeint war. Weil sich nie jemand getraut hat, dies anzusprechen. Deshalb mag ich die Gruppentische bei Elternpflegschaften. Das geht nicht immer, aber wird am Faust immer öfter gemacht. Weil sich dann viel mehr Eltern in der kleineren Runde mit den Satzproduzenten unterhalten können. Und merken: Da sitzen ganz normale Menschen. Die viel mehr sind als einzelne Sätze, über die man sich aufregt oder über die man sich freut. Gut, wenn man die Lehrer/innen kennt, über die die Tochter spricht und ein eigenes Erwachsenengefühl darüber hat. Also zum Beispiel: „Der ist streng, verlangt viel, gibt nicht so gute Noten, ist manchmal von einer motzenden Klasse genervt, aber hat das Herz am rechten Fleck. Hat ein paar richtig gute Sätze am Tisch zurückgelassen.“ Dann wird die Mittagsrunde bei neuen Erzählungen viel besser. Ich  habe zu viel Elternabende erlebt, auch als Vater, die so abliefen: Vorne sitzen die Lehrer, hinten die Eltern, Lehrer erzählen von der unruhigen Klasse und stellen die Eltern in den Senkel, ein paar „mutige“ Eltern stellen dafür den Lehrer in den Senkel. „Wie der schon aussieht, da versteh ich meine Tochter.“ Sie verstehen schon. Oder. Dieses Einschätzen von Menschen aus der Ferne. Das ist menschlich. Aber für den allgemeinen Lernprozess sehr schlecht. Dabei geht es nicht um uns öffentliche Sätzeproduzenten. Es geht um die Lernenden. Wenn am Mittagstisch ein Sätzeproduzent demontiert wird, dann kann er noch so viele tolle Sätze in den Raum stellen, dann nimmt das junge Gehirn dies nicht mehr so einfach wahr. „Wenn schon meine Mutter sagt, dass der Lehrer blöd sei, dann ist der auch blöd. Punkt. Der kann mir doch nichts beibringen. Der ist doch unfähig.“ Wenn es Probleme gibt, die am Mittagstisch auftauchen, dann muss man als Mutter oder Vater immer eines im Kopf haben: Für jede Situation gibt es verschiedenen Empfindungen. Und dass Lehrerempfinden und Schülerempfinden häufig auseinandergehen, ist ja wohl allen klar. Lehrer haben den typischen Auftrag, Schülern etwas beizubringen. Schüler haben den typischen Auftrag, gute Noten mit heimzubringen. Das sind unterschiedliche Sichtweisen. Eine Szene von einem einzeln erzählenden Sohn am Mittagstisch in Ruhe vorgebracht ergibt ein vollkommen anderes Bild als die gleiche Szene unter dem Aspekt einer unruhigen Klasse in der 6. Stunde. Man müsste den Eltern den Auftrag mitgeben, uns Lehrer als vollkommen unterschiedliche Menschen zu sehen, die einfach unterschiedlich arbeiten und wirken. Und damit auch einen momentan unbeliebten Lehrer als wichtige Personen zu begreifen, an dem man wachsen kann. Man muss gefordert werden, um wachsen zu können. Nur eines sollte nicht sein: Angst sollte nicht im Spiel sein. Und Ungerechtigkeit. Wenn Angst oder Ungerechtigkeit am Mittagstisch ins Spiel kommt, dann sollte man dies mit den Lehrern selbst klären. Sollte es an Gruppentischen an Elternsprechtagen offen ansprechen. Fragend. Nicht vorwerfend. Klärend, nicht aufgebracht. Dann verändert man. Mit zentralen Bloßstellungen vor versammelter Elternschaft hat man nur selbst vielleicht die kurze Genugtuung. Aber man hat dann eine echte Kommunikation verpasst.

Ich wünsche den Fünftklasseltern viele gute Gespräche. Und denken Sie daran, dass es um die Ernsthaftigkeit Ihres Kindes geht, nicht um die Noten. Denn die sind in der fünften Klasse noch nicht wirklich aussagekräftig.

p.s. auf dem Schülerblog gibt es einen neuen podcast. Es lohnt sich, reinzuklicken.

22. November 2009

B-Woche, Zukunftswerkstatt und Müller-TV

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 16:16

Diese Woche war B-Woche. Herr Illner, der vor seinem Lehramtstudium Produktdesign studiert hat und ich, der – oh je, ist das schon lange her – vor meinem Lehramtstudium Maschinenbau studiert habe, sind die Verantwortlichen für diese B-Wochen.

Ob ich finde, dass unsere Vorgeschichte eine Rolle spielt? Ich weiß es nicht, ich finde nur, dass man einmal wieder betonen sollte, dass Lehrer ganz normale Menschen sind, die, wenn die Würfel ein wenig anders gefallen wären, auch als Produktdesigner oder als Maschinenbauer in dieser Welt herumlaufen könnten.  Das hilft im Verständnis von unserer Spezie, die immerhin die einzige auf dieser Welt ist, von der alle Menschen behaupten, dass sie sie ganz genau kennen würden. Immerhin gibt es keine Gattung Mensch, der jeder in seinem Leben 1000 Stunden mal Anzahl der Schuljahre zugesehen an. Angeguckt, ob die Brille geputzt ist oder das Hemd auch gebügelt. Zählen Sie einmal nach. Über 10 000 Stunden Lehrer gucken, das prägt. Da können Sie sich auch nicht entziehen. Im Vergleich dazu haben Sie in Ihrem Leben vielleicht 15 Stunden Maschinenbauer geguckt. Außer Sie sind mit einem verheiratet. Hilfe. Ich wollte eigentlich ganz woanders hin. Zurück zu den B-Wochen. In den B-Wochen versuchen wir, Fähigkeiten herauszufinden. Letzte Woche war Innenarchitektur angesagt. Zukunftswerkstatt. „Wie würdet ihr den Pavillon ausgestalten, wenn kein normaler Unterricht darin stattfinden müsste? Wenn man die Zimmer zu Lernbereichen umbauen könnte.  Mit Regalen, Nischen, Abtrennungen usw.“ Wir wollten die Bedürfnisse sehen und die Kreativität wecken. Klar ist das noch Zukunftsmusik, denn ohne die Pavillonräume funktioniert natürlich die Raumverteilung Für den Unterricht nicht. Aber andenken kann man ja schon einmal, wie toll es wäre, wenn man die fünf Zimmer des Pavillon ganz anders einrichten dürfte,die am Morgen eben von Klassen gebucht würden. Als Freiarbeitsräume, als Lernräume der anderen Art, als Lernstudios. Als Kommunikationsräume. Denn ganz klar: Fünf Räume nur für den Flügelverleih, das macht keinen Sinn. Zukunftswerkstatt, das ist eine gute Methode, um sich neuen Vorstellungen zu nähern. Um dann später Teile, die realisiert werden können, herauszugreifen. Im Flügelverleih wollen wir aber in erster Linie den Jungs und Mädels zeigen, welche Vielfalt von Entwicklungsbereichen das Leben zu bieten hat. Nur wenn man Dinge versucht, entdeckt man sich selbst. Zum Beispiel „Müller TV“. Zufällig letzte Woche entstanden. Wir sind gespannt, ob die Idee, die sich entwickelt hat, in die Realität umgesetzt wird. Ein junges Moderatorenteam, das regelmäßig kleine Filme über unser Wirken dreht und wir dies ins Netz stellen. Nachmittagsfernsehen. Ein eigener Sender. Zungenbrecher sollen z.B. nächste Woche in unserem Filmstudio aufgenommen werden. Frau Schmitz ist mit dem Podcast Team schwer am Arbeiten. Dazu bekommen Sie übrigens noch prinzipiell von uns die Anfrage, ob Ihr Sohn oder Ihre Tochter für die Nachmittagsschule gefilmt werden darf. Es geht bei diesen Filmen um Dinge, die Sie sicher interessieren und die für unsere jungen Flügelverleih Besucher ein großer Anreiz sein könnten. Drei Bälle eine Minute lang in der Luft halten. Und dann Szenenapplaus. Den Link an die Oma geschickt. Und den Stolz genießen. Aber es ist eben auch Öffentlichkeit. Große Öffentlichkeit. Wir würden uns natürlich verpflichten, darauf zu achten, dass im Nachmittagsfernsehen niemand schlecht aussieht. Diese Plattform soll ja Flügel verleihen. Ich versuche es einmal, an einem  Beispiel zu erklären. Wenn Sie wollen, nehme ich das auch gleich wieder aus dem Blog. Ich versuche es einmal, einzufügen.

Geht nicht. Doch jetzt geht’s.


traumhochzeitslied
von heinz-eugen-b

Als Frau Hofmeir sich in Frau Geismann verwandelt hat, haben wir vom Flügelverleih einen kleinen Film gedreht, den wir dann auf dem Standesamt nach der Trauung vorgespielt haben. Klar haben wir ein Taschentuch dazu gereicht. Mit Laptop im Innenhof des Rathauses. Den wir natürlich auch den Mittwochsflüglern vorgespielt haben. Von dem manche Eltern sicher auch gehört haben. In dem man unseren Abschlussritus mit dem Gesang schön sehen kann. Also für Flügelverleihbeobachter ein echter Lehrfilm. Überlegen Sie, wie Sie zu solchen Auftritten stehen. Sie bekommen dazu noch ein Anschreiben von uns.

Besuchen Sie auch unsere Podcastler, die haben wieder was Neues aufgelegt.

28. November 2009

Flüsterzeit, Zungenbrechertage und Weihnachtsbasar

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 16:42

Und? Was hatten Sie für einen Eindruck? Weihnachtsbasar am Faust. Klar. Manche Eltern würden sich diese traditionelle Veranstaltung lieber ohne Rockmusik wünschen. Viel zu laut für die besinnliche Zeit. Nicht weihnachtlich genug. Aber mal ganz ehrlich. Wenn man auf den Weihnachtmarkt nach Freiburg geht. Ist der denn weihnachtlicher? Ich sehe da einen ganz anderen Aspekt. Diese Veranstaltung machen Jugendliche. Planen sie, organisieren sie, führen sie durch, räumen sie auf. Logistisch eine Meisterleistung. In der 6. Stunde aufbauen. Aber nur die Klassensprecher. Unter Anleitung der Kursstufe. Und um 16 Uhr 30 Abbau. Damit um 17 Uhr alles wieder im Reinen ist. Die Hälfte der Unternehmung dient einem guten Zweck. Immerhin ist es ein Weihnachtsbasar. Und die andere Hälfte geht in die Klassenkasse. Klar sind da Vertrauenslehrer, die die SMV beraten. Klar helfen viele Klassenlehrer/innen im Vorfeld. Müssen aber nicht. Und das ist auch nicht das Entscheidende. Dies Veranstaltung ist eine echte Schülerveranstaltung. Keine Veranstaltung, bei der man Weihnachtslieder vom Schulchor einfordern darf. Ich stelle die Frage in den Raum: Warum sollten Jugendliche anders planen als Erwachsene? Warum sollten Jugendliche anders denken als Erwachsene? Warum sollten Jugendliche Weihnachtslieder auf’s Programm stellen, wenn auf dem Weihnachtsmarkt in Freiburg Glühwein und Wurstbude die wichtigsten Faktoren sind? Die Jugendlichen sollen vernünftiger sein als die Alten? Weihnachtsbasar am Faust – ich genieße ihn seit Jahren. Wir hatten aber auch schon Weihnachtslieder im Angebot. So viele junge Leute, die sich mächtig ins Zeug legen und in der Schule eine ernsthafte Verkaufswelt veranstalten. Ob das gymnasial ist? Ansichtssache. Klar gibt es Menschen, die nur Dinge als gymnasial ansehen, die man auch benoten kann. Stunden mit Fachwissenszuwachs. Wenn mir aber eine Betriebswirtschaftsstudentin erzählt, dass es verrückter Weise die Organisation des Weihnachtsbasars war, die ihr den Einstieg in ihre heutigen Berufswelt geöffnet hat, dann meine ich eben doch: Voll gymnasial.

Voll gymnasial war auch die Zungenbrecherwoche im Flügelverleih. Überall im Pavillon hängen Sprüche, die einem die Zunge verknoten. Nach gemachten Hausaufgaben sah man sie herumlaufen. Einzeln oder in Gruppen. Sätze sprechend. Immer wieder die gleichen. Herausforderung an die Gehirnwindungen. An die Konzentration. 

Und dann: Vortrag mit Metronom. Um sich am Ende im Filmstudio von Frau Schmitz und Felix, so man am Donnerstag da war, filmen zu lassen. Sich so zungenbrecherisch artikulieren zu können und das vor laufender Kamera mit angesagtem Herzklopfen, da sage ich natürlich auch: Voll gymnasial.

Voll gymnasial finde ich auch die Flüsterzeit. Verrückt. Ich hatte es eigentlich nicht geglaubt, dass es funktionieren würde. Das Team fand es aber gut. Ich habe mich zurückgehalten. Die Realität hat mich überzeugt. Junge Menschen können auch am Nachmittag konzentriert und ruhig arbeiten, wenn man es zum Standard erklärt. Positiv erklärt. Wenn es den meisten klar ist, dass ihnen Unruhe und Lärm Zeit stiehlt. Und Energie. Dass Flüstern richtig cool sein kann. In Schweden ist es an den Schulen viel ruhiger als bei uns. Obwohl in Schweden auch nur ganz normale Menschen leben. Ich träume gerne: Ich bin der vollen Überzeugung, dass sich Schule vollkommen verändern würde, wenn man mit einem Bannstrahl dieses „Schreien müssen“ von Schüler/innen wegbeamen könnte. Wenn man es schaffen könnte, dass Schüler sich schlicht ruhiger verhalten. Mehr nicht. Austoben muss nicht Ausschreien heißen. Dann würde sich Schule schon deshalb ändern, weil die Noten besser würden, die Stimmung einen Schub bekäme und  alle weniger lernen müssten. Behauptet der Bayer. Schüler arbeiten im Normalfall klar unprofessionell. Aus der Sicht ihres späteren Berufs würden viele im Rückblick die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wie sie sich jetzt verhalten. Der größte Unterrichtsausfall an Schulen findet in vielen Köpfen statt. Leider verklärt sich das Ganze nach ein paar Jahren und es geht in der nächsten Generation gerade wieder von vorne los.

1. Dezember 2009

Zungenbrecher Video

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 19:12

Tut mir leid, ich wollte so gerne dieses Zungenbrechervideo in den Blog einbauen, aber es tut’s nicht so, wie es sollte.

Keine Sorge – irgendwann versteh ich auch das noch. :-)

Genießen Sie trotzdem    faust tivi 1

Gut, wenn man so ne richtige Frau vom Film im Team hat, die dann doch nicht beim Fernsehen blieb, sondern lieber ans Faust kam.

3. Dezember 2009

Herzklopfen und Lesezeit

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 23:32

Ja Lesewoche finden wir auch richtig gut. Frau Theisohn hat ihre private Bibliothek an Kinderbüchern angeschleppt, wir haben viele neue Spiele angeschafft. Kleine Gesellschaftsspiele, Kniffelspiele, Geschicklichkeitsspiele. Frau Hirth hat wieder neue Mathepakete zusammengepackt. Deutschpakete gab es natürlich sowieso. Und unsere Flügelverleihmenschen haben sich zum Großteil daran gewöhnt, dass es ein Flügelverleih-Leben nach den Hausaufgaben gibt. Dass es gut tut, auch nach gemachten und überprüften Hausaufgaben noch weiter den Kopf zu schulen. Hirntraining. Ohne Druck. Sich abfragen lassen. Wiederholen. Vertiefen. Weil es Sinn macht. Weil dann nach 14 Uhr 45 oder 15 Uhr auch noch was besonders Schönes zum Abrunden dran ist. Diese Woche: Jonglieren lernen mit Herrn Zürn, Schmökern auf den neuen Kissen in den Nischen, neue Spiele ausleihen und ausprobieren. Dem Bayer zuhören, wie er aus seinen eigenen ersten Kinderbüchern vorliest. Ja, ich gestehe, ich hatte zuerst ganz schön Herzklopfen. Ich durfte in der Lesewoche in der Eröffnungsrunde lesen. Jawohl. Hat das Team erlaubt. Ich hatte schüchern angefragt. Das Team hat voll zugestimmt. Eine echte Bayer’sche Lesung. Und sie haben mir einfach zugehört. Saßen da, waren mucksmäuschenstill und haben mir zugehört. (Tausend Dank an meine jungen Zuhörer und -innen. Ihr seid die Tollsten. :-) ) Bei der Geschichte von Hanna mit der Rechtschreibschwäche, die mit Hilfe einer Fee die Familie wechselt. Und bei der Fabel von Otto, dem bunten Eidechsenschwanz, der sich am Ende eine neue Eidechse wachsen lässt. Schönes Gefühl für so einen Autor. Seit 10 Jahren gibt es die Hanna-Geschichte. Seit 9 Jahren den Otto. Einem Publikum vorgelesen habe ich sie noch nie. Also: Welturaufführung Im Flügelverleih.

Mit unserer Idee, den Vorraum gemütlicher zu gestalten, sind wir in dieser Woche ein schönes Stück weitergekommen. Bunte Stoffe, bunte Kissen, eine abgehängte Lampe. Eine Stellwand. Wir experimentieren. Atmosphäre schafft Ruhe, glauben wir. Deshalb versuchen wir jetzt weiter, mit unseren beschränkten Mitteln an der Flügelverleihatmosphäre zu arbeiten.

Die neuen Räume im Aufbau West gehören auch zu unserem „Revier“ – wir machen uns schon jetzt unsere Gedanken, wie unsere Coachs in diesen Lernlabors später einmal Lerneinheiten mit den Aktivboards für die Flügelverleihmenschen umsetzen könnten. Wenn Anfang nächsten Jahres die Räume geöffnet werden. Morgens für die Oberstufe. Und am Nachmittag exklusiv auch für den Flügelverleih. Man darf gespannt sein. Wir sind es. Es gibt noch ein paar Lieferschwierigkeiten bei der Einrichtung. Aber an den Boards werden schon die ersten Lehrer geschult. Deshalb: Noch ein wenig Geduld.

Unser Nachmittagsfernsehen stößt auf großen Zuspruch. Faust-tivi. Wir bleiben dran. Das Film-Studio wird weiter dafür ausgebaut.

Und einbauen kann ich jetzt auch. Habe mal bei den Schülerbloggern nachgefragt. Für was haben wir die. :-) Danke an Felix für den Tipp.


01_Faust-tivi
von schmitzi2009

8. Dezember 2009

Zwei Jahre später einschulen

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 23:40

Ich muss noch schnell was von der letzten Woche nachlegen. Weil es mich einfach beschäftigt. Sie wissen ja. Diese Jungengeschichte lässt ich nicht los. Weil ich sie täglich vor Augen habe. (Und weil ich nebenbei auch Opa eines Enkels werde.) Jetzt hatten wir eine Anfrage von der PH Freiburg. Da gibt es ein Forschungsprojekt genau zu diesem Thema. Jungenproblematik. Sie können sich vorstellen, dass wir da sofort zugestimmt haben, mitzumachen. Man muss etwas tun.
Abiturienten1
Nur fällt mir im Moment noch nichts Besseres ein, als uns Männer zwei Jahre später einzuschulen. Dann würde das passen. Die Jungs mit 19 Abi, die Mädchen mit 17. Früher fiel dieser natürliche biologische Vorsprung der Frauen nie so ins Gewicht. Die Schulen waren enger geführt, die Jungs hatten weniger Chancen, sich davonzustehlen. Wenn die Lehrer etwas sagten, dann hatte das Bedeutung. Die Eltern waren meist der Meinung, der Lehrer würde es schon recht machen. Jetzt lässt man uns Männern in jungen Jahren richtige Entwicklungsspielräume – den Frauen in jungen Jahren natürlich auch. Einzelne Lehrerkonzepte werden in vielen Elternhäusern in Frage gestellt – und was passiert: Zusammen mit der digitalen Welt, die uns um ein Vielfaches mehr fasziniert als das weibliche Geschlecht, überleben wir Schule definitiv schlechter. Ich war gerade beim Media Markt, um eine Digitalkamera für den Flügelverleih zu kaufen: Männer, Männer, Männer. Wenn es um die neueste Technik geht, sind wir unschlagbar. Das war schon immer unsere Stärke. Doch jetzt macht sie uns im wirklichen Leben sehr verletzlich. Man bemerkt unsere wirklichen Stärken in der Schule nicht mehr, weil sie in einer anderen Welt auftauchen. Wir sind großartig, wenn wir über iPhone die neuesten Nachrichten abrufen sollen, wir Männer sind die wahren Natives der Digitalen Welt. Wir spielen an der Konsole alle anderen in Grund und Boden. In der normalen verbale Kommunikation sind wir aber noch schlechter geworden. Und an den Schulen verbietet man dann auch noch genau unsere Stärke. Lässt uns nicht hinein mit unserem Spielzeug. Handyverbot. Dabei müsste man für uns eigentlich Diktate nur noch mit dem Handy schreiben lassen. Man müsste vorschreiben, Romane am iPhone zu lesen. Man müsste nur mit interaktiven Medien Integrale lösen dürfen, Übersetzungen mit dem PC machen und Geographie sowieso nur am Laptop erledigen. Dann könnten wir wieder zeigen, wer wir eigentlich sind.
Wie ich jetzt drauf komme? Wir hatten Berufsberatung am Faust. Frau Anhalt machte das wie immer hochprofessionell. 25 Workshops für die G8er der Kursstufe 1. Workshops aus allen Fachbereichen, die sich Schüler gewünscht hatten. Da kamen wie in jedem Jahr Fachleute an die Schule. Einen Tag lang ist das Faust für die Kursstufe ein Fenster in die Berufswelt.
Und in den Gesprächen mit Fachleuten von der Uni tauchte die Jungsproblematik eben auch hier immer wieder auf. Nach G8 kommt Bachelor und so viele Jungs haben Probleme, zum Beispiel an der Uni einfach auf’s Sekretariat zu gehen, um etwas zu fragen. Sich zu organisieren. Sie versuchen lieber alles online zu regeln. Viele hinken hinterher. Kommunikation ist für Männer nicht immer so spaßig. Hilfe. Wir brauchen einfach mehr Zeit. Früher waren 10 Semester keine Diskussion. Auch nicht 12. Heute sind es schon 8. Und jetzt noch das achtjährige Gymnasium. Da wird es nochmals verkürzt. Bis wir richtig bei uns selbst angekommen sind , haben wir schon den Uniabschluss oder sind durchgefallen.
Wieder ein Grund mehr, im Flügelverleih auf Eigenständigkeit und Konzentration zu setzen. G8 ist kurz. In dieser Woche ist übrigens Texte rezitieren angesagt. Kleine Geschichten vortragen. Rethorik im Flügelverleih. Sicher heißt es am Ende auch wieder: „ab ins Filmstudio!“ Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt. Ich habe übrigens beschlossen, einen extra Blog speziell für Jungs aufzumachen. Das ist leichter als die Sache mit dem zwei Jahre später einschulen durchzuboxen. :-)

16. Dezember 2009

Von Ohms und Öhms

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 22:26

lust frust
Heute wurde der Öhmkalender 2010 im Flügelverleih vorgestellt. Also der Nachfolger vom Urpskalender. Sie verstehen nur Bahnhof? Der Urpskalender, den gibt es schon seit Jahren. Er wurde für die ersten G8 Faustschüler entwickelt, um ihnen mehr Professionalität von Lernprozessen näherzubringen. Hier das pdf zum Herunterladen. Manche kennen ja vielleicht auch den Urpskalender 2009, den wir im letzten Jahr herumgeschickt haben. 2010 heißt der Urps Öhm und anstatt dass ihm beim richtigen Umgang mit Schule und dem Leben der Kopf ausbeult, wachsen dem Öhm Flügel. Klar. „Dem Lernen Flügel verleihen“, das ist immerhin das Motto der Nachmittagsschule. Öhm’s Gegenspieler ist der Ohm. Der Öhm geht ungefähr so an die Sache ran: „Der wichtigste Lehrer bin ich selbst. Wenn ich wirklich will. Ich! Wirklich!!!! Dann versetze ich Berge. Egal wie ich meinen Lehrer finde. Der Öhm findet damit natürlich die meisten Lehrer völlig in Ordnung – im Gegensatz zum Ohm, der Lehrer prinzipiell schon mal blöd findet. Weil sie zu streng oder zu nachgiebig sind, zu schlecht bewerten, zu schlecht erklären, zu alt sind oder zu jung, zu laut oder zu leise reden, zu ungerecht sind oder zu pingelig…. Kurzum, der Ohm findet: Die Lehrer sind auf alle Fälle schuld.
Die Grundidee des Öhmkalenders: Jeder Ohm, dem natürlich nie Flügel wachsen können, kann durch bewusste Blickwinkelveränderung zum Öhm werden. Und: Der Öhm steckt in jedem von uns. Man muss ihn eigentlich „nur“ herauslassen.
Genau das „nur „ ist aber der Knackpunkt. Nicht jedem kann es so geschickt passieren wie den beiden Siebtklässlerinnen, die ihren Öhm eher zufällig frei ließen.
Ich habe diese alte Geschichte schon oft erzählt, aber sie verdeutlicht einfach gut, was wir meinen: Vor vielen Jahren in meiner Zeit als Vertrauenslehrer kamen zwei Siebtklässlerinnen mit einem Problem zu mir: Ihre Mathematiklehrerin ließ sie wohl links liegen, hatte Lieblingsschüler/innen und wie sich die beiden auch anstrengten: Es half nichts. Sie streckten und kamen einfach nie dran. Deshalb waren auch die Noten schlecht. So war ihr Bild. Also Handlungsbedarf für einen Vertrauenslehrer. Ich versprach, mit der Kollegin zu reden. Und vergaß es. Zwei Wochen später, ich hatte die Mädchen einbestellt, kamen sie wieder. Mir war es etwas peinlich, sagte erst einmal: „ Und, wie geht‘s?“ Die beiden erzählten begeistert: „Herr Bayer, man merkt einfach, dass Sie mit der Frau S. gesprochen haben. Jetzt ist alles in bester Ordnung. Wir haben auch schon beide eine gute Note geschrieben.“ Die Kollegin, die ich natürlich gleich darauf befragte, erzählte mir von einem erstaunlichen Wandel der beiden Schülerinnen. „Die machen plötzlich richtig gut mit und sind gar nicht mehr so abweisend.“ Es genügte schon, dass sie sich ernst genommen gefühlt haben. Die beiden haben übrigens ihr Matheabitur später sehr erfolgreich abgelegt.
Schon ein zufälliger Placebo kann also den Blickwinkel ändern, den Schalter umlegen und aus einem Ohm einen Öhm machen.
Übrigens: Diese Woche ist B-Woche mit kleinen Kurzfilmen. Unsere Schüler/innen sollen es schaffen, innerhalb von genau einer Minute: Eine Gruppe vorzustellen, ein kleines Interview umzusetzen oder, wie es die heutige Aufgabe war, einen kurzen Werbeclip zum Thema Ohm und Öhm zu drehen. Wir besitzen viele junge Kreativmenschen in unserem Flügelverleih.

p.s. Der Öhmkalender „erscheint“ noch vor Weihnachten, damit er für unter’n Baum ausgedruckt werden kann, falls er Sie überzeugt.
„Öhmt gut und good bye“ hat Frau Theisohn heute spontan zum Abschlussrunde gesungen.

19. Dezember 2009

Öhmkalender 2010 erschienen

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 17:07

öhmreihe1b
Geschafft: www.faust-verleiht-flugel.de
Das ist die Adresse, unter der wir ab heute die Homepage der Nachmittagsschule betreiben. Klicken Sie sich einmal rein, wir haben uns mit dem Design große Mühe gegeben und den Produktdesigner unseres Teams flügeleigene farbige Klekse entwickeln lassen. Dieser Blog bleibt Ihnen natürlich trotzdem erhalten. Unsere Homepage dient einfach einer besseren Gesamtübersicht und stellt eine zusätzlichen Dienstleistung aus dem Hause Flügelverleih dar. Man kann schneller Wocheninformationen aber u.a. auch Infos aus dem Hause Faust für Sie aufbereiten – für Neulinge ist dieser Informationszugang ebenfalls sinnvoller.
Wir haben Ihnen auf unserer Internetseite auch den versprochenen Öhmkalender 2010 zum Download eingestellt. Falls Sie die Weihnachtsferien nutzen wollen, sich über diese etwas ungewöhnliche, aber aus der Erfahrung mit den Urpskalendern für manche Schüler/innen sehr effektive Art mit Ernsthaftigkeit der eigenen Person und den eigenen Lernprozessen gegenüber auseinanderzusetzen.
Für manche Kinder des Flügelverleihs war schon schnell die Öhm-Idee klar, wurde umgehend in Werbung umgesetzt. „Yes, we öhm.“, war einer der Schlachtrufe, die entstanden sind. Aber ein paar Jungs meinten so ganz nebenbei: „Eigentlich ist der Ohm cooler.“
Ja, liebe Jungs. Das ist unser Männerproblem. Das steckt so tief in manchen drin. Als wäre es männlich, seine Fähigkeiten nicht zu entwickeln. Nur weil „nichts für die Schule tun“ irgendwie cooler zu sein scheint. Und weil wir möglichst cool sein müssen. Glauben wir zumindest. Hier bedarf es einer echten Revolte gegen diese Einstellung. Irgendjemand schiebt uns doch diese Meinung heimlich unter, damit wir am Ende doof dastehen. Männer – da ist eine echte Verschwörung im Gang. „Öhm ist cooler“. Das ist die Revoltebotschaft. Damit könnten wir es schaffen. :-)
Ihnen allen zusammen mit Ihren Jungs und Mädels: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Wünscht das Flügelverleihteam. Bis nächstes Jahr an dieser Stelle.

20. Dezember 2009

Faust Tivi: Katastrophen und andere Dinge

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 11:41

Nachfolgender Filmbeitrag kam gerade herein.
Ich muss gestehen, wir haben immer noch nicht die offizielle Dreherlaubnis von Ihnen als Eltern eingeholt. Spontaner Kindermund ist manchmal überraschend und frappierend. Wenn Sie also einmal Einwände haben, bitten wir Sie darum, uns umgehend zu informieren, falls wir Beiträge Ihrer Kinder aus dem Angebot nehmen sollen.


Faust tivi-Tagesschau 1
von schmitzi2009

27. Dezember 2009

Namensgebung: Ohm und Öhm

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 14:37

Der Öhmkalender hat noch ein Vorwort bekommen. Hier im Blog sollte es nicht fehlen, denn wer sich mit dem Kalender nicht beschäftigt hat, der denkt vielleicht, dass wir jetzt nur noch Kindergarten machen. Dabei steckt ein wirklich ernsthaftes Konzept dahinter. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Man kann einzelne Schüler/innen damit auf die richtige Spur setzen. Ein Versuch ist es also auf alle Fälle wert.
Vorwort:
Ohm, ist das nicht diese hochkomplizierte Einheit für den elektrischen Widerstand? R gleich U durch I.
Richtig. Widerstand. Den jeder kennt, der auch viel Gutes hat. Der einem einen Standpunkt verschafft. Ohne das Gefühl zu besitzen, auch im richtigen Moment dagegen halten, Widerstand leisten zu können – also ohne Selbstbewusstsein – lebt es sich nicht wirklich gut.
Schule rundum nur toll, toll, toll zu finden, das ist sicher kein Ziel. Der gewisse Widerstand ist ziemlich gesund. Dass wir Menschen uns einer solch langen Ausbildung unterziehen müssen, um unsere hochtechnisierte Gesellschaft am Leben zu erhalten, da war von der Natur ursprünglich wohl nicht so vorgesehen.
Einst waren wir Jäger und Sammler und unser Wissen bekamen wir direkt erzählt. Von Vater oder Mutter, vom Stammesältesten oder einer weisen Frau. Seither hat sich viel getan. Zwölf Jahre bis zum Abitur, dann noch einmal vier bis sechs Jahre Berufsausbildung. Bis zum Beispiel der moderne Sammler in Form eines Börsenspezialisten sammeln kann. Das Beispiel ist vielleicht ein wenig schief, sind doch die Börsensammler im zu Ende gehenden Jahrzehnt in Verruf geraten. Aber ich denke, man versteht, was ich meine: Moderne Gesellschaft mit iPhone, Solarzellen und Scype ist nicht mehr zu haben mit der „Erzähl doch mal“ Ausbildung unserer Urahnen.
Trotzdem, der Urahn in uns rebelliert natürlich bei Vokabeltests und schwierigen Fragen in der Physikarbeit. Da will er lieber hinaus in die Savanne, mit Speer bewaffnet und ein Mittagessen jagen. Aber ganz zurück in die Savanne, das will natürlich in Wirklichkeit keiner.
Zurück zur Namensgebung.
Ein bißchen Ohm muss sein! Zum Beispiel Glühbirnen. Die 100 Watt Glühbirne besitzt einen Widerstand von etwa 500 Ohm, eine 20 Watt Birne von 2500 Ohm. Eine 1000 Watt Birne brennt mit 50 Ohm. Gar kein Widerstand ist ein Kurzschluss, das macht wenig Sinn. Ein unendlich großer Widerstand nennt man Unterbrechung des Stromkreises, das macht ebensowenig Sinn. Bei ganz viel Ohm tut sich also nichts mehr.
Im Kopf zu vieler Schüler wird der Widerstand aber so hoch geschraubt, dass der Stromkreis unterbrochen ist. Das fühlt sich häufig sogar gut an, weil der Urahn in uns jubelt. Der findet das cool. Raus in die Savanne. Den Stromkreis unterbrechen.
In unserem Öhmkalender symbolisiert der Ohm den Urahn, der Öhm den modernen Menschen. Ein richtiger Öhm ist übrigens kein Streber, denn er trägt immer noch den angemessenen Ohmanteil in sich. Öhm sein heißt also nicht Kurzschluss. Öhm sein heißt, das richtige Verhältnis zu finden zwischen Stromfluss und Widerstand.
Damit die Lampe normal hell leuchtet und nicht nur funzelt oder ganz ausgeht. Gleißend hell ist auch nicht angesagt.
Da viele Schüler – speziell männliche – den modernen Öhm schon als Streber ansehen, haben sie ein echtes Problem. Denn Streber sein ist natürlich uncool. Uncool, das schreibt der Urahn vor, geht gar nicht. Deshalb oft Widerstand bis zum Abwinken. Voll-Ohm. Damit schadet man sich natürlich nur selbst. Denn die Jobs in der Savanne sind rar geworden. Die Öhms haben die besseren Startchancen.
Deshalb unser Tipp an alle jungen Öhmkalenderbenutzer: “Vergiss den Streber, nimm lieber den Öhm. Selbstbewusst, positiv, lebensprall. Sag dem Urahn in dir, dass er ein Auslaufmodell ist. Werde Öhm. Es lohnt sich. Das Leben wird leichter.”
Ja klar, ich bin auch Physiklehrer. :-)
www.faust-verleiht-fluegel.de – dort gibt es den Öhmkalender zum Nulltarif.
p.s. Der Schülerblog lohnt sich zu klicken. Filme aus Frankreich vom Feinsten. Unter Links. Da gibt es auch schon den ersten Artikel in dem angekündigten Männerrevolte-Blog für Schüler (männlich). Aber dazu später mehr.

31. Dezember 2009

Silvesteransprache

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 18:25

Rückblick und Ausblick

Da kommen seit September fast 100 zukünftige Staatsanwälte, Medizinerinnen und Journalisten, Solartechniker, Schauspieler und Lehrerinnen, Maschinenbauer, Betriebswirtinnen und Architekten usw. mehrmals in der Woche am Nachmittag an einen Ort, der einen ungewöhnlichen Verleih versucht – den Verleih von Flügeln. Dem Lernen Flügel verleihen – heißt unsere Vorstellung. Nun ist Lernen ein Prozess, der in unserem Gehirn stattfindet. 2 % unserer Körpermasse, aber 20 % unseres Energieverbrauchs… Ein Turbogerät, das enorm viel leisten kann. Man weiß schon viel darüber, jeden Monat melden die Hirnforscher neues, doch noch immer befindet man sich ganz am Anfang. Nur eines steht fest: dieses Turbogerät kann man vollkommen falsch bedienen. Dann ist Frust angesagt und Stress in den Familien. Deshalb setzt der Flügelverleih neben dem konsequenten, eigenständigen Hausaufgaben erledigen auf ein zweites Standbein: möglichst viele Bereiche abzuklappern, die dem Lernen von einer anderen Seite Unterstützung bringen können. Von der Natur sind wir für 12 Jahre „in der Schule lernen“ und dann noch einmal 4-6 Jahre „für den Beruf lernen“ nicht wirklich gut ausgestattet. Trotzdem müssen wir immer besser werden. Wer will schon in 30 Jahren in einem Bildungs-Entwicklungsland leben. Für die Chinesen T-Shirts zu nähen, weil man hier billiger produzieren kann, das sollten wir noch ein Weilchen auf die lange Bank schieben. Dazu muss dem Lernen unserer zukünftigen Wissenschaftlerinnen und Forscher, Unternehmerinnen und Politiker Flügel verliehen werden.
Die Zahl der Firmengründungen ist auf einem historischen Tiefststand angekommen. Speziell im Bereich der Hochtechnologie fehlt der unternehmerische Nachwuchs. Der Zwang, die Strenge, die Unnachgiebigkeit, die Enge von Schule gibt es nicht mehr. Schüler selbst empfinden das natürlich anders, aber sie haben keinen Vergleich. Problem für viele, die ohne Zwang nicht so leicht lernen. Also müssen neue Methoden her. Lernen ist kein Selbstzweck. Es dient einem selbst, aber auch der Allgemeinheit. Es werden bald Fachleute fehlen, die gut ausgebildet sind, sagen die Experten. Diese Fachleute sitzen jetzt zum Beispiel in der fünften und sechsten Klasse und wissen noch gar nicht, welche gesellschaftliche Verantwortung auf ihnen lastet. Dies sollte auch nicht belasten, wir müssen den jungen Leuten aber die Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit klarmachen. Klarmachen, dass moderne Schule auf Eigenständigkeit setzt, weil nur Eigenständigkeit in der modernen Welt Zukunft hat. Die Zeit der Untertanen ist vorbei – Gott sei Dank – aber die Probleme der neuen Pädagogik sind enorm – zumindest für so manchen Schüler. Sie kennen mein Spezialgebiet. Ich werde es jetzt verlagern. Wie angekündigt habe ich speziell für die Jungs einen eigenen Blog eröffnet. Ich weiß aus der Praxis, dass für manchen jungen Mann dieser Ansatz der Selbstreflexion der richtige Ansatz ist. Der richtige Ansatz, um den Schalter umzulegen oder umgelegt zu lassen und Schule als ernsthafte Angelegenheit für die Gesellschaft und speziell für sich zu begreifen. www.maennerrevolte.de ist der Ort, an den Sie Ihren Sohn etwa einmal in der Woche „schleppen“ könnten – vielleicht bleibt er irgendwann freiwillig. Ein Versuch ist es immerhin wert. Vielleicht gehört er ja genau zu denen, die über die eigene Reflexion lernen, richtig zu lernen. Denn über die eigene Reflexion lernen, richtig zu lernen, ist der einzige Weg, der Stabilität gewährleistet. Lesen Sie demnächst einmal spaßeshalber im Männerrevolteblog die Antworten von Sechstklässlern und Sechstklässlerinnen, die ich gefragt hatte, warum sie meinen, dass das Abitur immer frauenlastiger werden würde. Dann wissen Sie, warum wir im Flügelverleih auf Ernsthaftigkeit in allen Bereichen setzen. Da ist richtig Not am Mann.

Die Entwicklung im Flügelverleih.
Ein paar wenige Kinder wurden wieder abgemeldet, weil es bei ihnen nicht so richtig geklappt hat, ihre Hausaufgaben unter den natürlich trotz Flüsterzeit ein wenig unruhigeren Bedingungen als zuhause zu bewerkstelligen. Das ist kein Beinbruch. Nachmittagsschule am Faust ist nur ein Weg. Es kamen im Gegenzug auch Kinder hinzu, die diese Möglichkeit des gemeinsamen Arbeitens für sich interessant und spannend fanden.

2010 hoffen wir natürlich, uns noch weiter verbessern zu können. Am 14. Januar wird zum Beispiel ein pädagogischer Abend für unsere Coachs stattfinden. Wir werden Probleme besprechen, Tipps austauschen und die Hintergründe und Grundideen des Flügelverleihs weiter vertiefen.

Alles in allem sind wir mit dem Start 2009 in die zweite Runde der Nachmittagsschule sehr zufrieden und setzen auf ein sich positiv weiterentwickelndes 2010. Es wäre schön, wenn Sie irgendwann Zeit und Muße hätten, einen kleinen Kommentar von Elternseite an nachmittag.am.faust@googlemail.com zu schicken, den wir dafür verwenden könnten, nach außen den Flügelverleih zu stärken. Dass die Zuschüsse für die Nachmittagsschule und die Deputatszuweisungen so erhalten bleiben können wie zur Zeit. Bald sind Landtagswahlen. Wir müssen vorbauen, denn wir finden: es wäre sehr schade um unser Konzept, wenn es durch Sparen irgendwann nicht mehr möglich wäre. Was finden Sie?
Übrigens sind wir natürlich auch Kritiken gegenüber vollkommen offen. Und sind für Tipps dankbar. Wenn Sie welche haben, schicken Sie sie doch einfach bis zum 14. Januar an uns. Dann könnten wir sie in unserer internen Fortbildung gleich mitdiskutieren.

Ihnen und Ihren Familien
wünscht das Flügelverleih-Team am Faust nun einfach
einen guten Rutsch ins neue Jahrzehnt und Ihren Kindern weiterhin eine erfolgreiche und befriedigende Schulzeit.

8. Januar 2010

Flügelverleiher bereitet sich massiv auf Nachmittagsschule vor.

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 21:43

Mail von Pädagogikchefin Theisohn an Bayer, Illner, Thatenhorst und Zürn: “Jungs, habt ihr noch alte Krawatten im Schrank? Die Jungs aus dem Flügelverleih sollten das lernen. In der nächsten A-Woche…. Also gleich nach den Ferien! Gruß…”
Sie sehen, bei uns tut sich schon richtig was, trotz Schneewochenende. :-) Das Schneewochenende, das dürfen Sie gerne unseren jungen Flügelmenschen von uns Flügelverleihern ausrichten, wäre übrigens unserer Meinung nach, und die hat Hand und Fuß, wunderbar dazu geeignet, sich z.B. mal eine heiße Schokolade zu bereiten, die Schulbücher und Hefte der nächsten Woche in Ruhe und ganz entspannt aus dem Ranzen oder Regal zu nehmen und wie in einem spannenden Krimi darin zu schmökern. Um das Gehirn langsam warmlaufen zu lassen, damit es gleich von Anfang an 2010 ganz vorne auf der Welle steht. Das fände so ein Gehirn total cool. Sie sollen doch einmal mit dem Gehirn Kontakt aufnehmen.Vorne auf der Welle zu stehen wäre im Übrigen spannender als jeder Krimi. :-) Sagen Sie ruhig, wir Flügelverleiher würden uns das mit dem schon mal Schule schmökern und perfekt den Ranzen packen ganz doll von ihnen wünschen. Sie dürfen es, wenn sie es nicht für sich tun wollen, gerne einfach auch für uns machen. Vielleicht geht es dann leichter. :-)

15. Januar 2010

Pädagogische Abend

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 11:06

Unglaublich, wie viel Überzeugendes man aus dem Pädagogenmund von Neunt- bis 13.klässler/innen alles hören kann, wenn Schüler/innen zu Kolleg/innen werden, mit denen man ein gemeinsames Ziel verfolgt. Dann ändern sich Blickwinkel.

Der pädagogische Abend war für mich mal wieder sensationell. Mit Leuten zusammenzusitzen, die zum Teil meinen Job machen werden, wenn ich als Pensionär meine nächste Jugend entwickle, das war wie immer hochspannend für einen Altgedienten.

Es ist auch für uns Lehrer ein richtig guter Blickwinkel, wenn man Schüler/innen auf gleicher Augenhöhe gegenübersitzt und aus ihrer Coachsicht unser Konzept erzählt bekommt. Veronika Lévesque von der Bildungsstelle Baselland war extra angereist, um den Abend wie im letzten Jahr zu moderieren. Tausend Dank an dieser Stelle. Sie war vor vielen Jahren übrigens selbst einmal Faust-Schülerin. „Critical friend“ war in diesem Jahr ihre Rolle. Jemand von außen sieht und hört andere Dinge. Im eingefahrenen Team ist man doch manchmal betriebsblind. Es gab das Plenum, aber es gab auch die einzelnen Klassenkonferenzen. Coachs einer Lerngruppe besprachen jeden einzelnen betreuten Schüler, um dann zu den Halbjahresinformationen eine ganz andere Art der Rückmeldung an ihre Schüler geben zu können. Konzentration, soziales Verhalten, Lerneinsatz, Ordentlichkeit, Ausdauer …

Wir haben uns bei dieser Veranstaltung viele Anstöße für unser Konzept erarbeitet.

Aus der Sicht vieler Teilnehmer, die ich gehört habe, ein voller Erfolg.

Diese Woche war in der nachmittagsschule übrigens die Woche der Krawatten und Fäden. Ich denke, unsere Flügelkinder haben ihre Erfolge beim Krawattenbinden erzählt. Nach getaner Arbeit die Feinmotorik durch Fädenknüpfen und Spezialknoten zu verbessern, war das A-Wochen Thema neben dem kontinuierlichen Jonglagekurs von Herrn Zürn.

Hier noch ein Gruppenphoto der Teilnehmer/innen des Abends

23. Januar 2010

Flügelverleih-Halbjahresinformationen

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 00:50

 „Tragt in die Kategorien jeweils die Zahl ein, auf die ihr euch anhand der Skala geeinigt habt (0 = wenig; 10 = viel)“, das war die Aufgabenstellung für die Lerncoachteams der einzelnen Lerngruppen in der Nachmittagsschule am Pädagogischen Abend. Eine spannende Sache, wenn Schüleraugen das Lernverhalten jüngerer Schüler analysieren. Da sich Coachs verschiedener Nachmittage einigen mussten, war es auch immer eine Mehrheitsentscheidung. Wie Sie in der unteren Grafik sehen können, ist die Verteilung der Punkte aller Schüler/innen eindeutig im positiven Bereich. Das entspricht unserer direkten Erfahrung. Die meisten unserer Schüler/innen im Flügelverleih machen einen richtig guten Job. „Zuverlässigkeit und Ordentlichkeit“, das waren die Fragen nach: Werden die Hausaufgaben im grünen Bereich selbstständig, konzentriert und ordentlich erledigt?  „Verhalten den Coachs gegenüber und die Fähigkeit, sich an Regeln zu halten“, das war die Frage danach, wie sich Schüler/innen innerhalb einer größeren Gruppe verhalten. Die Nachmittagsschule hat hier mit denselben Unterschieden umzugehen wie die normale Schule. Auch bei uns gibt es einige Schüler, bei denen Dauerspäßchen angesagt sind. Der Gehirnforscher  Gerald Hüther würde es vielleicht so beschreiben: „Kinder und Jugendliche suchen sich selbst Aufgaben, an denen sie über sich hinauswachsen können.“ An Hausaufgaben kann aber niemand über sich hinauswachsen. An der Aufgabe, wie kann ich Coachs möglichst viel herausfordern, schon. Da sind Coachs mit Lehrern austauschbar. Deshalb haben auch manche Schüler ihre Probleme mit klaren Coachentscheidungen, dass sie z.B. auseinandergesetzt werden, weil sie mit ihren Hausaufgaben nicht vorwärts kommen und weil sie durch ihre Späßchen andere ablenken. Die Reaktionen sind mit den Reaktionen aus der Schule zu vergleichen. Dann ist so ein Coach einfach schnell mal doof. „Der nimmt einem den Spaßfaktor weg. Man darf nicht mehr über sich hinauswachsen.“

Wir wollen im Flügelverleih natürlich, dass das Hinauswachsen nach der notwendigen Pflichtübung passiert. Hausaufgaben zuverlässig, konzentriert und ordentlich gemacht, damit die Lehrer und die Eltern zufrieden sind. Außerdem machen Hausaufgaben einfach Sinn. Auch wenn sie nicht zum über-sich-hinauswachsen” sind. Das über-sich-hinauswachsen können folgt ja dann im kreativen Teil danach. In dieser Woche – B-Woche in Form einer Journalismus-Woche mit dem Ziel einer eigenen Flügelverleihzeitung. Zukünftige potenzielle Journalisten sollten sich einmal Gedanken machen, wie eine eigene Onlinezeitung handgeschrieben aussehen könnte. Fotografen durften sich über die Bildgestaltung Gedanken machen … nach der Pflichtübung ist für uns die Möglichkeit, sich zu beweisen, was alles geht. Ob man zwei, drei oder vier Bälle jonglieren kann, ob man Zungenbrechersätze abspulen kann oder Spontannachrichten sprechen – da lässt sich produktiv Kreativität einsetzen. Über sich hinauswachsen angesagt. Um damit auch gleich dem Lernen Flügel zu verleihen. Dahin sollten möglichst alle kommen.

Wir werden in diesem Jahr also „Flügelverleihhalbjahresinformationen“ ausgeben. Und am Elternsprechtag den Eltern wahrscheinlich die Möglichkeit geben, von Coachs selbst zu erfahren, wie das Hausaufgaben – Arbeitsverhalten außerhalb des eigenen Kinderzimmers einzuschätzen ist. Die Coachs besitzen immerhin sehr viel eigene Erfahrung als Schüler, beobachten sehr genau und sind altersmäßig viel näher dran als Lehrer. Man darf gespannt sein.

Die Halbjahresinformationen werden vielleicht so aussehen, wie auf dem unteren Bild. Klicken Sie drauf, dann wird es groß.

Wir arbeiten noch dran.

30. Januar 2010

Flügelverleihzeugnisse die Zweite

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 11:28

Die Spezialzeugnisse sind geschrieben, wir sind gespannt, wie Sie die Erfahrungen unserer Coachs am Elternsprechtag empfinden. Man kann beim ganz normalen Online Anmeldeverfahren auch eine Unterredung mit den zuständigen Coachs buchen. Eine echte „Erstaufführung“. Während ihre eigenen Eltern sich von Lehrern beraten lassen, beraten sie selbst Eltern jüngerer Schüler. Unsere Bitte: Seien Sie sehr offen, hören Sie zu und wenn Sie Wünsche äußern wollen, auf was die Coachs bei Ihrem Kind vielleicht noch mehr achten sollen, dann tun sie das. Die Coachs haben eine andere Sichtweise, sind keine Lehrer, aber erleben Ihre Kinder sehr individuell und intensiv in einem Lernprozess, der wegen der Arbeit in einer Gruppe gut mit dem schulischen Verhalten verglichen werden kann. Zu Hause ohne Ablenkungsmöglichkeiten ist dieses Verhalten nie zu beobachten.

Auf allen Flügelverleih-Zeugnissen stehen auf der Rückseite ein paar erläuternde Worte. Sie seien hier schon einmal abgedruckt.

Erläuterungen zum Flügelverleih-Spezial-Zeugnis

Wir haben an einem pädagogischen Abend alle deine Coachs zu einer Fachkonferenz zusammengesetzt, sie haben sich Gedanken gemacht und Bewertungen zu deiner Arbeitsweise in der Nachmittagsschule angegeben.

Die Leitfragen zu den einzelnen Kategorien lauteten:

Zuverlässigkeit: Bist du regelmäßig anwesend? Bist du pünktlich? Hast du immer deine Sachen dabei? Führst du ein Hausaufgabenheft?

Ordentlichkeit: Wie ist deine Heftführung? Wie sieht der Schulranzen aus? Wie sieht dein Arbeitstisch aus? Räumst du deinen Platz nach den Hausaufgaben auf? Kannst du die Reihenfolge der Hausaufgaben strukturieren?

Verhalten den Coachs gegenüber: Verhältst du dich respektvoll? Holst du dir Hilfe, wenn du nicht weiterkommst? Kannst du alleine arbeiten?

Fähigkeiten, sich an Regeln zu halten: Hältst du dich an die Drei Minuten Regel? Flüsterst du? Hörst du auf die Ansagen der Coachs? Hörst du auf die Ansagen der Lehrer?

Kreativität: Kannst du dich gut beschäftigen, wenn du keine oder wenige Hausaufgaben hast? Wie leicht tust du dich mit Zusatzangeboten? Hast du sonst besondere Fähigkeiten ( sportlich, künstlerisch, witzige,…) die in der Nachmittagsschule zu Tragen kommen?

Wir haben diese Kategorien gewählt, weil wir glauben, dass z.B. ein Abschneiden im grünen Bereich dir auch wichtige Aussagen über deine Lernleistungen in der Schule selbst machen können. Gerade weil hier deine Lerncoachs, also Schüler/innen wie du, nur älter, ein Urteil abgeben, die selbst noch im schulischen Lernprozess stecken, solltest du besonders Wert auf diese Aussagen legen.

Wir haben Kategorien gewählt, die du aus den Noten der Halbjahresinformationen nicht direkt herauslesen kannst, die aber eine wichtige Grundlage für deinen schulischen Erfolg darstellen. Wo du dich im grünen Bereich befindest: Gratulation. Wo du außerhalb liegst: Arbeite dran. Wenn du erst in zwei Jahren merkst, dass z.B. mangelnde Strukturierungsfähigkeit dir viele Wissenslücken beschert hat, dann ist es schwer, das noch zurecht zu biegen. Wenn du aber jetzt schon weißt, wo deine Schwächen liegen, dann kannst du frühzeitig daran arbeiten und deine Schulzeit zu einer angenehmen und entspannten Zeit gestalten und gleichzeitig deinem Selbstbewusstsein einen riesigen Dienst erweisen. Und damit dir selbst.

Noch sind mangelnde Strukturen und fehlende Konzentration manchmal noch ganz witzig und schlagen sich noch nicht sofort in schlechten Noten nieder. Das ändert sich aber mit der Zeit und dem Selbstbewusstsein tut dies gar nicht gut. Übrigens noch weit über die Schule hinaus. Das sollte man sich nicht antun. Da sollte man gegensteuern. In der Nachmittagsschule hast du das perfekte Übungsfeld. Nutze es.

                                                                                    Dein Flügelverleihteam

5. Februar 2010

Halbjahresinformationen im Ranzen

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 15:26

Jetzt wäre es an der Zeit, dass man jedem Schüler einen kleinen Assistenten an die Hand geben sollte, der ihn nach Haus begleitet, damit in den Familien mit den Halbjahreinformationen professionell umgegangen wird. Dazu würde gehören, dass der Assistent, bevor Eltern das Halbjahreszeugnis ansehen, erst einmal die Bedeutung der Halbjahresinformationen erklären. Erklären, dass es Wegweiser sind, keine Noten.

Eine 2/3 eine klare Aufforderung: „Nicht aufgeben, dann steht am Ende des Schuljahres die 2.“

Oder 3+: „Dieses Befriedigend hat einen Hauch von 2. Also bloß nicht aufgeben. Auch nächstes Jahr ist Zeit, vielleicht die Zwei zu erreichen. Aber die Drei gehört natürlich zu den Noten im grünen Bereich. Damit kann man auch bis zum Abitur stressfrei wandeln. Eine Drei gilt es unbedingt zu halten.“

3 – 4 meint : „Komm’ bitte raus aus der Gefahrenzone. Arbeite dich hinein in den grünen Bereich. Bloß nicht meinen, da wäre die Fünf ja noch in weiter Ferne.“ Speziell in den unteren Klassen werden die Noten noch sehr sanft vergeben. Sonst wäre der Schock, den Schüler bekommen, die in der Grundschule Gute-Noten-verwöhnt waren, zu groß. 3-4 in der 5. Klasse heißt deshalb: Aufpassen, nachlegen, genau hinsehen, woher diese Note kommt. Flügelverleihbesucher können auch das Flügelverleihzeugnis zu Rate ziehen, ob man dort Hinweise im Arbeitsverhalten findet. Und dann: Dran arbeiten, nicht den Kopf in den Sand und sich trösten, dass 3 – 4 ja noch weit weg von der 5 ist. 3 – 4 bedeutet in der 5. Klasse einfach schon zuviel Löcher. Grundlagenlöcher. Die man sonst später stopfen muss, um erfolgreich und ohne zuviel Druck arbeiten zu können.

2, 1 – 2,   1   heißt: „Na klar: Einfach freuen. Logisch. Auch wenn Noten niemals den wirklichen Leistungsstand angeben können, weil der nicht messbar ist. Die satt grünen Noten sind Balsam für die Seele und für’s Selbstbewusstsein. Also her damit.“

Der Assistent würde den Notenempfängern samt Eltern auch klar signalisieren: Nicht so prickelnde Noten sind kein Ausdruck von tatsächlichen Leistungsmöglichkeiten. Und niemals Grund, am Wichtigsten zu kratzen, am Selbstwertgefühl. Das ist die größte Schwierigkeit. Dass die Halbjahresinformationen nur als Wegweiser benutzt und bloß nie persönlich genommen werden dürften.

Vielleicht hilft ja genau jetzt ein kleiner Ausflug ins “pädagogische Schweizermesser”. Zwei Seiten pdf, die den Blick auf Noten ein wenig zurechtrücken können, haben wir auf http://www.faust-verleiht-fluegel.de/ zum Download bereitgestellt.

Auf alle Fälle gilt eines: Die eigenen Zeugnisse von damals herausholen und richtig anschauen hilft Eltern oft richtig gut, Noten zu relativieren. Damit der Familienfrieden nicht gefährdet wird. Das sollten Noten nicht schaffen. Hätte man Methoden herausgefunden, wie die Mehrheit von uns Menschen ohne den Druck von Noten bis zum Abitur sich die notwendigen Grundlagen erarbeiten würde, es gäbe sie schon lange nicht mehr. Aber wir brauchen die Noten als Hilfsmittel, um uns der von der Natur nicht angelegte Fähigkeit zu unterziehen, „freiwillig“ 12 Jahre lang zum Lernen von Dingen zu gehen, die wir freiwillig ohne Noten niemals in dieser Ausführlichkeit lernen würden. Und warum: Um unsere hochentwickelte Gesellschaft nicht abstürzen zu lassen. Die jungen Köpfe sind unsere einzige Rückversicherung dafür.

13. Februar 2010

Diskussionsfutter für die unterrichtsfreie Woche

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 09:07

Entschuldigung, der Artikel hatte sich versteckt. Da habe ich wohl letzte Woche in Vorfreude auf das Opa-werden beim Artikel hochladen geschlafen. Jetzt bin ich übrigens einer. :-)

Was war eigentlich Thema im Flügelverleih? Eigene Bedürfnisse formulieren und begreifen. Ja, das war das Thema der vorletzten Woche. Grundbedürfniswoche. Die zentrale Idee ist immer folgende: Persönlichkeitsentwicklung ist nicht eindimensional. Dieses tägliche In-die-Schule-gehen, Hausaufgaben machen, Lernen – damit einmal-was-aus-einem-wird ist eingebettet in eine Persönlichkeitsstruktur, die für jede und jeden ganz eigen ist. 17dimensional. Die Entwicklungsspanne, sagen Psychologen, die wir am Ende der Grundschule antreffen, beträgt 4 Jahre. In Worten: Vier Jahre. Nicht das Selbstbewusstsein zu verlieren, weil man im Moment noch nicht die Chance hat, ganz locker mitzuschwimmen, weil die eigene Entwicklungsuhr leider etwas nachgeht, das ist eine echte Aufgabe. Was bei individuellem Lernen und dem Wissen über natürliche Entwicklungsdifferenzen eigentlich prinzipiell kein Problem sein müsste. In den gängigen Schulstrukturen aber schon. Niemand denkt darüber nach, unterschiedliche Noten für 14 Fehler im Diktat zu geben – je nach Persönlichkeitsentwicklungsstand. Geht ja auch praktisch nicht. Wer will schon den Entwicklungsstand so genau ermitteln. In Klassen mit 33 Schülern. Aber man sollte es als Idee mit sich tragen, wenn man sich in der 6. Klasse etwa Sorgen macht, ob sein Sohn, der sich in Mathe ungeheuer mühen muss, um eine Drei zu erreichen, denn später trotzdem einmal Matheprofessor werden könnte. Die Antwort: “Klar doch!” Bis zum Professor ist noch ein riesig weiter Weg. Im Flügelverleih versuchen wir mit unseren verschiedensten Ansätzen, neben den erforderlichen Hausaufgaben über den Tellerrand hinauszublicken, die eigene Entwicklung als wesentlich vielfältiger zu begreifen.

Klasse 5 und 6 sind hier entwicklungspsychologisch für die meisten noch der Grundschule zuzuordnen. Die immer wieder erzählte Aussage, das Gymnasium würde die Freude am Lernen abgewöhnen, lenkt den Blick in die falsche Richtung. Es geht darum, den Kindern früh Laufen beizubringen, sich selbst einschätzen zu lernen. Damit sie als junge Erwachsene, und das sind sie eben schon sehr bald, sicher auf beiden Beinen stehen können. Damit sie mit 14, 15 Jahren, einer Zeit, in der sie biologisch gesehen erwachsen sind, sich trotzdem noch positiv dem Lernprozess unterziehen können. Prof. Ralph Dawirs, Forschungsleiter der Kinder- und Jugendabteilung für psychische Gesundheit am Uniklinikum Erlangen, schreibt in einem Interview: “Eltern sind noch nicht so lange in der Lage, die Pubertät der eigenen Kinder bewusst zu erleben. Während der längsten Zeit der Menschheitsgeschichte war es so, dass diese Phase, in der Kinder Geschlechtsreife erlangen, auch die Zeit des Generationswechsels war. Die Lebenserwartung war beispielsweise bis zum 17./18. Jahrhundert und noch im 19. Jahrhundert viel niedriger als im 20. oder gar im 21. Jahrhundert. In dem Alter, wo die eigenen Kinder in die Pubertät kamen, traten damals die Alten ab, waren gebrechlich, krank und starben häufig bereits mit 30 Jahren…….. Seit 10 Generationen hat sich die Lebenserwartung fast verdreifacht. Die älteren Erwachsenen sind noch lange aktiv. Die Jungen können deshalb ihre Potenziale nicht richtig ausagieren. Das ist dramatisch. Das heißt, die Pubertät entwickelt sich vor dem Hintergrund vitaler Eltern, die dem Nachwuchs nicht Platz machen wollen und können…..“  Interessante Sichtweise. Man sollte sich dies immer mal wieder vergegenwärtigen, wenn man junge Menschen beurteilt. Ernst nehmen, unterstützen, wertschätzen, respektieren. Das sollten ältere Erwachsene mit jungen Erwachsenen tun, deren wichtiges Aufgabenfeld Schule biologisch gesehen gar nicht so stimmig hinein passt. Wenn man dies weiß, kann man leichter unterstützen. Denn bis die Evolution biologisch nachgerüstet hat, sollte man die Zivilisation trotzdem am Laufen halten. :-)

Wenn Ihnen in der unterrichtsfreien Woche der Diskussionsstoff ausgeht, das nachfolgende Bild wäre vielleicht was dafür.

Auf Mausklick wird das Bild groß.

18. Februar 2010

Wie viel Schuld hat man als Lehrer?

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 23:34

Schon wieder ein tödlicher Anschlag auf einen Lehrer. Diesmal in Ludwigshafen. Traurige Entwicklung. Ich denke dabei immer, wie unglaublich in dieser Zeit die Anforderungen an unseren Berufsstand sind. Für so viele junge Menschen sind einfach die Lehrer schuld, wenn die Noten schlecht sind. Scheinbar klare Sache: Die geben diese Noten ja  auch. Zitat: „Der leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig gab auf einer Pressekonferenz bekannt, dass der aus Ludwigshafen stammende Täter als Motiv nannte, als ehemaliger Schüler wütend auf sein Opfer gewesen zu sein, weil dieser ihm schlechte Zensuren gegeben habe.“ Schlechte Noten – ein Mordmotiv. Schon klar. In dieser extremen Auswirkung ein Einzelfall. Aber es liegt im Trend.

Zum Beispiel das „Das Lehrerhasserbuch“ von Lotte Kühn. Es wurde ein Bestseller. Untertitel: „Eine Mutter rechnet ab.“  - „Ein furioses Buch- der Spiegel“ steht auf dem Umschlag. Auch hier sind einfach mehr oder weniger die Lehrer schuld. Die Kinder werden schlicht als wesentliche Personen ausgeklammert. Nur als Leidtragende geführt. Nicht als wichtige Personen im Lernprozess ernst genommen. Mit dem falschen Verständnis von jungen Menschen in die falsche Richtung geschossen. Und die Leser applaudieren. Beim Lesen war ich oft peinlich berührt, wie plump diese Mutter sich ihren Frust von der Seele schreibt. „Der Stammtisch schreibt heute eben auch Bücher“ könnte man das ja abtun, wenn der Trend nicht so eindeutig wäre. Wer weiß, wie Kinder heute in der Schule sind, schmunzelt bei der Vorstellung, diese Mutter müsste unsere Arbeit machen. Wer solche Anforderungen stellt, darf bitte nie Lehrer werden. Aber das Buch funktioniert. Leider. Und die Leidtragenden sind die Kinder selbst. Weil diese oft viel zu wenig daran glauben lernen, dass sie selbst die wichtigsten Lehrer sind. Wer zu Hause als Vater oder Mutter die grundsätzliche Sichtweise von „da ist doch sicher der Lehrer ist schuld“ einnimmt, der meint wahrscheinlich, er würde den Kindern Stärke geben. Da kann ich aus der Erfahrungssicht eines 30jährigen Praktikers nur sagen: Man stiehlt seinem Kind hier nur die Eigenverantwortung. Und gibt ihm die Schwäche des scheinbaren Opfers.

Wenn man echte Probleme sieht, dann gehen professionelle Eltern direkt in die Schule, klären schwierige Sachverhalte vor Ort und schimpfen nicht zu Hause über Lehrer. Wer dies durchhält, der verbessert die Abitursnote seines Kindes garantiert um einige Zehntel. Egal wie unfähig manche von uns Lehrern in seinen Augen sein mögen.

Die Qualität von Lehrern, Psychologen, Rechtsanwälten, Ärzten, Installateuren oder Journalisten sollten wir an anderer Stelle diskutieren. Den Lehrerberuf glauben eben die meisten Menschen zu kennen, weil sie selbst 10 bis 13 Jahre Schüler waren. Übrigens ein fundamentaler Irrtum. Aber da reden wir jetzt nicht drüber, sonst wird der Blogartikel zu lang.

Liebe Leser und Eltern. Ich würde im Sinne ihrer Kinder lieber auf die Kinder selbst setzen. Das ist eine wesentlich erfolgreichere Strategie, als Lehrer zu hassen.

Ich habe vor einiger Zeit eine für mich persönlich in vielen Situationen sehr wichtige Philosophie einmal auf so einen Schüleralltag umgeschrieben.

Zuerst das Original

 Autobiographie in fünf Kapiteln

Ich gehe die Straße entlang

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig

Ich falle hinein

Ich bin verloren … Ich bin ohne Hoffnung

Es ist nicht meine Schuld

Es dauert endlos, wieder herauszukommen

Ich gehe dieselbe Straße entlang

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig

Ich tue so, als sähe ich es nicht

Ich falle wieder hinein

Ich kann nicht glauben,  schon wieder am gleichen Ort zu sein

Aber es ist nicht meine Schuld

Immer noch dauert es lange, herauszukommen

Ich gehe dieselbe Straße entlang

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig

Ich sehe es

Ich falle immer noch hinein… aus Gewohnheit

Meine Augen sind offen

Ich weiß, wo ich bin

Es ist meine eigene Schuld

Ich komme sofort heraus

Ich gehe dieselbe Straße entlang

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig

Ich gehe darum herum

Ich gehe eine andere Straße

Nyoshul Khenpos   (Buddhistischer Mönch)

Autobiographie eines Schulerfolgs

Ich laufe mein Leben entlang

Da ist plötzlich eine schwere Klassenarbeit auf dem Weg

Ich habe gar nichts davon gewusst

Ich stürze ab – ich weiß fast nichts

Ich bin verloren

vier bis fünf – Ich bin ohne Hoffnung

Aber der Lehrer hat auch so schlecht erklärt.

Wir haben viel zu wenig im Unterricht geübt

Es war wie immer viel zu schwer

Und er motiviert außerdem einfach schlecht

Es dauerte endlos, bis ich das 4 bis 5 Gefühl nicht mehr spüre.

Ich laufe mein Leben entlang

Da kommt eine schwere Klassenarbeit des Wegs auf mich zu

Ich sehe weg, verdränge ihre Existenz

Ich stürze ab, ich weiß fast nichts

Ich bin verloren

Ich kann es nicht glauben – schon wieder 4 bis 5

Aber er hat auch so schlecht erklärt

Wir haben so eine Aufgabe noch nie gemacht

Es war wie immer viel zu schwer

Und er motiviert außerdem einfach schlecht

Immer noch dauert es lange, bis ich das 4-5 Gefühl nicht mehr spüre

Ich laufe mein gleiches Leben entlang

Da ist eine schwere Klassenarbeit auf dem Weg

Ich sollte wirklich einmal lernen

Ich stürze ab – ich weiß nicht viel – aus Gewohnheit

Ich sehe den Grund

Vielleicht hat er schlecht erklärt – aber ich habe ja auch selten zugehört

Es heißt, man müsse Transferaufgaben lösen können

Wir sollten zu Hause üben – aber ich habe wie immer abgeschrieben

Es war schwer, aber man hätte es wohl lösen können

Ich lasse mich offensichtlich wirklich schwer motivieren

Ich sehe klar – ich entdecke ein Ziel

Ich spüre schnell das 4-5 Gefühl nicht mehr

Ich gehe mein Leben entlang

Da ist eine schwere Klassenarbeit auf dem Weg

Ich habe schon Tage vorher gelernt

Ich habe einfach im Unterricht aufgepasst.

 Heinz Bayer

26. Februar 2010

Der Männerraum

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 17:12

Notenentwicklung von Klasse 5 bis 10 in den nichtgrünen Bereichen. Halbjahresinformationen. Nur die Noten ausreichend und mangelhaft. Jungs/Mädchen.Keine Sorge, liebe Eltern

Der Männerraum ist nur so ein erster Anfang, überhaupt einmal den Fokus auf unsere Jungs zu legen. Denn sie befinden sich derzeit in einer schwierigeren Position in der Bildungslandschaft als die Mädchen. Vergleichen Sie die Noten – übrigens weltweit, dann kennen Sie das Problem. Männerraum ist eine erste Idee und Teil eines Förderprogramms. Jungenförderung würde man pädagogisch sagen. Nachdem 30 Jahre Mädchenförderung gute Ergebnisse gebracht hat. Da man weltweit das ähnliche Phänomen hat und noch nirgends ein Licht am Ende des Tunnels erscheint, muss man einfach vor Ort ausprobieren. Ernst nehmen, zuhören, fordern, fördern und wenn manche wilden Jungs von den richtig strengen Lehrern schwärmen, bei denen sie sich Regelüberschreitungen nicht trauen, dann muss man auch das ernst nehmen. Denn die Notenentwicklung ist ernüchternd. Wenn man sich einmal ansieht, wie die Anhäufung von Notenbereichen 4 und 5 im Laufe der Zeit wächst, dann kann man förmlich fühlen, wie die vielen kleinen Wissenslücken sich aufsummieren und in der Mittelstufe dann zum echten Problem werden. Deshalb Jungenförderung mit dem Ziel, dass Jungs und Mädchen vom Flügelverleih vom Trend abweichen und am Ende des Schuljahres etwa notenmäßig gleichziehen. Alle im grünen Bereich, das wäre wunderbar. Denn dauerhaft im grünen Bereich wird Schule zum Erlebnis. Da unsere Nachmittagsmädchen hier schon jetzt ein recht hohes Level vorlegen, steckt noch einige Arbeit für einige  Jungs dahinter. Man darf gespannt sein.

Und darf nicht aufgeben. Kluge Frauen brauchen später auch kluge Männer.

5. März 2010

Eigenzeit

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 22:02

Die Spielewoche entwickelt sich zum Hit. Finden wir. Während wir im letzten Jahr das gemeinsame Gesellschafts-Spielen noch nicht wirklich hinbekommen hatten, ist es in diesem Jahr richtig gut geworden. Wahrscheinlich ist es die Idee, dass die Coachs mitspielen, dass wir Lehrer und speziell natürlich auch Frau Geismann mitspielt. Spielen ernst nehmen. Es gibt unglaublich entspannende Szenen. Lachend zufriedene Gesichter, Quietschen vor Freude, Spannung und Entspannung in einem. Klassenübergreifend. Altersübergreifend. Lebenslust. Lebenssinn. Eigenzeit. Muße.

In meinem Arbeitszimmer hängt ein Blatt. Das habe ich nach dem Lesen eines ZEIT Artikels über „die Wiederentdeckung der Muße“ dort hingepinnt habe. Lese es recht oft.

Ich zitiere:
„Denn letztlich hat die Kunst der Muße nichts mit der Zahl der freien Stunden zu tun, sondern mit einer Haltung. “Muße” so drückt es die Österreichische Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny aus, “ist die Intensität des Augenblicks, der sich zeitlich zu Stunden oder Tagen ausdehnen kann, um sich auf ein einziges zu konzentrieren: Eigenzeit. Diese Eigenzeit kann vieles sein – ein intensives Gespräch ebenso wie Musikgenuss oder ein spannendes Projekt, sie kann spielerisch oder ernsthaft sein, zielorientiert oder suchend, aber sie wird immer charakterisiert durch eine Eigenschaft,” sagt Nowotny. “Muße ist die Übereinstimmung zwischen mir und dem, worauf es mir in meinem Leben ankommt.”

Eigenzeit: Worauf es im Leben ankommt. Wenn man im Flügelverleih alters- und klassenübergreifend Menschen bunt und lebensprall spielen sieht, dann ist das echte Eigenzeit. Die man als Mensch dringend benötigt. Die ein Ziel im Leben sein sollte. Das ist wichtig, wenn man sich mit Noten beschäftigt. Da ich letzte Woche die schwierige Entwicklung geschildert habe, die man bei einigen hauptsächlich männlichen Schülern sieht, sollte ich doch auch etwas für die Schüler/innen anmerken, die sich überwiegend im grünen Bereich befinden. Der grüne Bereich sollte nicht zu eng gefasst werden. Man sollte bitte nie eine solide Drei als Unglück betrachten. Am Ende ist es nicht die Note, die wirklich wichtig ist. Schon gar nicht die grünen Noten in Klasse 5 oder 6. Die Frage ist sowieso: Was will ich eigentlich im Leben erreichen? Mit den konkreten Noten im hauptsächlich grünen Bereich hat das nichts zu tun. 1 bis 2 – 3 plus – 2 bist 3 – 3 Minus. Sagen Sie einfach ok dazu. Note: Ok. Man tut sich leichter, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Erfahrung zeigt – Ihre Erfahrung übrigens auch, Sie müssen nur einmal ihr erwachsenes Umfeld nach den Schulnoten befragen – dass die Schulnote und die Lebenszufriedenheit nicht direkt zusammenhängen.

Darf ich Ihnen zum Schluss das Ding noch einmal aufzeichnen? Das Lebensziel des eigenen Kindes sollte ohne Nachzudenken nicht mit Karriere gleichsetzen. Es gibt noch viele andere mögliche Ziele, die lebenszufrieden machen.

Ich hoffe, man versteht mich irgendwie. :-)

13. März 2010

Die Qual der Wahl

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 07:26

Es ist mal wieder soweit. Alle Jahre wieder. Die Qual der Wahl. Das fängt mit den jetzt noch Viertklässlern an, die sich entscheiden müssen, ob sie Biberacher Modell oder Französisch oder Englisch wählen sollen, wenn sie dann als frischgebackene Fäustlinge bei uns antreten. Und dann müssen die Siebtklässler in den nächsten Wochen entscheiden, ob sie als neues Hauptfach Italienisch, Französisch, Naturwissenschaft und Technik, kurz NWT oder Sport wählen. In der 8. Klasse werden die Klassen neu zusammengesetzt. Also eine Wahl, die auch über das Leben an sich entscheidet. :-) Na ja, eben die Frage: Wie bekomme ich es hin, mit meinem besten Freund in einer Klasse zu bleiben. Das sind oft schmerzhafte Erkenntnisse. „Du Mama, ich wähle Italienisch. Wie der Paul. Das ist ne total coole Sprache.“ Meint der junge Mann neben mir. „Ich glaub’s nicht. Hast du dir mal überlegt, wie gerne du in Englisch und Französisch Vokabeln lernst?“ meint die Mama und behauptet, dass die Drei und die Drei bis Vier in den Sprachen sicher keine guten Eintrittskarten in eine Sprachklasse wären.
Ja, da muss man der Mama zustimmen. Denn es gibt eigentlich nur eine einzige sinnvolle Eintrittskarte in ein neues Fach: Man muss es gerne tun wollen. Nicht nur können wollen. Man muss Biss mitbringen. Deshalb ist die Qual der Wahl für unsere Flügelverleihmenschlein in einem oder in zwei Jahren schon jetzt eine wichtige Frage. Woher nehme ich den Biss, in Kürze tatsächlich wählen zu können? Nach echtem Interesse wählen zu können. Und nicht “halt was nehmen zu müssen.” Was nützt die noch nicht so wirklich ans Tageslicht getretene Sprachbegabung, wenn man sich nicht um die Sprachen bemüht. Leider ist das “sich um Sprachen bemühen” z.B. mit kontinuierlichem Vokabellernen verbunden. Erst wenn der Wortschatz sitzt, macht Sprache Spaß. Deshalb heißt es bei uns in der Nachmittagsschule auch immer, wenn die Hausaufgaben gemacht sind: „Schnapp dir einen Freund und hört euch Vokabeln ab.“ Vokabellernen muss zum tagtäglichen Alltag gehören. So wie Frühstücken. Dann freut sich das Sprachgehirn. Dann hat es in der 8. Klasse sogar die Wahl, sich in die Chinesisch AG zu begeben, um eine Sprache zu lernen, die zwar zu den schwersten, aber auch zu den zukunftsträchtigsten Sprachen überhaupt gehört. Zwei Austauschprogramme stehen dahinter, Wuhan und Shanghai, und man kann am Faust inzwischen Chinesisch sogar als 4. Fremdsprache wählen und Abitur darin machen. Bis dahin müssen die sprachlichen Gehirnmuskeln aber soviel Fitnesstraining absolviert haben, dass sie einfach mit Lust und Laune ins Fitnessstudio gehen.
Für viele, die konzentriertes Aufpassen in der Schule für eine Nebensächlichkeit halten, die in der 5. Klasse beim Nachdenken über ihre sprachliche Zukunft noch glauben, später Wahlfreiheit zu besitzen, kommt leider in der 7. Klasse die Ernüchterung. Man traut sich eine 3. Sprache nicht zu, obwohl man schon ganz gerne weltgewandt würde. Das Sportprofil scheint die Rettung, aber da aus Raumgründen nur eine Klasse eingerichtet werden darf, funktioniert das auch nicht sicher. Bleibt für manche nur der naturwissenschaftliche Weg, der für jemanden, der begeistert Naturwissenschaften machen will, ein ganz wunderbarer ist. NWT ist für Interessierte ein ganz neues Fach mit äußerst vielen Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden, um selbstständig zu forschen und zu arbeiten. Aber für einen, der nur in die Naturwissenschaften geht, weil die beiden anderen Wege für ihn nicht wählbar sind, ein echter Murks. Etwas mit 4 bis 5 Wochenstunden tun, was man eigentlich nicht tun will, ist keine gute Grundlage für schulischen Erfolg. Deshalb unser Flügelverleihslogan: „Schon jetzt ranklotzen, damit du später eine echte Wahl hast.“

19. März 2010

Ton- und Filmstudio im Flügelverleih

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 20:27

Ich zitiere jetzt einfach einmal einen unserer Jungredakteure.
Dino beschrieb das Geschehen nach den Hausaufgaben folgendermaßen:
„Thema dieser Woche ( B-Woche)
Ton- und Videoaufnahmen und auch Bearbeitung von Ton- und Videoaufnahmen.
Wir haben die Möglichkeit zu singen: Beim Singen dürfen wir das Lied „Der Regen fällt“ von La Fee singen- Wir dürfen auch rappen. Beim Rappen dürfen wir das Lied „Der Regen fällt“ rappen. Was bestimmt jedem aufgefallen ist, dass wahrscheinlich 90 Prozent der Mädchen mitsingen und nur 10 Prozent Jungs. Wundert keinen. Und auch, wenn ein paar Jungs mitmachen: Sie rappen!!! Meine Freunde machen auch nicht mit. Wir dürfen auch remixen. Wenn man alles mixen würde, würde es sich so anhören: „hia ha hi Regen hia.“ Ciao, muss für einen Geo Test lernen.“
Danke Dino. Und er hat recht. Nina hatte La Fee mitgebracht. „Der Regen fällt“. Texte gelernt, geübt, gesungen, sich aufnehmen lassen, das haben die Mädels. Jungs waren mehr dabei, wenn es um das Abmischen ging. La Fee auf die erste Spur, die Stimme mit dem Equilizer ausblenden, den Gesang der Sängerinnen auf die nächsten Spuren legen. Der Nachmittags-Laptop wird zum Tonstudio. Bei den Studioaufnahmen selbst waren es die Jungs, die am digitalen Mischpult saßen. Erstaunlich, wie konzentriert da manche plötzlich sein können. Und mucksmäuschenstill. Geht doch. Immerhin ist die B-Woche die Woche, in der es um „Können“ geht.
Beim Videoclip drehen am Ende der Woche wieder große Ernsthaftigkeit bei den Sängerinnen. Eine wunderschöner Videoclip entsteht am Donnerstag.
Und die Jungs? Doch, auch sie sind verewigt. 3 Jungs, die am Ende des Clips wie wild los rappen. Das machen sie spontan. Auf Zuruf. Kein Problem. Wild sein ist die pure Leidenschaft. Für die Sängerinnen ein Erinnerungswert der Spitzenklasse. Wer kann schon seinen Kindern einen Videoclip aus grauer Vorzeit vorspielen.
Ob man den ansehen kann. Nö, der wurde nur den Sängerinnen auf DVD als Belohnung am Ende der Woche überreicht. Nicht alles muss öffentlich sein.
Und die Hausaufgaben: Ja klar, versprochen, die mussten immer erst fertig sein, dann durfte erst die Themenwoche ran.
Ach übrigens, das Filmteam am Faust um Frau Schmitz hat so viele Wettbewerbe gewonnen, dass nun das Südwestfernsehen ans Faust kommt. Workshop mit den Aktiven. Und dann am Nachmittag eine öffentliche Veranstaltung. Wir werden mit dem Flügelverleih hingehen. Klar doch. Ist immerhin auch unser Thema.

27. März 2010

Improvisationstheater

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 08:03

Liebes Nachmittagsschul-Tagebuch.

Schon verrückt, was man sich im Laufe eines Schuljahres über unsere kleine Schule in der Schule für Gedanken machen kann. Man setzt sich am Samstag morgen mit einem Kaffee hin und denkt über die Woche nach. Ich weiß oft nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen. Es war C-Woche. Thema: Improvisationstheater. Unser Theaterchef Thatenhorst hatte einen richtigen Wochenlehrplan vorgelegt. Spielerische Übungen, um Lockerheit und Freiheit im Sprechen zu bekommen. „Wer da an mehreren Tagen da ist und dieses Programm mitmacht, der hat ein richtiges Pfund für sich eingepackt“, habe ich mir beim ersten Überfliegen gedacht.

Ich hatte am Dienstag Flügelverleihdienst. Frühling. Sonnenschein. Die Hausaufgaben fertig und raus ins Freie mit freien Angeboten. Eine große Gruppe um Frau Hirth. Improvisationstheaterspiele. Fröhliche entspannte Gesichter. Spielen und Lernen. Die Gesichter waren allerdings zu 90% weiblich. Die entspannten Jungs-Gesichter gab es erst, als wir dann doch, entgegen unserem „Lehr“- Plan, den Fußball auspackten. Wer es fertig bringt, aus dem Fußballspielen der Jungs ein pädagogisch, inhaltliches Konzept zu bauen, das dem schulischen Erfolg hilft, der bekommt vom Flügelverleih den alternativen Nobelpreis in Pädagogik. Versprochen. Am Mittwoch hatten wir für unsere Flügelverleihmenschen ein Bonbon angeboten: Wer keine Hausaufgaben hatte, war Gast bei einer Veranstaltung des Südwestfernsehens in der Aula. Sie haben es sicher im faust-aktuell spezial gelesen. Auch da wurde mal wieder der Wandel der Geschlechterrolle offensichtlich. Ich kann mich noch gut an unsere ersten Filmteams am Faust erinnern. Vor 25 Jahren, vor 15 Jahren, vor 10 Jahren …….. überwiegend männliche Gesichter. Und was sagte der Moderator Dieter Fritz auf dem Bühne über das jetzige Filmteam, das einen exklusiven Workshop von Vollprofis genießen durfte: „ Es ist wie an allen Schulen, die wir in den letzten Monaten besucht haben: Der Großteil der Filmaktiven ist weiblich.“

Im Flügelverleih erfanden ein paar Lerncoachs als Alternative parallel zur Veranstaltung Lernstationen im Freien. Bewegte Schule. Bewegung und Lernen. Vielleicht sollten wir es einmal mit MP3 Player und Vokabellernen während eines entspannten Fußballspiels probieren. :-) Immerhin haben alle Befragten unserer kleinen Testreihe am Dienstag „Besser Vokabel lernen mit 4 mal 50 Meter vorherigem Sprint“ gemeint, dass es für sie wesentlich leichter gewesen wäre, nach der körperlichen Verausgabung konzentriert an ihr Vokabellernen dranzugehen. Ein Kollege hatte diese Idee von einem Sportlerkongress mitgebracht. Neueste Forschungsergebnisse der Gehirnforschung. Wir bleiben dran.

3. April 2010

Osterferien – unterrichtsfreie Zeit

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 07:55

Zeit, Luft zu holen. Aber bitte nicht Zeit, Schule vollkommen auszublenden. Es ist die richtige Zeit, darüber nachzudenken, warum man in die Schule geht. Zeit, mit den jungen Menschen darüber zu reden. Fernab der Schule und den Schularbeiten darüber nachzudenken, wie wunderbar es ist, wenn man nach 12 Jahren Schulzeit zwei oder gar drei Sprachen sprechen kann. Wie gut es ist, dass man nach 12 Jahren Schulzeit, egal auf welchem beruflichen Gebiet, z.B. Berichte verfassen kann, für die man sich nicht schämen muss. Weil man 12 Jahre lang soliden Deutschunterricht in der Schule hatte. Wie hilfreich es in vielen Lebenssituationen ist, dass man in Mathematik logisch denken gelernt hat. Und wie wichtig mathematisches Denken einfach in vielen Berufen ist. Und wer weiß denn schon in der 5. Klasse, wohin die berufliche Reise wirklich gehen wird. Wie toll es ist, wenn man nach 12 Jahren Schule mit Freunden im Café sitzen und mitreden kann. Anstatt in hitzigen Diskussionen lieber nichts zu sagen, weil man einfach keine Ahnung hat. Weil man sich selbst peinlich ist. Bildung ist ein echter persönlicher Schatz, den man in der Schule heben kann. Kostenlos. Und in einem Alter, in dem das Gehirn perfekt zum Schätze heben veranlagt ist. Die Noten, das sollte man seinen Kindern immer wieder klarmachen, die sind dabei eher nebensächlich, speziell wenn sie nur im grünen Bereich zwischen 1 und 3 liegen. Kompetenzen muss man einpacken. Von denen hat man später was. Ob da eine 3+ oder eine 2- unter einer Arbeit steht, ist nur für die momentane Freude von Belang. Und wenn man in einem Fach im gelben Bereich der Vier liegt, dann muss man einfach zulegen. 90% aller Vierer würden locker zur Drei, wenn man nur genügend dafür tun würde. Wenn man im Unterricht auf Ernsthaftigkeit schalten könnte. Und wenn man zu den 10% gehört, die mit einer Vier in einem Fach leben müssen, weil sie einfach dort eine richtige Schwäche haben, dann muss man eben in den anderen Fachbereichen klotzen.
Im Flügelverleih haben wir in den letzten beiden Tagen das Hauptaugenmerk auf die nächsten Wochen gelenkt. Zwischen Ostern und Pfingsten werden die wichtigsten Arbeiten des Jahres geschrieben. Jetzt weiß man schon, wo im Moment die eigenen Schwächen liegen und wo die Stärken. Da kann man planen. Da werden in fast allen Fächern Arbeiten geschrieben. Also kann man sich auch sehr zielgerichtet auf diese Arbeiten vorbereiten. Selbsteinschätzung war unser Wochen-Thema. Und worauf man achten sollte, um in Klassenarbeiten besser abzuschneiden. Tipps und Tricks im Flügelverleih. Ein paar junge Menschen haben sehr aufmerksam zugehört.
Wir werden diese Thematik nach den Ferien vertiefen, weil die eigene Grundeinstellung zur Schule der zentrale Punkt ist, Schule gut zu meistern. Das sollte in möglichst viele Köpfe hinein. Seine Fähigkeiten sollte man optimal nutzen. Fernab der Schule kann man das gut vorbereiten. Schule muss im Kopf als die wirklich große Lebenschance entwickelt werden, dann fällt vieles leichter. Wenn man einmal all seine Tanten und Onkels, Opas und Omas, seine Eltern und die Freunde der Familie nach den früheren Schulnoten befragt und ihre heutige Lebensposition ansieht, dann wird einem ganz praktisch klar, dass es zwar die Schule war, die eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen hat, aber die früheren Noten sekundär dabei sind, wie erfolgreich so ein Leben gelebt wird.
Wer diese Einstellung seinem Kind weitergeben kann, der hat ihm viel Lebensfrust erspart. Dann ist auch ein aus Elternsicht nicht so toller Lehrer kein wirkliches Problem mehr.
Aus Sicht eines Gehirnforschers ist es sowieso klar: Wer es schafft, Schule positiv zu belegen, der wird selbst in einer Klasse mit nur „blöden“ Lehrern besser sein, als ein Schüler, der in einer Klasse mit nur „tollen“ Lehrern lernt, aber Schule selbst unter „furchtbar“ abgespeichert hat.
Deshalb: Schule einfach möglichst positiv belegen und bloß nicht so schnell mitschimpfen. Das bringt Ihrem Kind die richtigen Zukunftschancen.
Und schafft ihm und Ihnen die nötige Gelassenheit. Ferienzeit ist eine gute Zeit, dies zu reflektieren.
Hilfe, ich komm mal wieder nicht auf den Punkt. Wollte nur kurz und schnell was zu den Ferien schreiben. Es soll Menschen geben, die können das, was ich hier geschrieben habe, mit einem Viertel der Sätze sagen. Ich irgendwie nicht. Wahrscheinlich habe ich es früher deshalb in Deutsch auch immer nur auf eine Drei gebracht. Zu lange Sätze. Oder zu kurze. Und ich kam schon früher im Aufsatz nie wirklich schnell auf den Punkt. Meine Aufsätze zu korrigieren war sicher kein wirklicher Spaß für meinen Deutschlehrer. Und ich benutzte viel zu viele Füllwörter. Und Sätze mit „und“ anzufangen, das fand ich schon in der Schule gut. Aber Sie haben ja jetzt ein wenig mehr Zeit zum Lesen. :-)
Frohe Ostern.

8. April 2010

Abi 2010

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 18:34

Ich hoffe natürlich, Sie hatten schöne Ostern. Ihre Kinder auch. Die Abiturienten hatten ihre letzten Osterferien. Da war Vorbereitung auf das schriftliche Abitur angesagt. Am Donnerstag geht’s los. Der letzte G9er Jahrgang am Faust. Dann kommt der berühmte Doppeljahrgang und dann machen alle ihr Abitur nach 8 Gymnasialjahren.

Soll ich ein wenig Insiderwissen verplaudern? Zum Beispiel: Das Mathe-Abi ist für viele eine echte Herausforderung. Sie wissen das noch? Wissen Sie auch, warum? Weil man als Schüler einfach immer meint, Abi, das wäre in vielen Jahren. Später da müsse man eben ranklotzen. Leider stimmt genau das nicht. Abi ist immer. Nehmen wir Bruchrechnen Klasse 5 oder 6. Und dann eine Abitursaufgabe mit einer schwierigen Integralrechnung. Und irgendwo zwischen dem Anfang und dem Ende der Aufgabe eine kleine, doofe, gemeine, unauffällige, versteckte, primitive und einfache Bruchgeschichte. Die man schon in den letzten Jahren immer übersehen hat und nie aufgearbeitet, obwohl die Lehrer natürlich immer gesagt haben, wie wichtig Fehleranalysen sind, aber nach der Arbeit ist eben nach der Arbeit. Und genau diese kleine Bruchgeschichte, sagen wir mal „größter gemeinsamer Teiler“. Sie erinnern sich? ggT. Eine Sache, die man vielleicht in der 6. Klasse nicht richtig gefestigt hat, die man in der 7. und 8. Klasse nicht mehr gebraucht hat, die man in der 9. und 10. Klasse nicht mehr bemerkt hat, weil man natürlich nie Fehleranalysen gemacht hat und sich damit abgefunden hat, dass man Mathe eben nicht so blickt. Oder den Lehrer einfach blöd fand, weil er sicher zu schwere Aufgaben gestellt hat. Und am Ende steht dann das Abitur und man meint, die Aufgabe wäre schwer, weil man gleich mal falsche Werte herausbekommt, die nicht stimmen können. Vielleicht genau wegen dem größten gemeinsamen Teiler aus der Klasse 6. Nicht wegen der wirklich schwierigen Integralrechnung. Man kommt ins Schwitzen, das Gehirn blockiert und am Ende hält man sich natürlich für einen mathematischen Versager. Dabei hat man nur am Ende der Osterferien in der 6. Klasse vergessen, die kleinen Lücken zu stopfen, die man damals beim Bruchrechnen hatte, weil man damals gedacht hatte, dass das Abitur ja noch so weit weg wäre.

Wenn Sie also Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter was wirklich Gutes tun wollen: Packen Sie gemeinsam den Schulranzen für die nächste Woche. Schauen Sie jedes Heft kurz durch, lassen Sie sich erzählen, was denn vor den Ferien in allen Fächern Sache war. Versuchen Sie geduldig, den Lernprozess bis zum Abitur etwa am Beispiel des Bruchrechnens zu erklären. Vielleicht kann Ihr Sohn oder Ihre Tochter ja aus dem gemeinen Spiel ausbrechen, bei dem man vergisst, dass das Lernen für die nächste Arbeit im Vergleich zum nachhaltigen Lernen mit Langzeitwirkung recht wenig Bedeutung hat. Ich drücke Ihnen die Daumen.

Wenn meine Physik-Abiturienten im Abitur Fehler machen, dann sind es zu 80% Fehler, die sich aus fehlerhaftem Rechnen ergeben. Mathematik Klasse 7 bis 9. Nicht etwa aus dem Nichtverstehen komplizierter physikalischer Zusammenhänge. Eigentlich schade. Aber: So isses.

17. April 2010

B-Woche und Pubertät

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 13:44

Die B-Woche stand unter dem Motto: Lernphase Ostern bis Pfingsten. Gas geben ist angesagt. Nach den Hausaufgaben hieß das am Montag: Selbstreflexion mit einem kleinen Fragebogen zum Ist-Stand der eigenen Schulsituation. Das Fazit ist sehr beruhigend. Fast 100% gut bis sehr gut bei der Beantwortung der Frage: Wie wohl fühlst du dich an der Schule? Schönste Antwort: Ich fühle mich hier schon wie zu Hause. Dienstag: Nach den Hausaufgaben gab es Arbeitsgruppen, in denen jeder die Tipps und Tricks für seine starken Fächer aufschreiben, sollte. „Von den Besten lernen lernen“ hatten wir dies genannt. Die mögliche Entwicklung eines eigenen kleinen Lernen lernen Skripts. Mittwoch Erweiterung dieses Themas: Jeder sollte alle Tipps und Trick lesen und ergänzen. Zustimmen. Neue Dinge dazuschreiben. Parallel gab es Inputs in die neuere Gehirnforschung. Spezialthema: Wie baut sich ein Gehirn nach neuesten Erkenntnissen in der Pubertät um, die für alle in 1 bis 2 Jahren „gnadenlos“ beginnt. Durchschnitteintrittsalter: 12 ½ Jahre.
Donnerstag: Da keiner der B-Wochenmacher Bayer und Illner Dienst hatte, gab es zum Vorlesen der Aufgabenstellung ein Skript, das zwar lang ist, aber Ihnen Einblick in die beiden nächsten B-Wochen-Tage gibt. Thema: Motivationskalender und Rettung der „Jetzt leg ich aber mal richtig los für ein richtig gutes Abitur“ – Gehirnzellen.
Die Adressaten des Motivationskalenders 2003, auf die sich die Aufgabenstellung bezieht, machen jetzt Abitur. Wer den ersten Vorläufer des Öhmkalenders anschauen will, hier ist der Link. Seit damals gab es immer Schüler am Faust, die meinen jeweils aktuellen Motivationskalender genutzt haben. Schön wäre jetzt eine wissenschaftliche Untersuchung, ob man damit die „Jetzt leg ich aber mal richtig los für ein richtig gutes Abitur“ – Gehirnzellen über die Pubertät hinaus retten kann, ohne sie in dieser Zeit wirklich zu benutzen. Ich werde einmal einen Abiturienten 2010 bitten, hierfür seine persönliche Meinung zu schreiben. Wer sich die vorpubertäre Gehirnzellenproblematik noch ein wenig genauer ansehen will, im Männerblog ist sie bildlich thematisiert. Im SPIEGEL dieser Woche war es Titelthema. Jetzt aber zum Donnerstag Vorlesetext:

Sehr geehrter zukünftiger Staatsanwalt, Mikrosystemelektroniker, Astrophysiker, Autodesigner, Grafiker, Fernsehmoderator, sehr geehrte Chefärztin, Journalistin, Modedesignerin, Rechtsanwältin, Gymnasiallehrerin usw usw.
Ich hoffe Sie verstehen, was ich meine.

Nachdem Sie gestern möglicherweise mit Schrecken davon gehört haben, dass Eigenschaften und Fähigkeiten, die das Gehirn in der vorpubertären Phase wenig einsetzt, nach neuesten Gehirnforschungsberichten einfach absterben, Sie mit Erschrecken festgestellt haben, dass die Eigenschaften „konzentriert und ernsthaft und selbstständig und zielgerichtet arbeiten können“ bei Ihnen noch keine so gute Benotung bekommen würde und sie bis zum Eintritt in Ihre pubertäre Phase nur noch 1 bis 2 Jahre Zeit haben, Sie womöglich jetzt um Ihr Abitur bangen, weil Sie ja die abgestorbenen „Jetzt leg ich aber mal richtig los für ein richtig gutes Abitur“ – Gehirnzellen in der 10. Klasse gar nicht mehr besitzen würden und damit gar nicht durchstarten könnten, wie sie das sich jetzt erträumen. Wenn Sie also diesen Zukunftsschauder in sich sitzen haben, kommt hier die mögliche Rettung: Der „Jetzt-leg-ich-aber-mal-richtig-los-für-ein-richtig-gutes-Abitur“-Gehirnzellen – Parkplatz –Trick.
Der geht so: Sie hängen zum Beispiel den Öhm Kalender über Ihren Schreibtisch und schauen täglich drauf. Auch wenn Sie dann immer noch viel mehr Ohm als Öhm sind, werden doch permanent Ihre Öhmzellen angeregt. Benutzt. Die Öhmzellen, die den „Jetzt-leg-ich-aber-mal-richtig-los-für-ein-richtig-gutes-Abitur“-Gehirnzellen entsprechen und damit werden auch diese Fähigkeiten geparkt, also sterben nicht ab, obwohl sie vielleicht noch weit davon entfernt sind, Öhm zu sein.

Das geht natürlich auch nur, wenn Ihnen klar ist, dass das auch funktioniert. Sie müssen sich den Gedankengängen ernsthaft öffnen, auch wenn Sie sie nicht umsetzen können. Dass es tatsächlich funktioniert, können Sie die Schüler/innen meiner eigenen 5. Klasse vor 9 Jahren fragen, für die es den ersten Öhmvorläuferkalender gab. Ein 1,5 Abitur werden sie nicht gerade machen, aber eine 1 vor dem Komma ist ziemlich sicher. Sie hatten alle ihren Abi2003 Kalender gehabt. Und die „Jetzt-leg-ich-aber-mal-richtig-los-für-ein-richtig-gutes-Abitur“-Gehirnzellen über die pubertäre Hochphase hinaus geparkt. Auch das waren in der Mittelstufe nicht lauter Öhms. Aber jetzt als Abiturienten sind sie die Quadratöhms mit viel Spaß dabei. Denn ein tolles Abitursergebnis ist Balsam für die Seele.

Heute heißt deshalb Ihre Aufgabe:
Sie lesen in Ruhe die Abi2003 Kalenderblätter, suchen sich eines heraus, das sie als zukünftigen Staatsanwalt, Mikrosystemelektroniker, Astrophysiker, Autodesigner, Grafiker, Fernsehmoderator, Chefärztin, Journalistin, Modedesignerin, Rechtsanwältin, Gymnasiallehrerin usw usw – Sie wissen schon – besonders anspricht, nehmen sich ein Blatt Papier, schreiben den Monat drüber und schreiben eine kleine ernsthafte Abhandlung über dieses Blatt und Ihr jetziges Leben. Minimum eine halbe DIN A 4 Seite. Darüber schreiben Sie Ihren Namen und geben das Blatt am Ende an Frau Theisohn oder Frau Geismann oder Frau Schmitz weiter.
Alle, die noch Tipps und Trick beisteuern wollen, wie man öhmig lernen kann und seinen Spaß daran findet, der darf die Blätter auf den Tischen weiter ausfüllen. Das Tipps und Tricks heft des Flügelverleihs „ von den Besten lernen lernen“ wird es Ihnen danken.

Mit den besten Grüßen in den Donnerstag Nachmittag Ihr Heinz Bayer

23. April 2010

Unterstufentheater und Zeitmaschine

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz eugen b @ 10:23

Ich gestehe, Unterstufentheater ist für mich pädagogische Pflichtübung. Das kann ich als echte Zeitmaschine verwenden. Wer Sechst- und Siebtklässler einmal auf der Bühne gesehen hat, wie sie eigene Rollen spielen, der vergisst, dass sie in Naturphänomene vielleicht eine falsche Schaltung gebaut haben oder in Mathematik ein paar Schwächen aufweisen. Denn Schwächen hat jeder Mensch. Deshalb schaut man ja auch in der Erwachsenenwelt auf die Stärken des Maschinenbauers, die Stärken der Staatsanwältin, die Stärken des Schriftsteller, die Stärken der Ärztin, etc sie verstehen schon und nicht auf die Schwächen eines Mathematik- und Physiklehrers in Hinblick auf seine Sprachkenntnisse in der französischen Sprache. Im Theater kann man wie in einer Zeitmaschine durch diese lange Schulzeit der Bewertung von Menschen hindurchblicken und bemerkt, mit welchen Persönlichkeiten wir in der Schule zusammenarbeiten dürfen. Unabhängig von ihren Schulnoten. Man sieht, zu was unsere Schüler fähig sind, wenn sie sich in eine Sache verbeißen und bei der Sache bleiben. Es muss nicht Theater sein, man kann es an vielen Dingen sehen, in denen plötzlich Geduld, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Begeisterung zum Vorschein kommen. Die Idee der A- B- C-Wochen im Flügelverleih gehen ja genau in diese Richtung. Den Leuten möglichst viele Möglichkeiten zu zeigen, in denen man eigene Interessen finden kann.
Auch etwas anderes hat mich in dieser Woche bewegt. Meine vor kurzem noch Fünftklässler saßen im Schriftlichen Abitur. Damals die legendäre Fünf Emil. Wir hatten in unserem Fünfklasslehrerteam die Meinung vertreten, dass man möglichst breit fördern muss. Auch fordern muss. Das man auf Eigenständigkeit setzen muss, auf Durchhaltevermögen. Wir führten viele Diskussionen über jeden Einzelnen. Was wohl aus ihnen wird. Wie sie wohl die Schule meistern werden. Und noch wichtiger: Das Leben danach. Was habe ich mir den Mund fusslig geredet, immer in der Absicht, den Schalter bei möglichst vielen auf Eigenständigkeit umzulegen. Das ist ein langer Prozess, den man erst Jahre später bewerten kann.
Ich habe mir deshalb natürlich auch das bisherige Notenbild meiner damaligen Fünfer angesehen. Wir bekommen Erfolgsmeldungen oft erst Jahre später. Und dann kann man sie nicht zwingend genau zuordnen. Trotzdem: Der Blick auf die Noten der Fünf Emil ist für mich persönlich einmal wieder mehr die Bestätigung, dass es enorm wichtig ist, in der 5. und 6. Klasse alles zu unternehmen, dass die Ernsthaftigkeit des Lernens in die Köpfe kommt, dass die platte Wahrheit „Man lernt nicht für den Lehrer sondern für sich.“ unkompliziert, bunt, verrückt und überzeugend in die Köpfe kommt, damit sie die schwierige Phase der Pubertät überdauern kann. Ich habe letzte Woche an meine alten FünfEmilianer die Frage gemailt, was ihnen aus der heutigen Sicht die Motivationsarbeit in der fünften Klasse gebracht hat. Ob es nur pädagogisches Pillipalli eines Lehrers war oder ob es Substanz bekam. Mit der Bitte um kritische und ehrliche Meinung.
Hier Auszüge aus drei Rückmeldungen. Balsam für eine Lehrerseele.

… Dass es direkt was bringt, hätte ich nie gedacht, aber ich habe mich schon relativ früh (so 8./9.) dabei ertappt, wie ich plötzlich ganz unbewusst, ein paar dieser Dinge umgesetzt habe. Früh anfangen mit dem Lernen, jeden Tag ein bisschen wiederholen, das waren doch die Ansätze des Ganzen….

… Nun zu ihrer Frage: Meiner Meinung nach haben Ihre motivierenden Ideen wirklich dabei geholfen, mir klarzumachen, dass ich nicht für die Lehrer oder sonst wen, sondern ganz alleine für mich lerne. Ich denke genau das habe ich die restlichen Jahre auch getan und bin immer am Ball geblieben. …. im Großen und Ganzen bin ich mit mir zufrieden und kann auf jeden Fall sagen dass ich sehr viel mitgenommen habe und das ist denke ich die Hauptsache ….

…. Das Interessante an der ganzen Geschichte ist: zwar haben die Ideen bei mir nicht sofort Früchte getragen, aber sie blieben im Hinterkopf und irgendwann wurde einem dann doch unterbewusst klar: Mensch, eigentlich hatte der Bayer mit seinem Unfug ja schon irgendwo recht. Was soll ich hier in der Schule sitzen und nichts mitnehmen? Wieso nicht die Chance nutzen und was draus machen? Als ich den berühmten „Schalter“ dann umgelegt hatte, ging’s bergauf. Versetzungsgefährdet war ich fortan nicht mehr. Aus dem frechen, unruhigen und unkonzentrierten kleinen Schlitzohr, wurde dann irgendwann doch noch jemand, der in der Schule (mehr oder weniger) ruhig da sitzen konnte, locker einen 2er-Schnitt eingefahren hat …. Damit hätte in der 5. Klasse tatsächlich absolut niemand gerechnet, was ich auch immer wieder zu hören bekam.

Das lass ich doch einfach für diese Woche mal so stehen.
Noch ein Tipp: Freitag und Samstag sind noch Aufführungen des Unterstufentheaters.

Das faust-aktuell mit der Vorankündigung finden sie hier.

1. Mai 2010

Gedächtnisübungen

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 12:19

Hilfe, mein Gedächtnis. Vielleicht sollte ich doch mehr Flügelverleih A-Wochen der dieswöchigen Spielart in mein Leben einbauen. Ich darf berichten:

Eselsbrückenbauen war angesagt, und viele, viele verschiedene Gedächtnisspiele. Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, die Sinn machen für unsere Betreuten. Denn immerhin weiß man ja inzwischen sehr genau, dass unsere Gehirne viel mehr bringen könnten, wie sie im Alltag bringen. Selbst 70jährige könnten noch locker Japanisch lernen, wenn die Motivation dazu riesig genug wäre. Zum Beispiel „heißverliebt in eine Japanerin“ würde auch mit 70 noch Wunder wirken. :-)

 Spielerisch das Gehirn schärfen. Dieses Wunderwerk. Keine Sorge, wir zwingen niemanden zu solchen Höchstleistungen. Wir bieten nur an. Frau Theisohn hat viele Gedächtnisspiele gekauft. Kein Spieleverleih in dieser Woche. Aber unser Jonglage Chef Zürn hat nach den Hausaufgaben seinen lern- und konzentrationswichtigen Einsatz. Beziehungsweise Frau Schmitz und Herr Illner. Für was besitzen wir drei Jonglierspezialisten im Team. Viele unserer Schüler/innen sind auch schon richtig fit in dieser Tätigkeit. Dem Hirn Futter geben. So ein Hirn will lernen. Das Hirn lernt auch unentwegt. Übrigens, auch bei einem Computer Ballerspiel lernt das Gehirn wie verrückt. Der konzentrierte Mausklick wird immer präziser. Die konzentrierten Mausklick Synapsen wachsen tatsächlich und werden dicker. Würde man das vierstündige Neigungsfach konzentrierter Mausklick unterrichten, weil der konzentrierte Mausklick eine wichtige Bedeutung im Berufsleben spielen würde, wären Mausklickübungen als stundenlange Hausaufgabe gern gesehen. Schade für Computerspielefreaks: keine Aussicht auf solche Hausaufgaben. Die Nebenwirkungen, über die der Schul-Apotheker berichten muss, sind viel zu heftig. Wir setzen da mehr auf Jonglieren, auf spielerische Gedächtnisübungen, auf Gehirnsjogging der Flügelverleihart. Da wachsen die abitursrelevanten Synapsen und die, die man im Leben so gut brauchen kann.

Professor Hüther könnte Ihnen da Einiges erzählen. Hören Sie doch mal rein. Ist mein Lieblingsgehirnforscher. Oder sehen Sie rein, wenn Ihnen das lieber ist:

Über sein Gehirn Bescheid wissen sollte eigentlich heute für Schüler Pflichtübung sein.

6. Mai 2010

Flügelverleih 2010/11

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 12:54

Es hat sich herumgesprochen, dass man bei uns ganz gut leben kann. Dass Hausaufgabenbetreuung durch ältere Schüler/innen eine wunderbare Sache sein kann. Dass auch ohne Hausaufgaben viel nebenher gelernt wird. Spaßvoll gelernt wird. So werden wir Ihnen sicher an unserem Sommerfest (Termin kommt noch) zeigen können, was Ihre Kinder alles zusätzlich zur Schule gelernt haben. Was man nicht zeigen kann ist der offensichtliche Vorteil. Wer es schafft, sich in ein eigenes Sozialgefüge einzubringen, das zwei Klassenstufen und alle Parallelklassen umfasst, der hat sich einen großen persönlichen Vorteil erarbeitet, der ihm in den kommenden Jahren viel bringen wird. Außerdem ist das Netzwerk mit den Coachs gar nicht hoch genug einzuschätzen. Da kennt man im ganz normalen Schulalltag als jemand, der 5mal Nachmittagsschule macht immerhin 10 persönliche Coachs, die seine Stärken und Schwächen kennen und die man tagtäglich im Schulhaus treffen kann. Mit denen man sich ganz normal unterhält, die einen grüßen und die einem das Gefühl geben, sich in einem eigenen Lebensraum zu befinden. Selbstbewusstsein ist aber auch Grundlage für gutes Lernen. Kurzum: Schön, dass wir im nächsten Jahr den Flügelverleih wieder richtig voll haben. Die Anmeldungen der neuen Fünfer belaufen sich in stattliche Zahlen. Sogar ein paar dann Siebtklässler wollen als alte Hasen bleiben, weil sie sich hier einfach wohl fühlen. Warum nicht. Irgendwann wechselt man dann einfach unbemerkt vom Gecoachten zum Coach.  :-)

Genau das ist ja der zweite wichtige Aspekt der Nachmittagsschule. Wer als Coach regelmäßig jüngere Schüler unterrichtet und mit ihnen spielt, der merkt sehr schnell, dass die übliche Lehrerschelte aus der Sicht des Lehrenden sich ganz anders anfühlt. Das war auch die breite Meinung von Coachs beim letzten Coachabend. Unserem letzten pädagogischen Abend für unsere Betreuungsmannschaft im April. Selbst coach zu sein bringt wesentliche Veränderungen in der Einstellung der Schule gegenüber. Wen wundert’s.

Und dann sind natürlich alle gespannt, wie sich unsere neue Fünferhausidee auf den Flügelverleih auswirkt. Immerhin wohnen alle neuen Fünftklässler im nächsten Jahr in ihrem eigenen Fünferhaus ( dem Pavillion ). Die Pädagogik für dieses Projekt entwickeln wir im Moment. Man darf gespannt sein.

13. Mai 2010

Konfuzius

Abgelegt unter: Pädagogisches — heinz.bayer @ 22:45

Letzte Woche waren Tabu-Karten dran. B-Woche. Unser Produkt-Designer im Team hatte das Kommando. Tabu-Karten selbstgemacht. Illner 2010. Thema Mathematik. Und tatsächlich. Am Ende der Woche: Ein komplettes Spiel mit 52 Karten fertig. Gratulation. Die Flügelverleihmenschen sind einfach sehr kreativ. Die Karten wurden natürlich gleich am Laptop bearbeitet und werden jetzt in eine Online Druckerei geschickt. Der Flügelverleih lebt klar in der Neuzeit. Diese Woche war C-Woche. Witzige Körper-Koordinationsspiele standen auf dem Programm. Da hängte sich so manches Gehirn auf, wenn man diese kniffligen Körperbewegungen nachmachen wollte. Also meines zumindest, musste ich feststellen. Frau Schmitz hatte den Wochen-Input mitgebracht. Die Kids waren da natürlich gehirn- und koordinationsmäßig wesentlich lockerer drauf als ich. Gut so. Aus denen muss ja noch was werden.

Was mich diese Woche bewegt hat, fragen Sie? Na ich gestehe. Diese 750 Milliarden spielen schon eine echte gedankliche Rolle, wenn ich so am Unterrichten und Betreuen bin. Da hüpfen z.B. völlig pfiffige und schlaue Fünft- und Sechstklässler im Flügelverleih herum und ich denke mir, dass da vielleicht zukünftige Finanzexperten darunter sein könnten, die in 20 Jahren, wenn ich tattrig meinen SPIEGEL lese, Statements abgeben könnten, die wirklich Hand und Fuß haben. Wäre das doch wunderbar, wenn wir in 20 Jahren sagen könnten, dass wir unsere besten Köpfe auch genügend fit gemacht hätten. Dass wir eine Lösung gefunden hätten,  mit der man speziell auch die Jungs davon überzeugen könnte, dass sie sich die Pubertät nicht so heftig schon in der 6. Klasse nehmen. Sondern nur kurz und heftig in den Sommerferien zwischen der 9. und 10. Klasse, Rechtzeitig bevor es dann in die Kursstufe geht. Und dann ging mir diese riesige Verschuldung der Amerikaner bei den Chinesen durch den Kopf. Die sich dabei irgendwie gar keinen Kopf zu machen scheinen. Also die Amis. Nicht die Chinesen. Die denken sich sicher einiges dabei. Das bekommt selbst das Faust schon zu spüren, mit welcher Kraft die Chinesen diesen Planeten vernetzen. Wir bekommen einen Konfuzius Raum eingerichtet. Von den Chinesen finanziert. Sie lachen? Stimmt aber. Weil man am Faust jetzt auch Chinesisch Abitur machen kann. Im Südbadischen. Also ein Konfuziusraum gesponsert von so einer Gesellschaft wie dem Goethe-Institut. Nur eben in chinesischer Ausführung. Schön für uns? Irgendwie schon, aber ob ich das in 10 Jahren auch noch sage, weiß ich tatsächlich nicht wirklich. Dabei bin ich ja echter Konfuzius Fan, wenn es um solche Aussprüche von ihm geht wie „Wer nicht begeisterungsfähig ist, den unterrichte ich nicht.“ Der Wahnsinns Spruch für einen modernen Schulmeister.

Sag das heute mal einer von uns Lehrmeistern zu Eltern. „Also, ich unterrichte Ihren Sohn so lange nicht mehr, bis sie ihn mir begeisterungsfähig vorbeischicken.“ Da wären die Klassen ganz schön leer.

Dabei muss uns eines klar sein. Wer die jungen Chinesen erlebt, die jedes Jahr zum Beispiel zu uns im Schüleraustausch ans Faust kommen, der versteht, warum es genügend kluge Menschen gibt, die eine klare Verschiebung der Weltzentren voraussagen. Diese jungen Chinesen, die wir immer wieder kennenlernen, sind echt bildungshungrig. Eine derzeitig kaum vorstellbare Situation für Mitteleuropa. Eine größere Jungpopulation von Bildungshungrigen. „Mama, ich finde Bildung das Tollste. Ich bin echt hungrig drauf.“ Da schickt doch jede Mama ihren Sohn zum Arzt, weil sie meint, er wäre richtig schwer krank. Dabei sollten wir tatsächlich nach einem eigenen Weg suchen, der auch unsere Kids irgendwie bildungshungriger macht. Auch wegen uns. Denn Sie wissen ja, in 20 Jahren, wenn wir vielleicht eine neue Karriere als Schwellenland machen, dann wäre es gut, wir hätten so ein paar richtig kluge Köpfe, die sich ihre Pubertät in den Sommerferien zwischen der 9. und 10. Klasse genommen hätten und in 20 Jahren die richtigen Antworten und Ideen hätten.

Wir arbeiten dran. Vorschläge nehmen wir dankend entgegen.

Ich muss noch schnell eine kleine Geschichte draufsatteln, die ich in dieser Woche in zwei Vertretungsstunden erzählt habe. Im letzten Jahr hatten wir mal wieder alle Versetzungsgefährdeten aus Klasse 7 und 8 eingeladen. Frau Hirth, Frau Geismann und ich. „Lieber ein Jahr nach Amerika als ein Jahr wiederholen“, war unser Motto. Ein Mädchen hatten wir fälschlicherweise auf die Liste gesetzt. 8. Klasse. War im Jahr zuvor in der 7. Klasse noch böse versetzungsgefährdet gewesen. Hatte gestreckt und gefragt, warum sie eingeladen worden wäre, sie hätte keine so schlechten Noten. Als wir die Liste nachgesehen hatten, blieb uns fast die Luft weg. Aus hauptsächlich Vierern und einem Fünfer in Klasse 7 hatten sich die Noten fast halbiert. Großteil zwei, keine einzige Vier. Zweimal die Eins. Sensationell, fanden wir. Wir waren bei der Einladung in der Zeile verrutscht. „Erzähl doch bitte jetzt mal den anderen, was bei dir passiert ist, dass sich deine Noten so unglaublich verändert haben. Innerhalb von einem Jahr?“ bat Frau Hirth. „Das Mädchen lachte ganz frei und meinte sehr knapp und überzeugend: „ Ich passe jetzt einfach auf. Tolles Gefühl übrigens.“ Verrückte Geschichte. Nur haben wir noch nicht herausgefunden, wie wir dieses schlichte Konfuzius-Story für eine größere Schülerpopulation hinbekommen könnten. :-)

Ältere Artikel »

Powered by WordPress ( WordPress Deutschland )